Selten interessieren sich die US-Amerikaner stärker für ihr Fernsehprogramm als in diesen Wochen im Mai. Gerade erst hat sich bei den Upfronts in New York entschieden, welche geliebten Serien fortgesetzt und welche nicht so geliebten Serien eingestellt werden. Dazu kommen in diesen Tagen die diversen Staffelfinale der TV-Saison 2010/11. Manchmal ist es ein Abschied für immer, manchmal dank nervenaufreibender oder tränenreicher Cliffhanger fast genauso schlimm.
Dazu kommen in diesem Jahr noch zwei weitere TV-Schlagzeilen die weit über die Fachpresse hinaus gehen. Die Nachfolgeregelung bei "Two and a half men" etwa, die nach den öffentlichen Eskapaden von Charlie Sheen fast zu so etwas wie einer nationalen Aufgabe wurde. Oder eben der Abschied von Oprah Winfrey. Angekündigt hatte sie ihn schon im vergangenen Jahr. Am kommenden Mittwoch ist es jetzt jedoch soweit: Nach knapp 25 Jahren moderiert sie zum letzten Mal die "Oprah Winfrey Show".
Und auch wenige Tage vor der letzten Sendung ist noch nicht bekannt, wer zu Gast sein wird und wie Winfrey ihre letzte Sendung gestalten wird. Das Geheimnis wird gut gehütet und trägt somit zum allgemeinen Hype bei. Schon seit Tagen kennen die Celebrity-Magazine im US-Fernsehen neben der Affäre von Arnold Schwarzenegger nur ein Thema: Oprah Winfreys Abschied. Dass er von allen Seiten beleuchtet wird, wäre noch untertrieben. Da wird sogar ihr persönlicher Stylist zum Thema, der erklärt wieso sich Winfrey seit Jahrzehnten weigert Halsketten zu tragen.
Dann gibt es einen Rückblick auf die Diäten der Oprah Winfrey. Auf Ihre Frisuren. Auf Ihre Mode. In der Tat hat sich Winfrey in den vergangeenn 25 Jahren immer wieder neu erfunden. Was klingt wie ein Satz für den man fünf Euro ins Phrasenschwein werfen müsste, stimmt bei ihr ausnahmsweise tatsächlich. Durch ihre werktägliche TV-Präsenz seit 25 Jahren wurde die Nation vor dem Bildschirm Augenzeuge jeder Veränderung. Und die gab es, denn bis zu Ihrer vor wenigen Jahren geäußerten Erkenntnis, dass Diäten nichts bringen, war sie die Queen of Diet in den USA - und sie selbst das Versuchskaninchen.
Mal beleibt, mal schlank. Egal wie sie gerade war, Oprah Winfrey schaffte es, dem überwiegend weiblichen Publikum jedes Mal ihre persönliche Einstellung und Haltung als Trend zu verkaufen. War Oprah dick, durfte man es sein. War sie dünn, musste man es auch sein. Und obwohl sie sich jedes Mal bewusst inszenierte verlor sie beim breiten Publikum nie das Image einer Frau aus dem Volke. Und das obwohl sie Milliarden verdient hat, weil sie wie keine andere Frau zuvor sich selbst zur Marke gemacht hat. Ein von ihr herausgegebenes Magazin heißt ganz pragmatisch O, The Oprah Magazine.
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