Seit vielen Jahren setzt das ZDF am Dienstagabend auf zeitgeschichtliche Formate, doch das Interesse daran war zuletzt zunehmend rückläufig. Und so kündigte ZDF-Chefredakteur Peter Frey bereits kurz nach seinem Amtsantritt an, genau dort Veränderungen herbeiführen zu wollen. Seit Mitte Januar ist das Ergebnis nun zu sehen. "ZDFzeit" nennt sich das Label, unter dem verschiedene Dokumentationen und Reportagen gezeigt werden. "'ZDFzeit' bündelt Themen, die bisher nebeneinander gestanden haben", erklärte Frey zu Jahresbeginn das Konzept. "Sie ist ein Label für eine neue Erzählform, die die Entdeckung Deutschlands und die Aufklärung von Geheimnissen, Zeitgeschichte und Royales verbindet."
Letztlich solle es um "die großen Fragen unserer Zeit gehen: Wie leben wir? Was verändert unsere Gesellschaft? Was ist uns wirklich wichtig?" Das alles klingt nach einem breiten Spektrum - und genau das bekommt der Zuschauer derzeit auch geboten. Von kuriosen Schatzsuchern in der ersten Folge über geheimnisvolle Unterwelten bis hin zu Seuchen reicht die Spanne der bislang ausgestrahlten zehn Folgen.
"Das Sendeversprechen lautet: Jeder Film ermöglicht dem Zuschauer einen so facettenreichen Blick auf ein Thema, dass er sagen kann: So habe ich das noch nicht gesehen", sagte Roman Beuler, der gemeinsam mit Christian Deick die neu aufgestellte Redaktion Zeitgeschehen leitet, im Vorfeld. "Ressortgrenzen spielen dabei keine Rolle. Ob Geschichte oder Naturwissenschaft, ob gehobener Boulevard oder gesellschaftspolitische Forschung, die Gegenstände unserer Dokumentation werden aus jeder Perspektive betrachtet." So recht scheinen sich die Zuschauer mit der bunten Mischung allerdings noch nicht angefreundet zu haben.
Die 3,4 Millionen Zuschauer, die "ZDFzeit" Ende Januar mit der Folge "Geheimes Deutschland" verzeichnete, waren bereits das höchste der Gefühle - zwischenzeitlich war der Einschaltquoten-Trend spürbar negativ. Für "Die Rückkehr der Seuchen" interessierten sich kürzlich nur etwas mehr als 1,5 Millionen Zuschauer - ein bitterer Tiefstwert, von dem man sich in den vergangenen Wochen kaum erholte. Die in dieser Woche gezeigte Folge gehörte mit knapp 2,2 Millionen Zuschauern bereits zu den erfolgreichsten. Nun beginnt beim ZDF jedenfalls die Ursachensuche. Offiziell heißt es jedoch noch aus Mainz, es sei zu früh, um ein Fazit zu ziehen.
Zuschauer-Trend: ZDFzeit
"Die Zuschauerresonanz auf die ersten Folgen war sehr unterschiedlich. Jetzt werden wir genau analysieren, welche Elemente beim Zuschauer auf Zuspruch gestoßen sind", sagte eine ZDF-Sprecherin gegenüber DWDL.de. Doch wirklich gut lief im Grunde genommen nur wenig - "ZDFzeit" schlug sich meist sogar schlechter als die zuvor auf diesem Sendeplatz gezeigten Dokumentationen. Vielleicht ist der bisherige Misserfolg der Vereinheitlichung des Doku-Sendeplatzes am Dienstagabend auch schlicht darauf zurückzuführen, dass "ZDFzeit" bisweilen eher einer Ansammlung von "Galileo"-Filmchen gleicht als einer ernsthaften Dokumentation, die man eigentlich an dieser prominenten Stelle erwartet.
Man wird den Eindruck nicht los, als wolle das ZDF seine Zuschauer nur nicht überfordern. Womöglich fehlt es also schlicht an Relevanz: Freilich kann man, wie in dieser Woche geschehen, Hansi Hinterseer - übrigens ein Tiroler - im Rahmen der Doku "Die Berge der Deutschen" über seine Liebe zu den Alpen philosophieren lassen - mehr als allenfalls gut gemeinte Info-Häppchen bietet "ZDFzeit" so kaum. Wenn es Mitte Mai im Rahmen der derzeit laufenden Reihe über deutsche Lebenswelten um Familien geht, werden die Top 5 der Scheidungsgründe vorgestellt. Ob das der richtige Weg ist? Es sei das Anliegen des ZDF, "möglichst viele Zuschauer für 'ZDFzeit' zu gewinnen", heißt es von Seiten des Mainzer Senders auf DWDL.de-Nachfrage.
"Deshalb arbeiten wir kontinuierlich an der Themenauswahl, der Herangehensweise und der Formatierung." Anders ausgedrückt: Noch ist "ZDFzeit" offensichtlich längst nicht dort, wo man das Label gerne haben möchte. Zum Vorwurf, viele der gezeigten Filme seien womöglich schlicht zu seicht, wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern. "Aber es war von Anfang an klar, dass der Dienstagabend ein schwieriger Platz für Dokumentationen ist und ein hohes Maß an konzeptioneller Arbeit erfordert", so eine ZDF-Sprecherin gegenüber DWDL.de. Dabei ist der Dienstagabend eigentlich durchaus ein gelernter Sendeplatz. Und ganz gewiss steckt darin mehr Potenzial als es bei "ZDFzeit" derzeit der Fall ist.
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