Für gewöhnlich ist es ziemlich beängstigend, wenn sich die Öffentlich-Rechtlichen selbst attestieren, ausnahmsweise mal so richtig verrückt zu sein. Bei "Yogeshwar und Schöneberger" ist genau das der Fall. Das neue Format im Ersten heißt nicht nur wie seine beiden Gastgeber, sondern trägt auch noch den Besorgnis erregenden Untertitel "Die verrückte Wissensshow". Das klingt krampfhaft und lässt Böses erahnen. Doch Ranga Yogeshwar versucht im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de die Angst vor der meist streng nach Plan laufenden öffentlich-rechtlichen Verrücktheit zu nehmen. "Die Kombination der Moderatoren ist durchaus ungewöhnlich und verrückt", erklärt er. Und er hat ja durchaus Recht: Irgendwie will das Moderationsduo nicht so recht zusammenpassen. Zumindest auf dem Papier.

Auf der einen Seite der allwissende Yogeshwar, der kürzlich als Gast bei "Roche und Böhmermann" ganz gelassen reagierte, als Charlotte Roche zu Proktokoll gab, ihn im Vorfeld der Aufzeichnung mit Cherno Jobatay verwechselt zu haben. Und auf der anderen Seite die toughe und hochschwangere Barbara Schöneberger, die um keine Antwort verlegen ist. Die schnelle Auffassungsgabe haben beide aber gemein - und letztlich könnte diese Mischung genau deshalb durchaus spannend und unterhaltsam werden. "Nichts ist schlimmer als eine Doppelmoderation mit jemandem zu machen, der nur das weiß, was auf der Moderationskarte steht", sagt Yogeshwar und fügt artig hinzu: Bei Barbara Schöneberger sei das ganz anders.

Das Konzept der neuen Sendung, die am Donnerstagabend erstmals im Ersten zu sehen sein wird, ist schnell erklärt. "Wir haben die Absicht, Zusammenhänge plausibel zu erklären - und zwar möglichst humorvoll", so Yogeshwar, der im vergangenen Jahr für seine leicht verständlichen Erklärungen nach der Fukushima-Katastrophe mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Anders als bei der "Show der Naturwunder", die er an der Seite von Frank Elstner moderiert, dürfte das neue Format mit Schöneberger tatsächlich deutlich mehr Schwung versprechen. Auf die Rolle der Co-Moderatorin will sich Barbara Schöneberger allerdings nicht beschränken, wie sie gegenüber DWDL.de versichert. "Weder Ranga noch ich sind in der Assistentenrolle. Das haben wir uns zusichern lassen."

Und im Gegensatz zu Elstners Naturwunder-Show wird es nun eher um Dinge gehen, von denen wir alle Tag für Tag umgeben sind. Yogeshwar, seit Jahren Chef-Erklärer beim WDR, sagt: "Wir haben als Thema bewusst den Alltag genommen, weil er noch immer voller Überraschungen steckt. Das interessiert Menschen, das kann man anwenden. Dahinter steckt oft mehr Wissenschaft, als man vermutet." Seine Kollegin Barbara Schöneberger sieht das alles aber viel lockerer. "Alltag bedeutet vor allem viel Ernährung - zumindest bei mir", scherzt sie. Besonders neu erscheint das Konzept von "Yogeshwar & Schöneberger" - bei aller Verrücktheit - aber dennoch nicht. Vier Prominente treten für den guten Zweck in verschiedenen Quiz- und Experimenterunden gegeneinander an.

Hinzu kommen noch 100 repräsentativ ausgewählte Personen aus dem Publikum, die die gestellten Aufgaben lösen müssen. Am Ende lässt sich schließlich sagen, ob Frauen oder Männer besser im Alltag Bescheid wissen - oder ob Stadtmenschen mehr Ahnung haben als Menschen vom Land. Irgendwo hat man das ganz sicher schon mal gesehen. Nein, sonderlich verrückt klingt das wirklich nicht. Und doch glaubt Yogeshwar an das Konzept, verweist beispielsweise auf ein Experiment, das zeigen soll, was Menschen alles für 40 Gramm Erdnüsse tun. "Wenn Sie nach diesem Experiment immer noch sagen, dass diese Senudng den Titel 'verrückt' nicht verdient hat, dann weiß ich wirklich nicht weiter", verspricht er.

Am verrücktesten wirkt allerdings beinahe schon die Tatsache, dass der kleine Saarländische Rundfunk an der WDR-Produktion beteilt ist, die bei Erfolg in Zukunft ein bis zwei Mal jährlich ausgestrahlt werden soll. "Es weht ein Hauch von Elsass in Bocklemünd", witzelt Barbara Schöneberger, die nun die ganze Familie im Blick hat. "Wir nehmen alle. Es darf jeder gucken." Zum Start bekommt es das ungewöhnliche Duo allerdings nicht leicht gemacht, schließlich heißt der Gegner am Donnerstag "The Voice of Germany". Schöneberger selbst ist dennoch gelassen - wohl auch, weil sie mit der "NDR Talk Show" seit Jahren erfolgreich im Geschäft ist und der Ausflug in die Primetime eher den Anschein einer netten Zugabe hat. Angesprochen auf ihren NDR-Talk lacht Schöneberger: "Wir haben super Quoten. War auch nicht immer so in meinem Leben."

Doch wie steht es nun tatsächlich um die Verrücktheit bei "Yogeshwar & Schöneberger"? "Wenn wir gefährliche Sachen vorführen, dann ist das für die Zehnjährigen eine echte Inspirationsquelle", weiß Ranga Yogeshwar, selbst vierfacher Familienvater, nur allzu gut. Und so gibt es am Ende des Gesprächs mit Ranga Yogeshwar und Barbara Schönerberger dann doch noch so etwas wie eine Art öffentlich-rechtliche Einschränkung für die versprochene Crazyness - zu ausgeflippt darf's im Ersten dann eben doch nicht zugehen. "Wir haben so etwas wie eine verantwortungsbewusste Verrücktheit", fasst Yogeshwar schließlich pflichtbewusst zusammen. Eine schöne Erklärung. Und für ARD-Verhältnisse tatsächlich fast schon ein wenig verrückt.