Rückblick 2011/2012 - kabel eins © DWDL
Der DWDL.de-Baustellen-Report

kabel eins: Auf der Suche nach Aufmerksamkeit

 

Mit der Losung "Relax mal sechs plus eins" hat es sich kabel eins in den letzten Jahren leicht gemacht und kaum noch Eigenes produziert. Katja Hofem will und muss das ändern, um dem Sender endlich wieder Aufmerksamkeit zu verschaffen.

von Uwe Mantel
21.08.2013 - 14:30 Uhr

Bei der Programm-Vorstellung für die neue Saison sprach man bei kabel eins von einem erfolgreichen Jahr, das der Sender hinter sich habe. Zumindest wenn man die Quoten als Grundlage nimmt, ist das eine eher eigentümliche Deutung: Zwischen September und Mai lag kabel eins in acht von neun Monaten bei den 14- bis 49-Jährigen unter dem Vorjahreswert. Pendelte der Marktanteil in der Saison 2011/12 noch um die 6-Prozent-Marke, so war es in der Saison 2012/13 ein halber Prozentpunkt weniger, während mit Vox und RTL II die beiden direkten Konkurrenten zulegen konnten.

Verwundern sollte das in Unterföhring allerdings auch nicht allzu viele - man kann nämlich nicht sagen, dass man sich in den letzten beiden Jahren mit aller Kraft gegen diesen Rückgang gestemmt hätte. Die Zahl der Eigenproduktionen wurde immer weiter zurückgefahren und zwischenzeitlich auf gerade mal einen kläglichen Sendeplatz für Dokusoaps in der Primetime reduziert. Dazu kommt "Abenteuer Leben", doch auch beim "K1 Magazin" wurde die Schlagzahl aber erheblich reduziert. "Relax mal sechs plus eins" war die Losung, die der ehemalige kabel eins-Chef Karl König ausgegeben hatte. Eigene Produktionen also nur noch an einem Abend.

Dass bei kabel eins im Doku-Bereich außer "Rosins Restaurants" nur noch wenig übrig geblieben ist, ist aber nicht allein die Schuld des Senders: Die strauchelnde große Schwester Sat.1 bedient sich gerne an Formaten, die kabel eins zum Erfolg geführt hat. Eine Wette darauf abschließen, dass Rosin Restaurants noch lange bei kabel eins berät sollte man angesichts der zuletzt sehr erfreulichen Quoten da besser nicht.

Trotzdem herrscht Aufbruchstimmung bei kabel eins, seit Katja Hofem das Ruder übernommen hat. "Die größten Herausforderungen bei Kabel Eins sind, den Sender einfach wieder noch mehr ins Relevant Set zu bekommen. Er muss wieder ein bisschen Aufmerksamkeit erregen", so Hofem im Mai. Das hat kabel eins zuletzt tatsächlich gefehlt. Abgesehen von der Europa League, die immer für gute Quoten gut war, gelang es dem Sender nicht mehr, Gesprächsthema zu werden - ganz anders als RTL II mit "Berlin - Tag & Nacht" oder den "Geissens" oder Vox selbst mit einem Nachmittagsformat wie der "Shopping Queen". Nachdem man das Problem immerhin erkannt hat, sind für die nächsten Monate nun diverse Experimente und neue Formate angekündigt, stets ausgerichtet auf Männer als Zielgruppe - Erfahrung bringt Hofem da ja von DMAX mit.

Auch im Serienbereich fehlen kabel eins die Aushängeschilder. Natürlich: Mit "Navy CIS"-Wiederholungen in hoher Dosis fährt man samstags erstaunlich gut - doch am einstigen Serien-Aushängeschild Freitag tut man sich schwer. Und dass Sat.1 kabel eins nun sogar "Castle" abgenommen hat, obwohl das zwar ordentlich lief, aber keinesfalls ein großer Überflieger war, macht die Lage nicht gerade einfacher. Serien wie "Sons of Anarchy" oder "Southland" versendet man spätabends oder in der Nacht und bedient allenfalls ein Nischenpublikum.

Arbeiten muss Katja Hofem aber auch am Vorabendprogramm. Während man tagsüber nach dem Klau der Sitcom-Strategie durch ProSieben mit Krimi-Wiederholungen ganz gut fährt, liegt insbesondere die etwas missglückte Überarbeitung von "Achtung Kontrolle" zur Scripted Reality "Die Topstories der Ordnungshüter" auf unbefriedigendem Niveau. In dieser Woche testet der Sender daher zwei neue Formate "Mein Lokal, Dein Lokal" und "Mein Zuhause, Dein Zuhause" - die zum Auftakt allerdings schonmal sehr schlecht liefen. Das zeigt nur: Es wird ein steiniger Weg raus aus der bequemen Relax-Haltung. Doch wenn man in einer Zeit von immer mehr Sendern nicht aus der Wahrnehmung der Zuschauer verschwinden will, dann führt daran eigentlich kein Weg vorbei.

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