Zwischen Tüll und Tränen © Vox/Stefanie Schumacher
Steigende Quoten ohne Scripted Reality

Echt und erfolgreich: Wie Vox die Daytime umkrempelte

 

Scripted Reality war gestern: Als sich Vox vor zwei Jahren dazu entschied, "Verklag mich doch" zu streichen, nahm der Sender eine lange Durststrecke in Kauf. Inzwischen steigen die Daytime-Quoten wieder - und selbst das "Dinner" hat sich erholt.

von Alexander Krei
07.12.2016 - 08:11 Uhr

Dass Vox derzeit so etwas wie der "Sender der Stunde" ist und sich über steigende Marktanteile freuen kann, liegt an den großen Erfolgen, die man in den zurückliegenden Monaten mit Hits wie "Die Höhle der Löwen" und "Club der roten Bänder" feierte. Aber eben nicht nur: Parallel dazu ist es dem Sender im Herbst nämlich gelungen, auch die Quoten in der Daytime zu steigern. Vor allem die Entscheidung, die Hochzeits-Dokureihe "Zwischen Tüll und Tränen" nach bestandenem Test auf dem täglichen 17-Uhr-Sendeplatz in Serie zu schicken, hat sich voll und ganz ausgezahlt. Wo "Mein himmlisches Hotel" bislang im Schnitt kaum mehr als sechs Prozent Marktanteil in der Zielgruppe verzeichnete, liegt "Zwischen Tüll und Tränen" nicht selten bei über zehn.

Hinzu kommt eine massive Steigerung um 14:00 Uhr, wo Vox seit zwei Jahren bemüht war, mit der Einstellung der überaus erfolgreichen Scripted Reality "Verklag mich doch" einen Image-Wandel zu vollziehen - und einen sehr langen Atem beweisen musste. Während das Straßen-Quiz "Wer weiß es, wer weiß es nicht?" über viele Monate hinweg teils nicht mal zwei Prozent Marktanteil verzeichnete, fand der Sender zuletzt mit "Mein Kind, Dein Kind" doch noch zurück in die Erfolgsspur, was wiederum dem Dauerbrenner "Shopping Queen" hilft, der mit im Schnitt mehr als neun Prozent Marktanteil aktuell fast einen Prozentpunkt über den Werten des Vorjahres liegt. Auch "4 Hochzeiten und eine Traumreise" konnte sich im Zuge dessen steigern.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unserer Daytime-Formate. Und in der Tat hat uns die Entscheidung, vor einigen Jahre komplett auf Scripted Entertainment am Nachmittag zu verzichten, zunächst ein paar Durststrecken verursacht", räumt Vox-Chefredakteur und -Unterhaltungschef Kai Sturm rückblickend ein. "Wir haben in dieser Zeit viele Projekte angestoßen und Inhalte getestet. Das Ziel war und ist einerseits, thematische und strukturelle Vielfalt für den Zuschauer zu bieten und gleichzeitig eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen, die Vox-typisch ist und die für den wichtigen Audience Flow sorgt. Außerdem möchten wir auch am Nachmittag eine Alternative anbieten."

Kai Sturm
© Vox/Guido Lange
Dass "Mein Kind, dein Kind" inzwischen so gut läuft, sei "ein Ergebnis von langer Entwicklungsarbeit", so Sturm (Foto). "Wir hatten das Thema früh als unique und interessant identifiziert, es hat uns aber gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Imago einige Piloten und Entwicklungsschritte gekostet bis wir auf dem heutigen Stand angekommen sind. Sturms Rechnung ist einfach: "Wenn die einzelnen Bausteine des Nachmittags stark sind, hilft das in alle Richtungen", betont er - und bekommt mit Blick auf die jüngsten Quoten recht. Tatsächlich ist nämlich nicht nur die Daytime erstarkt, sondern auch der Vorabend.

Weil der Doku-Neustart "Hautnah: Die Tierklinik" auf Anhieb besser funktioniert als "mieten, kaufen, wohnen", schaffte es Vox, den Abwärtstrend des "Perfekten Dinners" zu stoppen. Immer wieder erzielte der Klassiker in den zurückliegenden Wochen Marktanteile von mehr als acht Prozent, was zwar weit entfernt ist von einstigen Bestwerten, aber gleichzeitig deutlich über den Tiefpunkten des Sommers liegt. "Das Wiedererstarken des 'Perfekten Dinners' ist eine wunderbare Entwicklung, die einerseits dem Programm selbst zugesprochen werden muss - toller Cast, das Programm wird immer wieder im Detail weiterentwickelt und hat sich die feinsinnige und süffisante Humorebene bewahrt - und andererseits das Ergebnis eines frischen und starken Lead Ins durch 'Hautnah: Die Tierklinik' sowie 'Zwischen Tüll und Tränen'", fasst Kai Sturm zusammen.

"Einfache Me-too-Programme scheiden schon mal aus."
Vox-Chefredakteur Kai Sturm

Für das kommende Jahr kündigt der Vox-Chefredakteur schon mal an, weiter an der Daytime arbeiten zu wollen. Denn bei aller Euphorie bleibt festzuhalten, dass der Sender auch jetzt noch nicht auf allen Sendeplätzen auf jenem Marktanteils-Niveau liegt, das man in der Vergangenheit schon einmal kannte. Echte Brandherde gibt es im Tagesprogramm des Kölner Senders derzeit allerdings nicht mehr - sieht man vielleicht mal von "Prominent!" ab, dessen Quoten zuletzt aber ebenfalls wieder leicht anzogen.

Doch was genau müssen Formate eigentlich mitbringen, damit sie für Vox interessant sind? "Wir möchten authentisches und inspirierendes Fernsehen machen und das gilt für alle Zeitzonen gleichermaßen", erklärt Kai Sturm. "Deshalb scheiden einfache Me-too-Programme schon mal aus - wir suchen das besondere Etwas, die extra Ebene, die eine Idee für uns besonders macht. Schwer zu erklären, wie immer merkt man das erst, wenn die Idee da ist." Gerade in der Daytime spielten zudem finanzielle finanzielle Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. "Und wir überlegen uns ganz genau, welche Perspektive ein Daytime-Programm hat - es muss ja nicht alles elf Jahre laufen so wie 'Das perfekte Dinner', aber die Kraft zum Langläufer sollte die Story, der Cast, die Idee schon haben."

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