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Saisonbilanz 2017/18 – VOX © DWDL
Saison-Rückblick 2017/18

Vox-Saisonbilanz: Die Leuchttürme haben ihr Limit erreicht

 

Der Erfolg der Eigenproduktionen von Vox ist weiterhin beachtlich - doch weiteres Wachstum ließ sich mit den Leuchttürmen in der Primetime nicht mehr erzielen. Weil zugleich die Serien-Misere anhielt, blieb der Sender alles in allem etwas hinter der Vorsaison zurück.

von Uwe Mantel
08.06.2018 - 10:00 Uhr

Nachdem die Vox-Quoten zwischenzeitlich nur noch den Weg nach oben zu kennen schien, musste man beim Sender in der zurückliegenden Saison erkennen, dass der Weg doch nicht schnurstracks in Richtung erste Senderliga führt. Im Zeitraum September bis Mai gelang es Vox nur in zwei Monaten, den Vorjahreswert leicht zu übertreffen, überwiegend blieb man aber ein Stück hinter den Vorjahreszahlen zurück. Dabei hat sich an den grundsätzlichen Stärken von Vox im Vergleich zur vorangegangenen Saison nichts geändert - allerdings eben auch nichts an den Schwächen.

Verlassen kann sich Vox weiterhin auf sein Nachmittagsprogramm, auf das man auch bei der großen Schwester RTL mit einem gewissen Neid blicken dürfte. "Mein Kind, Dein Kind", "Shopping Queen", "Vier Hochzeiten und eine Traumreise" und "Zwischen Tüll und Tränen" sind weiter die fantastischen Vier von Vox, die durchweg starke Quoten in der Daytime garantieren. Doch zugleich gelang es auch weiterhin nicht, diesen Erfolg in den Vorabend auszudehnen. Die Hoffnung, dass man mit "First Dates" um 18 Uhr mehr Schwung aufnehmen könnte und damit auch "Das Perfekte Dinner" wieder nach vorne bringen könnte, hat sich nicht bestätigt. Beide Formate sind keine Flops, liegen aber unter dem Soll.

Das größte Problemfeld bleibt für Vox aber, dass man keine erfolgreichen Lizenzserien auftreiben kann. Dabei zeigt man sich bei Vox erkennbar bemüht, nicht einfach Dutzendware aus den USA ins Programm zu kippen (wovon man nach dem Auslaufen der meisten Output-Deals bekanntlich ohnehin nicht mehr allzu viel hat), sondern will sich als eine Art Ratgeber für seine Zuschauer positionieren, das aus der Flut an Serien einige wenige auswählt und sie mittwochs präsentiert. Die können dann auch mal aus Großbritannien stammen wie bei "Liar", von kleineren Sendern wie bei "Imposters" oder auch von HBO wie bei "Big Little Lies". Im besten Falle würde das Publikum also darauf vertrauen: Was Vox da ausgräbt, ist schon mal einen Blick wert. Allein: Diese Rolle wird Vox augenscheinlich bislang von allzu wenigen zugestanden. Die genannten Serien floppten jedenfalls reihenweise mit richtig bitteren Quoten - und weil auch kein Dauerbrenner, wie es jahrelang "Rizzoli & Isles" war, mehr zur Verfügung steht, ist der Mittwoch nun eine Dauerbaustelle. Daran konnte auch die zweite internationale Koproduktion "Gone" nichts ändern, die wie zuvor schon "Ransom" die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Und auch die Hoffnung, dass die "Chicago"-Serien vielleicht im Block funktionieren könnten, erwies sich am Freitagabend als trügerisch.

Um so wichtiger ist also, dass Vox schon früher als andere Sender den Hebel umgelegt hat und stark auf Eigenproduktionen setzt. Dabei sind in den vergangenen Jahren diverse Leuchttürme entstanden, die über die Schwäche der Lizenzformate hinwegtrösten. Doch während Vox zuletzt von Staffel zu Staffel die Quoten häufig sogar noch steigern konnte, scheint inzwischen das Potential ausgeschöpft. Im besten Falle konnte das erreichte sehr gute Quotenniveau gehalten werden wie bei der "Höhle der Löwen". Ansonsten ging es aber teils leicht bergab wie bei "Ewige Helden" oder auch "Kitchen Impossible", anderswo war der Rückgang deutlicher ausgeprägt wie etwa beim Finale des "Clubs der roten Bänder" (das nichtsdestotrotz ein voller Erfolg war) oder insbesondere derzeit bei "Sing meinen Song", das im Lauf der Staffel sogar kurzzeitig schon unter den Senderschnitt rutschte. Der Weggang von Steffen Henssler konnte durch "Grill den Profi" zudem bislang bei Weitem nicht gleichwertig ersetzt werden Eine Ausnahme unter den Eigenproduktionen stellte "6 Mütter" dar, das sich mit einer neuen Programmierungsstrategie nach einer soliden ersten Staffel nun zum echten Erfolg mauserte - aber auch nur drei Wochen lang im Programm war. Neue Höhen erreichte zudem "Hot oder Schrott".

Vox brachte zwar einige neue Formate an den Start, allerdings war nicht das große neue Primetime-Projekt darunter, das dem Sender den nächsten Leuchtturm hätte bescheren können. Stattdessen bemühte man sich, mehr Programmfläche mit Eigenproduktionen zu bespielen, indem man beispielsweise verstärkt auch Formate für den späteren Abend ausprobierte. "Knife Fight Club" scheiterte allerdings nicht zuletzt am unregelmäßigen Sendeplatz im Anschluss an den Film, auch die "Notrufzentrale" lief eher unterdurchschnittlich. Immerhin hat sich "Hubert & Matthias - Die Hochzeit" nach ernüchterndem Beginn inzwischen zum Erfolg gemausert. Nennenswert war zudem der Versuch, mit "Beat the Box" am ohnehin erfolgreichen Sonntag-Vorabend nochmal mit einer neuen Farbe für Abwechslung zu sorgen, was immerhin auch ordentliche Quoten holte.

Es ist also nicht so, dass Vox die Lust aufs Experimentieren verloren hätte - das zeigt sich nach einem ruhigeren Jahr aber vor allem in der kommenden Saison wieder, wenn man sich mit "Milk & Honey" nicht nur an seine zweite deutsche Serie, sondern auch an das bei Vox bislang gar nicht präsente Genre Comedy wagen wird. Ob darunter der nächste große Hit sein wird? Bedenkenträger gibt es einige - doch Vox wusste auch in der Vergangenheit schon einige Male zu überraschen.

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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