Saisonbilanz 2017/18 – ProSieben © DWDL
DWDL.de-Saison-Rückblick 2017/18

Ein Sheldon ist nicht genug: Wohin steuert ProSieben?

 

"The Voice" holte die stärksten Quoten seit Jahren, die "Topmodels" liefen gewohnt erfolgreich und mit "Young Sheldon" hat ProSieben einen neuen Serien-Hit im Programm. Dennoch gingen die Quoten des Senders zurück. Woran es haperte...

von Alexander Krei
14.06.2018 - 09:00 Uhr

Schon in der TV-Saison 2016/17 musste ProSieben mehrfach um die Zweistelligkeit bangen, in der jüngst zu Ende gegangenen Saison waren Marktanteile von weniger als zehn Prozent in der Zielgruppe nun tatsächlich die Regel. In jedem der neun Monate bewegte sich ProSieben unter dem Wert des Vorjahres und einzig im November gelang es, einen zweistelligen Wert zu erzielen – der Stärke von "The Voice of Germany" sei Dank. Mit bis zu 27 Prozent Marktanteil war die Castingshow erneut der mit Abstand größte Quoten-Hit im Programm – umso bitterer, dass selbst dieser beachtliche Erfolg nicht für ein kleines Plus reichte. 

Dass die Saison-Bilanz derart ernüchternd ausfällt, hängt am wenigsten mit den Shows zusammen und hat gleichwohl damit zu tun. Zwar hat ProSieben ein durchaus breites Portfolio in diesem Genre aufzuweisen, doch abgesehen von "The Voice" und "Germany's next Topmodel", das sich mit stabilen Quoten regelmäßig zur Marktführerschaft am Donnerstagabend aufschwang, schossen die Zuschauerzahlen aber eben nur selten durch die Decke. So blieb der Neustart "Get the Fuck of my House" mit im Schnitt weniger als zehn Prozent allenfalls im Mittelmaß hängen, "Kiss Bang Love" erreichte sogar nicht mal sechs Prozent.

Einigermaßen enttäuschend ist auch die Quoten-Entwicklung von "Schlag den Henssler", das als Nachfolger von "Schlag den Raab" auch unter den Werten von "Schlag den Star" lag – von der prominenten Vox-Verpflichtung dürfte man sich in Unterföhring gewiss mehr erhofft haben. Das gilt jedoch erst für die von Stefan Raab erfundene Erfinder-Show "Das Ding des Jahres", die mit fast zwei Millionen Zuschauern zwar überzeugend startete, dann aber zeitweise sogar in den einstelligen Marktanteils-Bereich fiel. Der gewünschte Befreiungsschlag war das also nicht, zumal die Sendung auch inhaltlich noch nicht rundum zu überzeugen wusste.

Die zurückliegende Saison war allerdings nicht nur die erste, in der Raab - wenn auch nur hinter den Kulissen - mit neuer Show-Idee mitmischte; es war auch die erste Saison, in der Joko und Klaas nach dem Ende von "Circus HalliGalli" verstärkt alleine unter Beweis stellen wollten, dass sie auch alleine funktionieren. Das funktionierte rückblickend betrachtet aber gar nicht mal so gut: Die neue Samstagabendshow "Beginner gegen Gewinner" mit Joko Winterscheidt startete zwar ordentlich, lag mit der dritten Ausgabe aber schon im einstelligen Bereich. Auch die von Klaas Heufer-Umlauf präsentierte "Late Night Berlin" dümpelte zuletzt bei Werten um acht Prozent und brachte den Sender nicht nach vorne.

Am besten kamen die beiden auch 2017/18 im Doppelpack an: "Die beste Show der Welt" schlug sich wacker, "Das Duell um die Welt" sogar richtig überzeugend - umso ärgerlicher für ProSieben, dass ausgerechnet der größte Show-Hit mit Joko und Klaas nur so selten den Weg ins Programm findet. Ähnlich wie bei den Shows waren auch die großen Erfolge im Serienbereich in der vergangenen Saison rar gesät. Neben "The Big Bang Theory" kann der Privatsender seit Jahresbeginn aber zumindest einen zweiten Abräumer sein Eigen nennen: Der Ableger "Young Sheldon" bescherte ProSieben den besten Serien-Start seit Jahren. Und anders als viele andere Neustarts konnte die Comedyserie das starke Quoten-Niveau sogar halten.

Die Liste der Serien-Flops ist lang

Im Schnitt waren sowohl "Big Bang Theory" als auch "Young Sheldon" für Marktanteile von fast 18 Prozent in der Zielgruppe gut. Mit Abstrichen funktionierte am Comedy-Montag zuletzt auch "The Middle". Nichts zu lachen hat ProSieben dagegen mit der Neuauflage von "Will & Grace", die bei den Zuschauern völlig durchfiel, hierzulande aber ohnehin nie den Kult-Status besaß wie in den USA. Aber auch sonst funktionierte im Serien-Bereich nur wenig, was auch daran liegt, dass US-Serien generell einen zunehmend schweren Stand im deutschen Fernsehen haben. Und so ist die Flop-Liste lang - sie reicht von "Gotham" über "The Orville" bis hin zur Animeserie "Sword Art Online".

Völlig enttäuschend lief auch "Zoo", das wohl ebenso wie "Will & Grace" als Flop mit Ansage bezeichnet werden muss. Warum man die dritte Staffel plötzlich wieder bei ProSieben zeigte, nachdem einst schon in der ersten Staffel die Erkenntnis reifte, die Serie besser bei ProSieben Maxx auszustrahlen, bleibt das Geheimnis der Programmplaner. Immerhin: Auf den Dauerbrenner "Grey's Anatomy" konnte man sich noch immer verlassen. Gleichzeitig haben die "Simpsons" viel von ihrem einstigen Glanz eingebüßt, sowohl in der Primetime als auch am Vorabend, wo die Wiederholungen dem schwächelnden Wissensmagazin "Galileo" nicht gerade den Rücken stärken.

Doch während viele Serien und Sitcoms am Abend Probleme bereiteten, kann sich ProSieben zumindest am Nachmittag weiter auf seine Comedy-Schiene verlassen. Zwar zeigt der Quoten-Trend auch hier etwas nach unten, nicht selten reichen die Zuschauerzahlen jedoch aus, um den Sender in dieser Zeitschiene zum Marktführer in der Zielgruppe zu machen. Während sich RTL und Sat.1 also ernsthafte Gedanken um ihre Ausrichtung in der Daytime machen müssen, sind Alternativen zu den Sitcoms zumindest vorerst nicht gefragt. Will ProSieben unterm Strich aber wieder zweistellig werden, bedarf es vor allem am Abend mehr Mut zu eigenen Ideen. Ein zweites "Young Sheldon" dürfte sich so schnell jedenfalls kaum auftreiben lassen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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