Red Arrow Studios © Red Arrow Studios
"One Entertainment"

Red-Arrow-Pläne: Die neue Strategie und die Folgen

 

ProSiebenSat.1 will Produktions- und Sendergeschäft künftig deutlich enger aneinanderrücken - ganz so, wie es internationale Vorbilder auch machen. Das wirft Fragen und Sorgen auf, in der deutschen Produzentenlandschaft wie auch dem eigenen Team.

von Uwe Mantel
30.10.2018 - 15:32 Uhr

"Vertikale Integration" - das sind die zwei Worte, die die Strategie der US-Medienkonzerne in den vergangenen Jahren geprägt haben. Sieht man sich mal die Serienbestellungen der Networks an, dann fällt auf, dass kaum noch eine Serie beauftragt wird, die nicht vom konzerneigenen Produktionsstudio produziert oder zumindest koproduziert wird. Die Tendenz dazu gab es schon immer, zuletzt wurde das schon fast zum unumstößlichen Mantra. Auch wenn man nach Großbritannien blickt, dann, dann zeigt sich: ITV lässt am liebsten von ITV Studios produzieren. So bleibt die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Konzern.

In Deutschland betreiben die beiden großen privaten Sendergruppen ebenfalls eigene Produktionshäuser - die RTL Group mit dem UFA-Gruppe, ProSiebenSat.1 mit der zu den Red Arrow Studios gehörenden RedSeven. Auch hier gab es natürlich schon immer Zusammenarbeit, doch so eng verbandelt wie die US-Konzerne sind Produktions- und Sendergeschäft nicht - zumindest bislang. Denn eine Meldung vom Montag lässt aufhorchen: Im Zuge des Abschieds von Jan Frouman, der die Red Arrow Studios als internationales Produzenten-Netzwerk mit aufgebaut hatte, kündigte die Produktionstochter von ProSiebenSat.1 da nämlich auch eine Neufokussierung an.

Unter dem neuen ProSiebenSat.1-Konzernchef Max Conze rückt nämlich auch in Sachen Produktion plötzlich der deutsche Markt ins Zentrum. Unter dem internen Motto "One Entertainment" sollen Red Arrow Studios und das Entertainment-Segment mit seinen digitalen Segment näher zusammenrücken, ein neuer "Lenkungskreis" wird installiert, in dem die Führung beider Segmente zusammensitzen und sich künftig besser abstimmen sollen. Es gehe darum, "ein größeres Produktionsökosystem für deutsche Inhalte entwickeln" und den Anteil deutscher Produktionen zu steigern. "Genauso wie das Digitalgeschäft nun enger an das TV-/Content/-Entertainment-Geschäft rückt, gilt das auch für das Produktionsgeschäft. Wir wollen unsere Wertschöpfungskette von Entwicklung-Produktion-Distribution-Ausstrahlung deutlich stärker nutzen", erläutert eine ProSiebenSat.1-Sprecherin gegenüber DWDL.de.

Es sind Aussagen, die man in der deutschen Produzentenlandschaft mit Argwohn zur Kenntnis nimmt. Als in Deutschland die Produktionstochter RedSeven Entertainment 2008 gegründet wurde, waren die Befürchtungen groß: Wie gut würde man sich als externer Produzent noch durchsetzen können, wenn man mit der konzerneigenen Produktionsfirma um die gleichen Sendeplätze konkurriert? Auch wenn sich die größten Befürchtungen der Konkurrenz nicht bewahrheitet haben: Leichter geworden ist das Geschäft für unabhängige Produzenten nicht - und die Ankündigung, Red Arrow und die Entertainment-Sparte nun noch näher zusammenzurücken, lässt die Sorgen im Markt jetzt nochmal wachsen.

Bei ProSiebenSat.1 beschwichtigt man auf Anfrage von DWDL.de und verweist auf das zuletzt insgesamt gestiegene Budget für deutsche Produktionen. "Wir wollen insgesamt mehr lokale Inhalte für unsere Entertainment-Plattformen produzieren (lassen). Wie auch in der Vergangenheit wird davon nicht nur Red Arrow, sondern auch externe Produktionsfirmen profitieren", so eine Sprecherin des Unternehmens. Weil der Kuchen also insgesamt größer wird, soll es dem externen Markt also nicht so viel ausmachen, wenn sich ProSiebenSat.1 ein noch üppigeres Stück auf den eigenen Teller legt. Allzu beruhigend klingt das in den Ohren unabhängiger Produzenten allerdings nicht - nun bleibt allerdings erstmal abzuwarten, wie konsequent ProSiebenSat.1 seine Strategie umsetzt und welche Auswirkungen es konkret geben wird.

Unterdessen stellt sich nun auch für RedSeven die Frage, wie gut man noch mit anderen Sendern außerhalb des ProSiebenSat.1-Konzerns ins Geschäft kommen kann, wenn man so nahe an die Sender der Gruppe heranrückt. Der Verdacht, anderen Abnehmern würde nur noch die "zweite Wahl" angeboten, die man im eigenen Konzern nicht haben wollte, liegt jedenfalls nahe. Auch hier sieht man bei ProSiebenSat.1 kein Problem: Im neuen gemeinsamen "Lenkungskreis" gehe es gar nicht um die Diskussion konkreter Formatideen. Er diene dazu, "dass sich beide Seiten noch intensiver darüber austauschen, welche Inhalte die ProSiebenSat.1-Entertainment-Plattformen benötigen bzw. welche Inhalte Red Arrow aus seinem internationalen Netzwerk für die Gruppe nach Deutschland holen kann."

Und schließlich wird auch die eigene, internationale Red-Arrow-Mannschaft die Ankündigungen mit Interesse zur Kenntnis genommen haben - schließlich war Red Arrow bislang vor allem auch stolz auf seine internationalen Erfolge. Die Stärkung in Deutschland solle das auch nicht in Abrede stellen, heißt es bei ProSiebenSat.1. "Das eine schließt das andere nicht aus. Parallel zum lokalen Fokus wollen wir weiterhin das Geschäft unserer internationalen Produktionsfirmen voranbringen und halten die Augen offen, wenn sich im UK- und/oder US-Markt interessante Expansionsmöglichkeiten ergeben sollten", so eine Sprecherin.

Bleibt noch die Frage, was eigentlich aus den Plänen geworden ist, Red Arrow Studios künftig mit einem Partner zu betreiben und teilzuverkaufen. Ist das noch aktuell, wenn man aktuell doch eine stärkere Integration anstrebt? An der Position des Konzerns hat sich dadurch aber nichts geändert: "Red Arrow ist ein wichtiger Teil unseres Unternehmens und unserer Zukunftspläne. Wir haben gesagt, dass wir offen sind für Partnerschaften, wenn diese strategisch und kulturell zu uns passen und wir so die Größe und das Wachstum unseres Produktionsgeschäft steigern können. Wenn sich also eine Option ergibt, die diese Kriterien erfüllt, werden wir diese prüfen."

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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