Info- und Dokusender © ZDF / MG RTL D / Welt / Phoenix / ProSiebenSat.1
Der Konkurrenzkampf nimmt zu

Dokusender 2019: Die Zeichen stehen auf Wachstum

 

Mit ZDFinfo und kabel eins Doku sind 2018 zwei Dokusender spürbar gewachsen. Das dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, doch wie sehen die anderen Sender die aufstrebenden Kanäle und welche Auswirkungen hat die verschärfte Konkurrenzsituation auf dem Rechte-Markt?

von Timo Niemeier
22.01.2019 - 16:18 Uhr

Die kleinen Nischensender wachsen immer weiter und beanspruchen immer mehr vom Quotenkuchen für sich. Und längst wachsen nicht mehr nur die Männer- und Frauensender - 2018 waren es vor allem zwei Dokukanäle, die auf sich aufmerksam machten. Die Rede ist von ZDFinfo und kabel eins Doku. Lange dominierte ZDFneo die Schlagzeilen beim Wachstum der Nischensender, inzwischen ist aber auch ZDFinfo schon bei 1,4 Prozent Marktanteil angekommen. Besser als derzeit lief es für den Sender noch nie - und es sieht so aus, als wären für den Sender noch weitere Zugewinne drin. kabel eins Doku war derweil der Sender mit dem höchsten Zugewinn überhaupt: Von 0,3 Prozent in 2017 ging es im vergangenen Jahr auf satte 0,7 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe nach oben (Hier geht's zu den Jahresmarktanteilen 2018).

Marc Rasmus© ProSiebenSat.1
Ähnlich wie ZDFinfo steckt auch bei kabel eins Doku noch einiges an Musik drin: Zuletzt erzielte der Sender bereits eine eins vor dem Komma. Doch woher kommt der Erfolg? Senderchef Marc Rasmus (Foto rechts) sagt gegenüber DWDL.de, man bediene inzwischen gezielt die Bedürfnisse der Zielgruppe. "Unsere programmliche Ausrichtung hat sich geändert: weg von Special-Interest-Genres und Dokus mit vorrangig hohem Schauwert, hin zu breiten und relevanten Themenbereichen." Der Fokus des Senders liegt auf Dokus, die informativ und unterhaltsam zugleich sein sollen. Er sei überzeugt davon, so Rasmus weiter, dass der Sender "weiteres Wachstumspotenzial" habe und die Marktanteile weiter steigern könne.

ZDFinfo-Leiter Robert Bachem© ZDF/Carmen Sauerbrei
Auch bei ZDFinfo hat sich in den zurückliegenden Jahren einiges geändert. Senderchef Robert Bachem (Foto links) sagt, man sei "klarer" im Programmangebot geworden. "Bei uns findet der Zuschauer lange Dokumentationsstrecken aus Politik, Gesellschaft, Geschichte, True Crime und Wissenschaft." Zudem habe man auch die veränderten Interessenlagen bei den Zuschauern unter 50 Jahren reagiert und die Dokustrecken zu Außenpolitik-Themen deutlich ausgeweitet. "Durch den Output-Deal mit PBS-Frontline verfügen wir zudem über die wichtigen Hintergrund-Dokus aus den USA rund um Donald Trump. Das Interesse daran ist immens gestiegen", sagt Bachem gegenüber DWDL.de. Geht es nach dem Willen des Senderchefs, soll ZDFinfo auch künftig wachsen. "Wir glauben, dass wir noch mehr Menschen für unsere Themen und auch unsere Herangehensweise erreichen können." Zunächst gehe es aber immer erst einmal darum, das Erreichte zu sichern. Auch das sei nicht trivial, betont Bachem.

True Crime und Trump besonders beliebt

Doch was läuft bei den derzeitigen Doku-Shootingstars besonders gut? Bei kabel eins Doku sind es vor allem die Programmfarben "Recht und Ordnung" und "Geheimnisvolle Phänomene". Erfolgreichste Sendung im vergangenen Jahr war eine Ausgabe der True-Crime-Reihe "Homicide Hunter - Dem Mörder auf der Spur", die 2,8 Prozent Marktanteil eingefahren hat. In diesem Jahr will man unter anderem die zehnte Staffel von "Unerklärliche Phänomene – Ancient Aliens" als erster Free-TV-Sender auf die Bildschirme bringen. Bei ZDFinfo laufen deutsche Gesellschaftsthemen oft gut: Also etwa ein Dreiteiler über den Rockerkrieg bei den Hells Angels oder eine Doku, die einen Blick hinter die Kulissen von Burschenschaften gewährt. Hinzu kommt, wie oben bereits erwähnt, das große Interesse an Inhalten rund um Donald Trump. Und auch ZDFinfo punktet, allen voran bei den weiblichen Zuschauern, mit True-Crime-Inhalten. Highlight in diesem Jahr ist bei ZDFinfo unter anderem die National-Geographic-Reihe "One Strange Rock" mit Will Smith als Presenter. Ansonsten stehen viele Jahrestage an, unter anderem der 80. Jahrestag des Beginn des Zweiten Weltkriegs. Das wird man mit einer Reihe begleiten.

Torsten Rossmann© WeltN24
ZDFinfo und kabel eins Doku sind längst nicht die einzigen Doku-Sender am Markt. Mit N24 Doku hat auch Axel Springer einen entsprechenden Kanal. Wie erfolgreich dieser ist, lässt sich aber nicht mit Bestimmtheit sagen, weil das Unternehmen die Quoten nur gemeinsam mit Welt ausweist. Beide Sender werden auch gemeinsam vermarktet. WeltN24-Geschäftsführer Torsten Rossmann (Foto rechts) sagt gegenüber DWDL.de, man sei in den vergangenen beiden Jahren beim Aufbau der technischen Reichweite gut vorangekommen. "Wir wachsen Monat für Monat in der technischen Reichweite. Damit steigen auch die Marktanteile. Eine möglichst große GfK-Reichweite ist unser erstes Ziel. Derzeit liegen wir bei rund 58 Prozent aller TV-Haushalte." Neben den überall gut laufenden Crime-Formaten punktet N24 Doku auch mit Sendungen in den Genres Technik und Space. Noch im ersten Quartal will man zudem einige Weltraum-Formate zeigen, Anlass ist das 50. Jubiläum der ersten Mondlandung. Eins jedenfalls steht fest: N24 Doku wird auch künftig N24 Doku heißen und sich nicht umbenennen, etwa in Welt Doku. "Eine Namensänderung ist derzeit für uns kein Thema", sagt Rossmann auf Nachfrage. Zuletzt überarbeitete der Sender ja auch sein Design (DWDL.de berichtete).

Demmel kritisiert Öffentlich-Rechtliche

Hans Demmel© MG RTL D
Zwei Sender, die nicht im engeren Sinne Doku-Kanäle sind, aber dennoch viele Dokus und Reportagen zeigen, sind n-tv und Phoenix. "Konkurrenz belebt, aber erschwert natürlich auch das Geschäft", sagt n-tv-Chef Hans Demmel (Foto links) über die aufstrebenden Konkurrenten. Demmel kritisiert die aus seiner Sicht vorhandene "Schieflage", die sich durch die Öffentlich-Rechtlichen ergeben würde. Diese würden Dokus aus dem Hauptprogramm in die Spartenprogramme verschieben. "Unabhängig davon haben wir uns aber für eine stärker Nachrichten-orientierte Ausrichtung entschieden und unseren News- und Wirtschaftsanteil im vergangenen Jahr nochmals deutlich ausgebaut."

Helge Fuhst und Michaela Kolster© Phoenix / Matthias Lüdecke
Die beiden Phoenix-Programmgeschäftsführer Michaela Kolster und Helge Fuhst (Foto rechts) verweisen gegenüber DWDL.de auf ihren stabilen Jahresmarktanteil im Bereich der Dokus Höhe von 1,1 Prozent beim Gesamtpublikum. "Angesichts der zunehmenden Fragmentarisierung des Medienmarktes, der Spezialisierung von Doku-Sendern und des allgemein wachsenden Konkurrenzangebotes im Bereich der Sender und Videoplattformen, werden wir uns darauf aber nicht ausruhen." Im Vergleich zu den reinen Doku-Sendern vernetze man die Dokus mit der Liveberichterstattung und den Talk-Formaten zu einem ganzen Bild. An Ostern plant Phoenix den Thementag "Einmal um die Welt" mit Auslandsreportagen von ARD- und ZDF-Korrespondenten. Am 1. Mai gibt es im Anschluss an die Gewerkschaftskundgebungen zudem einen mehrstündigen Doku-Schwerpunkt über moderne Arbeitswelten.

Doch woher kommt nun eigentlich die neue Lust der deutschen TV-Zuschauer auf Dokus und Reportagen? Und wie wirkt sich die zunehmende Konkurrenz auf den Markt aus? "Das gewachsene Interesse für Dokumentationsformate gerade auch in den jüngeren Zuschauergruppen lässt sich darauf zurückführen, dass in diesen politisch aufgewühlten Zeiten das Bedürfnis steigt, Einblicke in die Hintergründe des aktuellen oder zurückliegenden Geschehens zu erhalten", sagt Robert Bachem von ZDFinfo. Hans Demmel bezeichnet Dokus als "nachhaltiges Wohlfühl-Fernsehen". Demmel: "Man ist als Zuschauer gut unterhalten und hinterher ein Stück klüger. Also überrascht es nicht, dass Sender, die ausschließlich auf Dokus setzen, ihr Publikum finden."

"Die Konkurrenz schläft nicht und das Angebot ist nicht unendlich."
Robert Bachem, Chef von ZDFinfo

Michaela Kolster und Helge Fuhst von Phoenix vergleichen den Doku-Trend mit dem derzeitigen Boom der Fiction-Serien. Sie sagen: "Neben dem merklichen Trend erfolgreicher Fictionserien nehmen wir als Informationskanal gleichzeitig eine große Nachfrage nach authentischen Informationen, hintergründigen Einordnungen und vertiefenden Diskussionen wahr." Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität würden Dokus für die nötigen Hintergründe sorgen. WeltN24-Geschäftsführer Rossmann sagt, die Qualität der Produktionen werde jedes Jahr besser und auch die Bandbreite der Themen nehme zu. "Hinzu kommt noch ein anderer wichtiger Aspekt: In eine Dokumentation kann man jederzeit einsteigen und bleibt deshalb auch beim Zappen hängen."

Doch es gibt auch Herausforderungen für die Doku-Sender. Durch die Tatsache, dass es immer mehr Anbieter gibt, verschärft sich auch der Kampf um die Inhalte. Was beim Sport und anderen Genres längst Realität ist, schwappt nun auch auf den Doku-Bereich über. "Die Programmversorgung wird zunehmend herausfordernder. Factual-Programme sind beliebt und begehrt", sagt kabel-eins-Doku-Chef Marc Rasmus. Auch Robert Bachem will künftig "noch besser und noch schneller gutes Programm identifizieren und beschaffen". Denn: "Die Konkurrenz schläft nicht und das Angebot ist nicht unendlich."

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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