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Lizenz-Streit, Bußgelder, Gerichtsverfahren

Skurriles Comeback von tm3: Ein Minisender als Dauerärgernis

 

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Dass die Kanäle noch immer senden, stößt aber den Medienhütern sauer auf, auch wenn die BLM den Verwaltungsgerichten attestiert, "in angemessener Zeit" entschieden zu haben. "Die ungewöhnlich hartnäckige Weigerung von Herrn Storost, sich rechtskonform zu verhalten, stellt den Rechtsstaat - und verständlicherweise auch die Geduld der Öffentlichkeit - auf die Probe", teilt die BLM auf DWDL.de-Nachfrage mit. Storost denkt derweil nicht ans Aufgeben und spricht vollmundig von einer "Koryphäe als Anwalt auf dem Gebiet des Verwaltungsrechts", die er an der Seite habe.

Zuletzt sah es für Storost allerdings nicht gut aus. Erst im Dezember wies das Verwaltungsgericht Augsburg im Falle des Family-TV-Ablegers Blizz, der inzwischen tm3+ heißt, die Anfechtungsklage ab und bestätigte damit die Rechtsmäßigkeit des Widerrufs durch die bayerische Medienanstalt. Storost will in diesem Fall in Berufung gehen und, wenn möglich, bis vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen. Ohnehin unterliege tm3+ gar nicht mehr dem Rundfunkrecht, meint Storost und verweist auf einen Paragrafen des Rundfunkstaatsvertrags, aus dem hervorgeht, dass Angebote nicht als Rundfunk einzustufen sind, wenn diese unter anderem von weniger als 500 potenziellen Nutzern zum zeitgleichen Empfang angeboten werden oder ausschließlich persönlichen oder familiären Zwecken dienen.

Was davon auf tm3+ zutrifft, sagt Storost nicht, doch wenn man mit ihm telefoniert, bekommt man zumindest den Eindruck, er habe sich in den vergangenen Monaten gut eingelesen in die Materie. Anders als bei seinen Moderationen vor der Kamera gelingt es ihm in diesem Moment, durchaus überzeugend auf sein Gegenüber zu wirken, weil er den Eindruck erweckt, auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Das erklärt vielleicht auch ein Stück weit, weshalb Storost mit seiner Minisender-Gruppe schon seit zehn Jahren am Start ist, obwohl es in der Vergangenheit des Öfteren kritische Stimmen gab.

Auch im Falle der Show zum zehnten Geburtstag von Family TV gab es mal wieder Wirbel. Gegenüber DWDL.de erzählte ein an der Sendung Beteiligter, dass manche Gäste nicht auf ihre Hotelzimmer kamen, weil Storosts Kreditkarte Probleme bereitet haben soll. Andreas Lambeck, einer der beiden Geschäftsführer des Reiseshoppingkanals sonnenklar.tv, der mit Sendefenstern beim neuen tm3 vertreten ist und für einen skurrilen Einspieler Besuch von Storost höchstpersönlich bekam, machte seiner Wut über Misstöne rund um die Jubiläumsshow in einem mittlerweile wieder gelöschten Facebook-Posting Luft.

Mit etwas Abstand sagt Lambeck zu DWDL.de, sein Sender äußere sich nicht über andere Unternehmen in der Öffentlichkeit. "Wir möchten zu Family TV und tm3 nichts sagen und bewerten. Ist nicht unser Thema." Dabei war der Storost-Kanal lange Zeit sehr wohl ein Thema für sonnenklar.TV - selbst als die negativen Schlagzeilen über Family TV die Runde machten, blieb sonnenklar.TV dem Sender mit seinem Programmfenster treu. Mitbekommen habe man das damals ohnehin nicht, erst im Dezember habe man von den Lizenz-Problemen erfahren. So oder so dürfte sonnenklar.TV Storosts Kuriositätenkabinett zu einem gewissen Teil mitfinanziert haben. Damit ist jetzt aber Schluss. Auf Nachfrage bestätigt der sonnenklar.TV-Chef, dass das Sendefenster Ende Februar ausläuft und man es nicht mehr verlängern wird.

"Wir haben die Quittung bekommen"

Dass Timo C. Storost schon in der Vergangenheit aneckte, zeigt indes eine Unterlassungserklärung aus dem Jahr 2008, die dem Medienmagazin DWDL.de vorliegt. Darin verpflichtete sich Storost, es zu unterlassen, "unwahre Tatsachen über den Gläubiger im Internet zu verbreiten, sich als Anwalt auszugeben, Scheinfirmen zu betreiben, deren Identität nicht legimiert worden sind, illegales Glücksspiel zu betreiben und geschützte Fremdlogos zu benutzen". Offenbar nahm es der junge Timo C. Storost also nicht ganz so genau, wenn es um die Verwendung von Logos ging.

Zwei Fragen bleiben. Wieso gelingt es dem No Name über so viele Jahre hinweg, selbst große Unternehmen an der Nase herumzuführen? Und weshalb tut er sich das überhaupt an? Storost selbst gibt sich im Gespräch mit DWDL.de reumütig. "Wir haben Fehler gemacht und dafür auch die Quittung bekommen", erzählt er. "Aus den Fehlern der Vergangenheit haben wir gelernt und haben allein die vergangenen anderthalb Jahre als Chance gesehen, uns neu zu bewähren." Weiterer Ärger könnte dennoch drohen: Für seinen Family-TV-Nachfolger tm3 kündigte Storost an, die "Hitparade" neu auflegen zu wollen. Gut möglich, dass das ZDF etwas dagegen haben wird und  Timo C. Storost sich den nächsten Ärger einhandelt - und dass aus dem Traum vom eigenen TV-Sender irgendwann doch noch ein Alptraum wird.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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