Mukund Cairae © Zee Entertainment
Mukund Cairae im DWDL.de-Gespräch

Zee-COO: "Werden drastische Veränderungen vornehmen"

 

Drei Jahre nach dem Start sollte Zee.One eigentlich profitabel sein, daraus ist aber nichts geworden. Zee-COO Mukund Cairae erklärt nun gegenüber DWDL.de, wo es Probleme gab, was sich künftig ändern soll und wann er schwarze Zahlen erwartet.

von Timo Niemeier
22.07.2019 - 08:18 Uhr

Im Juli 2016 ist Zee.One in Deutschlandan den Start gegangen, der Bollywood-Sender feiert in diesen Tagen also seinen dritten Geburtstag. Und es ist ein besonderes Jubiläum: Zum Start des Kanals erklärte Amit Goenka, CEO International Broadcast Business bei Zee Entertainment, dass man nicht in Märkte investiere, in denen man nicht innerhalb von drei Jahren den Break-Even-Point erreiche. Heißt: Nach spätestens drei Jahren soll der Sender schwarze Zahlen schreiben. Dieses sportliche Ziel hat man verfehlt, das räumt Mukund Cairae, COO International Business bei Zee Entertainment und damit auch verantwortlich für den deutschen Free-TV-Sender, nun im Gespräch mit DWDL.de ein. 

"Inder sind sehr ungeduldige Menschen, wahrscheinlich weil es so viele von uns gibt. Daher haben wir einen ausgeprägten Sinn für Wettbewerb. Anders als viele westliche Konzerne, die meist langfristige Business-Pläne haben, um den Break-Even zu erreichen, muss es bei uns immer schnell gehen", sagt Cairae. Der Zee-COO, der beim Konzern neben den TV- und Vermarktungs-Aktivitäten auch den Sport, und damit die vom Unternehmen gegründeten Sport-Ligen (Fußball, Wrestling), verantwortet, will keinen genauen Zeitraum nennen, in dem der deutsche Sender künftig Geld abwerfen soll, sagt aber, dass er "zuversichtlich" sei, "dass wir den Break-Even in der nächsten Zukunft erreichen".

Zee.One hatte in seinen ersten drei Jahren mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Wie jeder neue Sender musste man die Zuschauer erst einmal auf das neue Angebot aufmerksam machen - und dann auch von den für deutsche Verhältnisse ja manchmal doch ungewohnten Inhalten überzeugen. Hinzu kamen Probleme mit der Synchronisation der vielen indischen Inhalte, qualitativ und quantitativ hat man hier inzwischen aufgestockt. Die Qualität bei ausländischem Content müsse für die meisten deutschen Zuschauer genauso hoch sein wie bei heimischen Produktionen, sagt Zee-COO Cairae. "Da ist Deutschland durchaus anders. In vielen anderen Ländern, in denen wir aktiv sind, gibt es diesen strikten Standard an die Qualität nicht." In Deutschland würden Zuschauer grammatikalische Ungenauigkeiten weniger wohlwollend annehmen als Zuschauer in anderen Ländern. 

"Wir wollen mehr in Deutschland investieren, auch Zeit und Anstrengungen."
Mukund Cairae, COO International Business bei Zee Entertainment

Trotz dieser vielleicht etwas schwierigeren Bedingungen hat das indische Medienunternehmen, das zum Mischkonzern Essel Group gehört, Deutschland als einen der Kernmärkte für künftige Investitionen auserkoren. So hat man durch Ernst & Young die wichtigsten Bollywood-Märkte analysieren lassen. Hier liegt Deutschland auf Platz drei. "Wir wollen mehr in Deutschland investieren, auch Zeit und Anstrengungen", kündigt Cairae deshalb gegenüber DWDL.de an. Neben Deutschland steht 2019 auch der kanadische Markt im Fokus des Managers. 

Will man auf dem deutschen Markt in Zukunft entscheidend vorankommen, bedarf es aber auch einiger Investitionen. Denn auch drei Jahre nach dem Start liegt der Marktanteil sowohl bei den 14- bis 49-Jährigen als auch in der Haupt-Zielgruppe der 20- bis 59-jährigen Frauen bei nur 0,2 Prozent. Diesen Wert hatte man eigentlich schon ein Jahr nach dem Start erreicht, danach stagnierte die Entwicklung allerdings. "Wir sind weit entfernt von dem, wo wir gerne sein würden. Aber wenn die Leute uns gefunden haben, bleiben sie auch dran", sagt Cairae. In den letzten zehn Quartalen hätten die Zuschauer aus der klassische Zielgruppe täglich rund 25 Minuten Zee.One gesehen. Dennoch müssen sich die Zuschauer auf weitreichende Veränderungen einstellen. 

Staffeln künftig mit deutlich weniger Folgen

"In diesem Jahr werden wir weitreichende und drastische Veränderungen vornehmen, wie wir den deutschen Zuschauern unsere Inhalte präsentieren", kündigt Cairae an. Konkret geht es um die bislang extrem langen Staffeln, die oft aus mehreren hundert Folgen bestehen. So ist das eben in Indien und so versuchte man es zunächst auch in Deutschland. Das würde dem TV-Konsum der meisten Menschen auf der Welt aber nicht entsprechen, so der Zee-COO. Daher wolle man die Inhalte nun entsprechend anpassen und sie staffelweise zeigen, auch mit Pausen zwischen den Staffeln. Ab Oktober soll das im Programm sichtbar werden. Die nächste neue Serie startet aber schon etwas früher, ab dem 19. August zeigt man montags bis freitags ab 18:50 Uhr das neue Format "Eine herrlich indische Familie" ("Bin Kuch Kahe"). Darin geht es um eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren drei erwachsenen Töchtern unter einem Dach lebt. 

Strategieschwenk bei Eigenproduktionen

Darüber hinaus kündigt Mukund Cairae auch an, in Eigenproduktionen investieren zu wollen. Das ist nicht neu, Zee.One hatte schon einmal ein eigenproduziertes Magazin in Aussicht gestellt, auf Sendung hat es das aber nie geschafft. Nun der Strategieschwenk: Wenn man in eigene Inhalte investiert, soll es Fiction sein. Noch steht man hier ganz am Anfang, aber die Stoßrichtung ist klar. Man nimmt Serien, die in Indien gut funktionieren, und adaptiert sie für die jeweiligen Märkte. Außerhalb Deutschlands habe man das schon einige Male erfolgreich umgesetzt. "Perspektivisch", sagt Cairae, plane man ein erstes Projekt für Deutschland. "Es gibt so viele Player weltweit, die im Non-Fiktionalen besser sind als wir. Da konzentrieren wir uns lieber auf das, was wir können. Storytelling ist unsere Kernkompetenz." Mit den bisherigen Plänen für Eigenproduktionen sei man schlicht "zu früh dran" gewesen, räumt der Manager ein. "Andere globale Content-Unternehmen haben sich auch erst nach vielen Jahren im deutschen Markt an ihre Eigenproduktionen getraut."

Friederike Behrends© Zee.One
Zee.One arbeitet derzeit zudem an einem Deutschlandstart der VoD-Plattform Zee5, die in Indien bereits seit 2018 verfügbar ist. Sonderlich viele Infos gibt es dazu nicht, die Plattform soll es demnächst aber offenbar auch in deutscher Sprache geben, schon jetzt können Inhalte von der indischen Version der Seite abgerufen werden. Dieses Projekt fällt in den Zuständigkeitsbereich von Friederike Behrends (Foto), Geschäftsführerin bei Zee.One. 

"Es gibt so viele Player weltweit, die im Non-Fiktionalen besser sind als wir. Da konzentrieren wir uns lieber auf das, was wir können."
Mukund Cairae, COO International Business bei Zee Entertainment

Das alles soll dabei helfen, den deutschen Sender auf Kurs in Richtung Break Even zu bringen. Um das zu erreichen, hat Zee.One kürzlich auch seinen Vermarkter gewechselt. Von Sky Media ging es zu Visoon. Man sei dort besser aufgehoben, weil sich Visoon auf Free-TV-Sender konzentriert, sagt Cairae. "Wir erhalten jetzt mehr Aufmerksamkeit, weil wir dort Teil eines größeren Free-TV-Portfolios sind." Dennoch sei man mit den Einnahmen aus der Vermarktung noch nicht zufrieden und habe hier noch einen langen Weg vor sich. "Derzeit geht es vor allem darum, die Balance zwischen Reichweiten und Einnahmen wiederherzustellen." Zee.One hält sich also für unterbewertet.

Die Ansagen von Zee-COO Cairae für die Zukunft des deutschen Senders sind groß, mindestens genauso groß ist nun wohl auch die Arbeit, die vor dem deutschen Team von Friederike Behrends liegt.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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