Oliver Schwesinger © Lars Meier Management
Oliver Schwesinger verlässt Sport1

"Der Fokus liegt sehr stark auf Fußball, das ist problematisch"

 

Seit mehr als 16 Jahren steht Oliver Schwesinger für Sport1 vor der Kamera und zählt damit zu den bekanntesten Gesichtern des Senders. Doch zum Jahresende ist Schluss. Nun sucht er neue Aufgaben - und blickt etwas neidisch auf den amerikanischen TV-Markt.

von Timo Niemeier
09.10.2019 - 08:43 Uhr

Als DWDL.de im Februar über zahlreiche Abgänge bei Sport1 berichtete, war auch von Veränderungen vor der Kamera die Rede. Schon damals ging es um Oliver Schwesinger, ein langjähriges Gesicht des Senders. Der 48-Jährige stand in diesem Jahr deutlich seltener vor der Kamera als in der Vergangenheit, eine Trennung im Sommer stand damals im Raum. Dazu wird es mit ein bisschen Verzögerung nun auch tatsächlich kommen. Schwesinger und Sport1 gehen ab dem kommenden Jahr getrennte Wege, das bestätigte der Journalist und Moderator im Gespräch mit DWDL.de. 

"Der Vertrag läuft noch bis zum Winter. Danach freue ich mich auf neue Aufgaben in einem neuen Umfeld", so Schwesinger, der derzeit bei Sport1 jeden Freitag eine kleine Spieltags-Vorschau mit Olaf Thon präsentiert, die aufgrund des prominent platzierten Werbepartners als "Dauerwerbesendung" über die Bildschirme geht. Viele andere Sendungen, für die Schwesinger in der Vergangenheit vor der Kamera stand, gibt es heute nicht mehr. Die Rechte an der Europa League hat Sport1 an Nitro verloren, aus "Bundesliga Aktuell" hat man die "Sport 1 News" gemacht und auch die montägliche Spieltagsanalyse ist schon seit einiger Zeit Geschichte. Blieb neben der Spieltags-Vorschau also noch der "Fantalk". Schwesinger: "Wir haben uns zusammengesetzt, geredet und dabei festgestellt, dass das für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr ausreicht."

Der Moderator vergleicht seine Zeit bei Sport1 mit einer Ehe. "Die durchschnittliche Ehe hält in Deutschland 14,7 Jahre. Das haben wir getoppt. Ich bin Freiberufler und finde, dass das eine gute Zeit ist." Wohin es ihn künftig ziehen wird, ist noch unklar. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb sich das Telefonat mit dem Moderator stellenweise wie ein Bewerbungsgespräch anfühlt - oder, um im Bild zu bleiben, zumindest wie die Suche nach einer neuen Lebensabschnittspartnerin. Einen großen Masterplan zu entwickeln, macht aus Schwesingers Sicht mit Blick auf die schnelllebige Branche allerdings ohnehin keinen Sinn. "Spätestens der letzte Sommer hat uns allen in der Branche gelehrt, dass ein Masterplan, der länger als drei Monate geht, nicht funktioniert." Er spielt damit auf den überraschenden Wechsel der Bundesliga-Rechte zwischen Eurosport und DAZN an.

"Im Laufe des nächsten Jahres will ich aber wieder auf das Karussell aufspringen. In welcher Funktion und wo genau, da lasse ich mich selbst überraschen." Derzeit sei er in Gesprächen mit diversen Marktteilnehmern. Grundsätzlich habe er aber wieder Lust, verstärkt am Spielfeldrand zu stehen. "Da merke ich auch, dass das Feuer noch da ist." Schwesinger entwickelt momentan aber auch eigene Bewegtbild-Formate. Diese müssten nicht zwangsläufig im linearen Fernsehen laufen, erklärt er. "Eins davon ist eine tägliche Bundesliga-Show, die sehr schnell sein soll und nur fünf Minuten dauert. Wenn ich ein Unternehmen begeistern kann, das mit mir auf Youtube zu machen, dann machen wir das dort." Die Verbindung zu großen Firmen ist bereits vorhanden, schließlich steht Oliver Schwesinger schon seit Jahren für Siemens, Audi oder RWE auf der Bühne, um deren Events zu moderieren.

Er sei außerdem an den großen Themen unserer Zeit interessiert, sagt Schwesinger, der sich gut vorstellen kann, auch eine Gesprächssendung zu präsentieren, die sich nicht um Sport dreht. "In den klassischen Talkshows geht es meist nicht darum, bei einem bestimmten Thema Lösungen zu finden. Ich hätte gerne eine Sendung, wo auch mal andere Meinungen zugelassen werden und sich die Gesprächspartner untereinander zuhören, anstatt nur ihre eigene Meinung zu artikulieren." 

Dem Sport will er aber in jedem Fall verbunden bleiben. Dass es in Deutschland einen so starken Fokus auf den Fußball gibt, hält Schwesinger jedoch für problematisch. "In den USA gibt es mehrere große Sportarten, die gleichberechtigt nebeneinander laufen. Für einen Sportsender ist das wie im Paradies. In Deutschland liegt der Fokus sehr stark auf dem Fußball, das ist problematisch. Hier werden Viertliga-Spiele gezeigt, die oft von mehr Menschen geguckt werden als Spiele der ersten Volleyball- oder Basketball-Liga." Da seien auch die großen Sender gefragt, um das zu ändern. Und vielleicht kann Schwesinger ja auch selbst daran mitarbeiten, kleinere Sportarten größer zu machen. Künftig dann eben nur nicht mehr bei Sport1. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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