Late Night Berlin © ProSieben/André Kowalski
Quoten-Hoch zum Jubiläum

"Late Night Berlin": Ohne Sicherheitsnetz kam der Erfolg

 

Eine Late-Night-Show zu etablieren, braucht Zeit. Die hat sich ProSieben genommen - mit Erfolg. Nach 50 Ausgaben läuft "Late Night Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf so gut wie noch nie. Vielleicht auch, weil die Redaktion ein Sicherheitsnetz gekappt hat.

von Alexander Krei
11.11.2019 - 13:00 Uhr

"Das muss man sich schon sehr erarbeiten", sagte Klaas Heufer-Umlauf im April im DWDL.de-Branchentalk "Studio D", angesprochen auf die spürbare Entwicklung seiner Late-Night-Show bei ProSieben. Seit eineinhalb Jahren ist der Moderator inzwischen auf Solopfaden unterwegs - und verändert hat sich seither weit mehr als nur sein Outfit. Der Anzug, den er zu Beginn trug, sei "eine Quatsch-Idee" gewesen und "aus Eitelkeit geboren", räumte Klaas Heufer-Umlauf ein.

Auch inhaltlich wirkt "Late Night Berlin" inzwischen immer häufiger rund - auch, weil sich der 36-Jährige zunehmend mehr Freiraum nimmt. Das macht sich inzwischen bezahlt: Wenn an diesem Montag die 50. Ausgabe über den Sender gehen wird, dann tut sie das in ihrer bislang erfolgreichsten Phase. Die aktuelle Staffel fährt mit durchschnittlich 12,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen so gut wie nie, Ende September lag der Wert sogar bei mehr als 15 Prozent.

Dazu ist das Interesse auch abseits der TV-Ausstrahlung massiv gewachsen: Auf ihren ProSieben-Digitalkanälen verzeichnete die Late-Night-Show alleine im Oktober über 33 Millionen Videoviews - eine Steigerung um mehr als 500 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Alleine das erschlichene Musikvideo "Die Gang ist mein Team" mit Rapper Capital Bra zählt mittlerweile fast acht Millionen Abrufe und bei Facebook Watch generierte "Late Night Berlin" alleine nach der Sommerpause 33 Millionen Videoviews.

Langzeittrend: Late Night Berlin
Late Night Berlin

"Wir sind froh, dass ProSieben uns die Zeit gegeben hat, die Show zu entwickeln", sagt Redaktionsleiter Jakob Lundt, der bei "Late Night Berlin" auch als Sidekick fungiert, gegenüber DWDL.de. Inzwischen haben die Macher der Sendung, hinter der die Produktionsfirma Florida TV steht, eine größere Sicherheit in der Auswahl der Themen entwickelt und damit ein besseres Gefühl dafür bekommen, was die Show eigentlich sein kann und sein will. Ein Gefühl, das sich ganz offensichtlich auf das Publikum übertragen hat.

Dazu kommt, dass "Late Night Berlin" seit diesem Herbst nicht mehr ganz so geschliffen daherkommen will wie noch in der Anfangszeit. Seit der Sommerpause ist die Show "uncut", wird nach der Aufzeichnung also nicht mehr geschnitten. "In erster Linie hatten wir Lust, das auszuprobieren", so Lundt. "Ein Sicherheitsnetz zu kappen und uns selbst herauszufordern. Dass die Sendung jetzt genauso im Fernsehen läuft wie wir sie um 17:00 Uhr aufzeichnen, mit allen Pannen und Fehlern, macht sie aus unserer Sicht unvorhersehbarer und überraschender für die Zuschauer."

Late Night Berlin

Klaas Heufer-Umlauf und Redaktionsleiter Jakob Lundt

Ein Stück weit passe das Unperfekte zum Zeitgeist, heißt es aus der Redaktion. Und auch bei ProSieben zeigt man sich zufrieden. "'Late Night Berlin' ist vor knapp zwei Jahren angetreten, um zu einer festen, wöchentlichen Verabredung für unsere Zuschauer zu werden. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Das ist dem Team rund um Klaas Heufer-Umlauf hervorragend gelungen", lässt sich der Sender auf DWDL.de-Nachfrage zitieren.

Bleibt die Frage, weshalb die Dosis von "Late Night Berlin" nicht erhöht wird. Anders als vor einem Jahr entschied sich ProSieben auch gegen die aus Quotensicht durchaus erfolgreiche Idee, am Donnerstagabend zusätzliche Ausgaben nach "The Voice" zu zeigen. Darauf angesprochen, bleibt ein Sendersprecher vage: "Online sorgt die Show zusätzlich Woche für Woche für Aufsehen. Dadurch ist 'Late Night Berlin' für unsere Zuschauer die ganze Woche präsent."

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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