"The Venga bus is comin' and everybody's jumpin'"! So sangen es einst schon die Vengaboys. Und so oder so ähnlich kann man auch die neue RBB-Serie "Warten auf’n Bus" beschreiben. Darin sitzen die beiden Freunde Hannes (Ronald Zehrfeld) und Ralle (Felix Kramer) an einer Bushaltestelle und sprechen über Gott und die Welt. Das Setting ist äußerst reduziert, das Highlight der beiden Männer ist lediglich der Bus, der hier wenige Male am Tag hält. Hannes und Ralle beginnen dann zwar nicht zu springen, können sich aber immerhin mit Busfahrerin Kathrin (Jördis Triebel) oder anderen Menschen, die im Bus versackt sind, unterhalten. 

Kerstin Freels© RBB/Johanna Lippmann
Für den RBB ist "Warten auf’n Bus" eine ganz besondere Serie, steigt man damit doch in den Bereich der Miniserien ein. Und wieso hat man sich nun ausgerechnet für diesen Stoff entschieden? "Wir wollten eine Serie aus Brandenburg. Und schon länger hatten RBB-Filmchefin Martina Zöllner und ich über eine Sitcom als ‘Küchenkabinett’ nachgedacht, in dem Figuren Gott und die Welt verhandeln, authentisch, trotzdem überspitzt und schräg", sagt RBB-Redakteurin Kerstin Freels (Foto rechts) gegenüber DWDL.de. Den Kontakt zu Head-Autor Oliver Bukowski hatten Zöllner und Freels bereits durch ein anderes Projekt. Und weil man davon angetan war, entwickelte man zusammen mit den Produzenten von Senator Film die neue Serie. Mit Dirk Kummer hatte man zudem einen Regisseur gefunden, der die Serie trotz vermeintlich eintöniger Bilder wirkungsvoll inszenierte. 

Inhaltlich soll "Warten auf’n Bus" tief im Osten verankert sein. Das geht beim Inhalt los, denn Hannes und Ralle besprechen neben ihren persönlichen Ängsten und Wünsche auch die Probleme im Osten der Republik. Wie ernst es dem RBB ist, zeigt sich aber auch beim Blick auf die Köpfe der Produktion. Das gesamte Team, also neben Autor, Produzenten und Regisseur auch die Schauspieler, stammt aus dem Osten. Das sei für die gemeinsame Arbeit "sehr wichtig und lehrreich" gewesen, sagt Kerstin Freels. 

"Das Fernsehen braucht nicht mehr Entschleunigung oder Beschleunigung, sondern beides."
Drehbuchautor Oliver Bukowski

In Sachen Inszenierung beschränkt sich die neue RBB-Serie auf einen Minimalismus, den es nicht oft gibt bei fiktionalen Produktionen. Fokussieren will man auf Sprache und Dialog der beiden Hauptdarsteller. "Hannes und Ralle hocken an der Bushaltestelle, reden und hören sich vor allem zu. Sonst nichts. Allein das sorgt schon für den Eindruck einer Entschleunigung", sagt Freels. Tatsächlich würden sich die beiden aber in "Wortkaskaden und Gedankengirlanden" verfangen. Das gehe trotz des gelebten Minimalismus sehr schnell. "Sie bewegen sich kaum vom Fleck, aber im Geiste sind sie immer unterwegs."

"Schon in der Beschäftigung mit Olivers Drehbüchern waren wir erstaunt, wie sehr uns dieser Stoff fordert, weil wir selbst eine solche Konzentration nicht mehr gewohnt waren", sagt RBB-Redakteurin Freels. In "Warten auf’n Bus" geht es auch um eine Tugend, die in den vergangenen Jahren in der Gesellschaft gelitten hat: anderen Menschen zuhören. "Auch das muss man mal aushalten." 

Drehbuchautor Oliver Bukowski sagt im Gespräch mit DWDL.de, es sei eine besondere Herausforderung gewesen, nichts zu haben, worauf man habe ausweichen können. Mit opulenten Landschaftsaufnahmen oder wummernden Bässen kann "Warten auf’n Bus" nicht aufwarten. "Noch schwieriger aber war es, die Dialoge thematisch aktuell zu halten, ohne gleich so tagespolitisch zu werden, dass die Filme schon vor ihrer Ausstrahlung veralten", so Bukowski. Und so wird die RBB-Serie auch ein kleines bisschen Opfer der aktuellen Krise. An der Bushaltestelle wird zwar über Langzeitarbeitslosigkeit, Panikattacken und Rechtsradikalismus gesprochen, nicht aber über das Coronavirus. 

Fortsetzung schon im Blick

Der Stoff für weitere Folgen dürfte Bukowski so schnell aber zumindest nicht ausgehen. Es gebe unendlich Stoff, sagt der Autor. "Im Prinzip bestehen die Stoffe für Hannes und Ralle ja aus allem, was es wert ist, beredet zu werden. Und das wird nicht weniger. Gestern noch war Corona eine Biermarke", sagt Bukowski. Auf die Frage, ob das deutsche Fernsehen mehr Entschleunigung braucht, antwortet der Autor, dass er nicht genug schnelle Dialoge, hohe Erzählgeschwindigkeiten und dichte Berichte sehe. Dabei sei die Geschwindigkeit aber immer ein dem Stoff angemessenes Mittel. "Das Fernsehen braucht also nicht mehr Entschleunigung oder Beschleunigung, sondern beides."

Für den Fall, dass ihm für eine mögliche Fortsetzung tatsächlich nichts mehr einfällt, habe er schon Kollegen wie Anne Rabe, Sophie Decker, Hannah Zufall und Dirk Laucke eingeladen, an einer Fortsetzung mitzuschreiben. "Die Exposés der nächsten Staffel sind fast fertig." Und so ist es am Ende bei "Warten auf’n Bus" wie im echten Leben: Man weiß nicht wann, aber irgendwann wird der (Venga) Bus doch noch kommen. Sei es auf dem Land an der Bushaltestelle oder in der Dorfdisco. 

Die acht Folgen von "Warten auf'n Bus" stehen ab dem 15. April in der Mediathek des RBB zur Verfügung. Im TV sind sie ab dem 22. April immer mittwochs ab 22 Uhr zu sehen.