40 Jahre Teletext © Screenshot: ARD Text
Happy Pixel-Birthday!

40 Jahre Teletext: Das Twitter der Tafelrunde

 

Seit vier Jahrzehnten geistert er durch die Austastlücke unseres Fernsehsignals und geht nicht mehr weg: Für Millionen Deutsche ist der Videotext nach wie vor das übersichtlichere Internet. Aktuell, zuverlässig und nach 800 Seiten zu Ende. Eine Gratulation.

von Peer Schader
01.06.2020 - 13:00 Uhr

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Was hat 25 Zeilen mit jeweils 40 Zeichen und erscheint täglich mit einem Umfang von 800 Seiten? Nein, nicht der Twitter-Account von Donald Trump. Sondern der gute alte Videotext. An diesem Montag feiert das Medium, das seine Veranstalter schon seit mehr als einer Dekade für „unterschätzt“ halten, seinen 40. Geburtstag – als längster Austastlückenbewohner der TV-Geschichte. In genau dieser Lücke starteten britische Bewegtbild-Techniker:innen Anfang der 70er Jahre testweise ihren „Informationsdienst des Fernsehens“, der für Nutzerinnen und Nutzer seitdem alles bereithält, was die wissen können wollen: Nachrichten, Sport, Wetter – und die Nummern von Telefonerotik-Hotlines (zumindest bei den privaten Anbietern).



Obwohl der Teletext – so die international gebräuchliche Bezeichnung – technisch längst überholt ist, will er nicht von uns gehen. Jedenfalls nicht hierzulande. (Die BBC hat die Ursprungsversion BBC Ceefax schon vor Jahren abgeschaltet.) Zum „Teletext-Tag“ an diesem 1. Juni 2020 lässt wenigstens die ARD nichts unversucht, das Medium nach wie vor möglichst lebendig wirken zu lassen. Zurecht: Die digitale Revolution hat es überstanden, die neue Weltordnung und sogar Pressemitteilungs-Witze von Volker Herres („Mut zur Austastlücke“).

Woran das liegt? Wahrscheinlich daran, dass der Teletext seinen Charme immer noch vor allem daraus bezieht, so schön altmodisch zu wirken. Und wer weiß: Wenn der amerikanische Präsident demnächst dieses ganze neumodische Social-Media-Zeugs abstellt, weil es dort jemand gewagt hat, seine unredigiert abgesonderten Einlassungen factzuchecken, sind wir vielleicht bald froh, dass wir noch eine pixelige Kurznachrichtendienstalternative aus der Vergangenheit haben, auf der es sich ein bisschen herumprokastinieren lässt, sobald der nächste Corona-Shutdown kommt.

Wenn das mal kein Grund für eine anständige Gratulation zum Geburtstag ist – natürlich fachgerecht in Teletexttafellänge zum Weiterblättern. (Falls Sie mobil mitlesen, müssten Sie sich das Blättern bitte selbst dazu denken.)

Los geht’s natürlich mit – Nachrichten. Bitte hier entlang zu Tafel 101.

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