Kampf der Realitystars - Schiffbruch am Traumstran © RTLzwei
Zum Start des neuen RTLzwei-Formats

Wie viele "Kämpfe der Realitystars" verträgt das Land?

 

Jetzt schickt auch RTLzwei im "Kampf der Realitystars - Schiffbruch am Traumstrand" Promis in eine Villa, damit sie sich dort fetzen. Doch was unterscheidet das Format von vergleichbaren Sendungen und wie viel Platz ist im deutschen Fernsehen eigentlich noch für solche Shows?

von Timo Niemeier
22.07.2020 - 14:22 Uhr

"Das Sommerhaus der Stars", "Promis unter Palmen", "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" und "Promi Big Brother" sind nur vier Formaten, in denen sich Promis eine Zeit lang einsperren lassen, um den Zuschauern möglichst gute Unterhaltung zu bieten. Und vor allem die beiden erstgenannten Sendungen haben zuletzt gezeigt, wie viel Musik im Genre der Realityshows noch steckt. Nun kommt RTLzwei um die Ecke und zeigt ab diesem Mittwoch das neue "Kampf der Realitystars - Schiffbruch am Traumstrand", das unweigerlich die Frage aufwirft, wie viele weitere Formate ähnlicher Machart TV-Deutschland noch verträgt. 

Shona Fraser"Es gibt viel Platz, wenn die Formate gut gemacht und interessante Charaktere beteiligt sind", zeigt sich Shona Fraser, stellvertretende Programmbereichsleitung und Leitung Redaktion Entertainment & Development bei RTLzwei, gegenüber DWDL.de überzeugt. Das Wichtigste sei der Cast, so Fraser. Die Zuschauer würden nicht immer nur die gleichen Gesichter sehen wollen, sagt sie. Das überrascht etwas, schließlich sind beim "Kampf der Realitystars" viele Promis dabei, die schon einmal in anderen Reality-Formaten ihre Nasen in die Kameras gehalten haben. 

Da ist etwa Willi Herren, bei dem man inzwischen schon ziemlich genau weiß, wie er wieder für Stunk sorgen will. Er trifft in dem neuen RTLzwei-Format auf Johannes Haller, mit dem er schon im RTL-"Sommerhaus" aneinandergeraten ist. Dort war auch Kate Merlan im letzten Jahr zu Gast. Weitere bekannte Gesichte aus anderen TV-Formaten: Annemarie Eilfeld ("DSDS"), Jürgen Milski ("Big Brother"), Oliver Sanne ("Bachelor") und Georgina Fleur ("Ich bin ein Star!"). Tatsächlich treffen sie bei RTLzwei aber auch auf Personen, die noch keiner sehr großen Öffentlichkeit bekannt sind. So begeben sich auch die Tennis-Zwillinge Tayisiya und Yana Morderger (die eine war auch mal bei "Bauer sucht Frau", die andere bei "Shopping Queen"), Sam Dylan ("Prince Charming") und diverse Ex-Teilnehmer von "Love Island" in die schlichte "Sala" am Strand von Thailand. 

Viele Promis, hohe Fluktuation

RTLzwei hat hier also tatsächlich einige Namen mit dabei, von denen man noch nicht so viel gehört hat - und die dementsprechend auch auf Anhieb kein großes Publikum binden. Dafür sind Willi Herren, Jürgen Milski & Co. da. Shona Fraser plädiert gegenüber DWDL.de trotzdem dafür, in der Branche "besser zusammenzuarbeiten", wenn es um die Casts von Realityshows geht. Man greife schließlich auf den gleichen Pool an Leuten zurück. Das Teilnehmerfeld beim "Kampf der Realitystars" ist auch deshalb so groß, weil die Fluktuation hoch ist. Immer wieder ziehen Nachrücker in die Sala und schmeißen andere Kandidaten raus. Insgesamt 22 Promis hat RTLzwei engagiert. "Es gibt Drama, Tränen und viel zu lachen, ohne dass jemand heruntergemacht oder bloßgestellt wird", sagt Fraser. Das kann man auch als Seitenhieb in Richtung Sat.1 werten, dort sorgte "Promis unter Palmen" ja auch für negative Schlagzeilen, weil sich einige Promis gegen Claudia Obert verschworen hatten und diese mobbten. 

"Es gibt Drama, Tränen und viel zu lachen, ohne dass jemand heruntergemacht oder bloßgestellt wird."
Shona Fraser, stellvertretende Programmbereichsleitung und Leitung Redaktion Entertainment & Development bei RTLzwei

Die Macher betonen, dass die Show sehr "echt" sei. Ein Attribut, das speziell bei Realityshows oft infrage gestellt wird. "Reality, das sagt schon der Begriff, ist keine Traumwelt", sagt Shona Fraser. "Auch unsere Protagonisten haben im Alltag mit Themen wie Finanzen, Partnerschaft, Krankheiten etc. zu tun." Daher müssen sie sich auch in der Show dazu äußern - und wenn sie es nicht freiwillig machen, helfen die Produzenten von Banijay Productions Germany nach. So müssen die Promis in einem Spiel über ihre finanzielle Situation sprechen. Wie ehrlich sie das machen, wissen sie wohl nur selbst. An der "Wand der Wahrheit" werden die Promis außerdem mit den Meinungen der Zuschauer über sie konfrontiert. Auch das ist ein probates Mittel, um Stress in eine Promi-Truppe zu bringen - bei "Promi Big Brother" gehört das zum alljährlichen Geplänkel. 

Postproduktion in Corona-Zeiten

Mit der Produktion hatten RTLzwei und Banijay großes Glück, wurde die Show doch im Februar, und damit kurz vor dem Lockdown, aufgezeichnet. "Herausfordernder war die Postproduktion: Es war kein leichtes Unterfangen, acht Folgen à 120 Minuten zu schneiden und zu mischen", so Shona Fraser. Cutter, Realisatoren und Redakteure saßen im Homeoffice und waren über das ganze Land verteilt. Dass die Postproduktion unter erschwerten Bedingungen stattgefunden hat, sieht man dem "Kampf der Realitystars" aber nicht an. 

Cathy HummelsUnd dann ist da ja auch noch Cathy Hummels, für die die RTLzwei-Sendung ihr erster großer TV-Job ist. Ihre Rolle ist aber bewusst klein gehalten, lediglich bei der "Stunde der Wahrheit", hier müssen die Bewohner jemanden zum Auszug nominieren, wird sie aktiv und moderiert die Runde. In Ausgabe eins wirkt das alles noch sehr hölzern. Und auch ihr Rat an die Promis ("Trefft eine weise Entscheidung") ist eine Plattitüde, die nur dazu dient, Sendezeit zu füllen. "Von Anfang an war sie extrem motiviert und interessiert am Geschehen an der Location", sagt Shona Fraser über Hummels. Das merke man auch an ihren Moderationen. Sie würde "geschickt nachhaken und die Realitystars herausfordern", so Fraser.  


Quoten-Hit oder Schiffbruch in Reality-Land? 

Die Grundzutaten jedenfalls stimmen beim "Kampf der Realitystars". Der Cast weist einige hochkarätige Namen auf und durch die Spiele setzen die Macher einige Nadelstiche, die hier und da zu großen Explosionen führen könnten. Zum Start geht’s aber noch nicht so hoch her wie etwa beim "Sommerhaus" 2019 oder auch "Promis unter Palmen". Die Aufreger in Ausgabe eins sind Sandy Fähse (Ex-"Berlin - Tag & Nacht"), der zu weit ins Meer geht und dafür bestraft wird, und Sam, der behauptet, Benjamin Boyce sei schwul. Das wiederum passt Kate nicht, die letztes Jahr zusammen mit ihm im "Sommerhaus" war.  Es gibt sie aber durchaus, die Momente, in denen man schmunzeln kann. Etwa dann, als Jürgen Milski lautstark erklärt, in der Sendung seien ja nur "echte Hochkaräter" am Start - und alle um ihn herum schallend loslachen. Oder der eben erwähnte Sandy Fähse, der zur besten Sendezeit bei RTLzwei darüber spricht, wie er im letzten Jahr bei "Berlin - Tag & Nacht" gefeuert wurde. 

Ob das ausreicht für gute Quoten, oder ob die Zuschauer inzwischen genug haben von vielen Realityshows der immer gleichen Machart, wird sich zeigen. Quoten deutlich oberhalb des Senderschnitts sollten aber schon drin sein für RTLzwei, alles andere wäre aufgrund der Größe der Produktion eine Enttäuschung. Landet der Sender mit dem Format beim Publikum, hätte man neben "Love Island" ein weiteres, starkes Sommer-Format im Programm. 

RTLzwei zeigt "Kampf der Realitystars - Schiffbruch am Traumstrand" ab sofort immer mittwochs ab 20:15 Uhr. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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