Auch wenn das Coronavirus die Welt lahmlegte – auf große Fernsehshows musste in den zurückliegenden Monaten kaum verzichtet werden. Formate wie "Let's dance", "The Masked Singer" oder "The Voice of Germany" schafften es trotz komplexer Produktionsbedingungen auf den Bildschirm. Da ist es fast schon tragisch, dass ausgerechnet das Dschungelcamp, das wie kaum eine andere Sendung zum TV-Ritual eines jeden Jahresanfangs gehört, die Segel streichen musste. Doch mit dem Produktionstross nach Australien zu fliegen und tägliche Live-Sendungen zu stemmen, ist in Zeiten einer Pandemie schlichtweg nicht machbar, auch wenn viele bei RTL und der Produktionsfirma ITV Studios lange auf eine Lösung hofften.

Am Ende reichte es noch nicht einmal für die Notlösung auf einer walisischen Burg, die die englischen Kolleginnen und Kollegen noch vor wenigen Wochen auf die Beine stellten. Stattdessen greift nun also Plan C – ein Format, das zwar auf den Namen "Ich bin ein Star" hört, aber nicht mehr viel mit der ursprünglichen Idee zu tun hat. "Die große Dschungelshow", so der Untertitel, lässt zwei Wochen lang zwölf Kandidatinnen und Kandidaten gegeneinander antreten, um am Ende das "goldene Ticket" für die nächste "IBES"-Staffel zu ziehen, die – so der Wunsch des Senders – im nächsten Jahr wieder Down Under über die Bühne gehen wird. 

"Für mich war eine Sache das ganze letzte Jahr klar: Es wird im Januar 'Ich bin ein Star' geben - in welcher Form auch immer", sagt RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner im Gespräch mit DWDL.de. "Natürlich wäre es schön gewesen, wie gewohnt Anfang Januar nach Australien zu reisen, aber das war aus bekannten Gründen natürlich nicht möglich." Dass sich der Sender letztlich auch gegen eine Produktion in Wales entschied, hängt offenbar nicht nur mit dem Infektionsgeschehen zusammen. "Auch wenn das lange her ist, hat mich der Wales-Dschungel hier und da an 'Die Burg' erinnert, was nicht gerade hilfreich war", so Küttner.

Er selbst hatte im Herbst die Gelegenheit, die Produktionsstätte vor Ort anzusehen. "Die Show sah auch toll aus und es ist in vielen Momenten gelungen, an den echten Dschungel zu erinnern", betont der RTL-Unterhaltungschef. "Man darf aber auch nicht vergessen, dass es in England viel weniger Promi-Realitys, als in Deutschland gibt. Der Dschungel hat in England einen ganz anderen Stellenwert und bis heute das Alleinstellungsmerkmal, das wir in den ersten Jahren unserer Show hatten." Tatsächlich hat der Ausflug nach Wales den Quoten nicht geschadet. "Die Show der Engländer war sehr gut und lief extrem stark. Ob wir in diesem Setting auch so einen großen Erfolg gehabt hätten, würde ich bezweifeln."

Markus Küttner © MG RTL D RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner
Nun also weder Dschungel noch Burg – dafür Hürth. Küttner gibt sich dennoch, skeptischer Stimmen zum Trotz, betont optimistisch: "Der Spirit, den ich sonst nur aus Australien kenne, ist in Hürth angekommen." In der Dschungelshow stecke sehr viel Dschungel, so Küttner, "und gleichzeitig wird sie ganz anders". Da wären etwa Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, die ebenso mit dabei sind wie der aus Australien eingeflogene Dr. Bob. Dazu kommt Thorsten Legat, der als Sidekick fungieren wird. Und sonst? "Inhaltlich besteht unsere Show aus zwei Säulen: Rückblick und Ausblick." 

Dschungel-Anwärter wohnen im Tiny House

So sollen ehemaliger Camper der vergangenen 14 Staffeln zum Talk ins Studio kommen und, so der Wunsch der Macher, "sicher auch den ein oder anderen Konflikt wieder ans Tageslicht holen". Zum übrigen Konzept der Show hat sich RTL bislang noch bedeckt gehalten – aus einem guten Grund. Bis zum Schluss habe man die Bewerberinnen und Bewerber im Ungewissen lassen wollen. "Da sich inzwischen aber alle Promis in Quarantäne befinden und keinen Zugang mehr zu Informationen von außen haben, können wir auch verraten, was wir planen: Jeweils drei Bewerber müssen für drei Tage in ein wirklich winzig kleines, sogenanntes Tiny-House ziehen und es dort auf engstem Raum miteinander aushalten", kündigt Markus Küttner an. 

"Wie ein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft im Vergleich zu einem K.O.-Spiel bei einer WM"
Markus Küttner über die Quoten-Erwartungen

Während dieser Tage müssen sie diverse Prüfungen und Herausforderungen bewältigen, "um zu zeigen, ob sie wirklich das Zeug dafür haben, in den echten Dschungel einzuziehen". Nach drei Tagen soll die erste Gruppe aus- und die zweite Gruppe einziehen – und so weiter. Das Publikum wiederum entscheidet, wer ins Halbfinale und ins Finale kommt und schließlich auch, wer 2021 nach Australien "darf oder muss", wie es Küttner formuliert. "Das gab es noch nie, und weil es sich bei den Kandidaten um Promis handelt, die sich proaktiv um die Teilnahme am Dschungelcamp beworben haben, hoffen wir darauf, dass sie auch alles geben werden, um am Ende die Nase vorn zu haben."

Doch kann das funktionieren – eine Dschungelshow, die mit dem Dschungel kaum etwas gemein hat? "Die Verlockung für Kritiker, vorab mit dem Original zu vergleichen, ist groß", weiß Markus Küttner, der die "üblichen Diskussionen im Vorfeld über den Promifaktor" jedoch "ganz entspannt" sieht, wie er betont. "Wer war denn seinerzeit im Vorfeld begeistert, dass wir Sarah Knappik, Larissa Marolt oder Joey Heindle mit in den Dschungel nehmen?"

"Wirklich zufrieden mit der Vermarktung"

Frank Vogel © MG RTL D / Klaus Knuffmann Frank Vogel, CSMO der Ad Alliance
Beim RTL-Vermarkter Ad Alliance ist man froh, dass es den Kolleginnen und Kollegen im Sender überhaupt gelungen ist, eine Show auf die Beine zu stellen, schließlich sorgte "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" in der Vergangenheit nicht nur für starke Quoten, sondern brachte im für gewöhnlich eher werbeschwachen Januar auch bei der Vermarktung stets viel Rückenwind. "Die kurzfristige Entscheidung für die Dschungel-Show im jetzigen Gewand stellte für die klassische Vermarktung weniger ein Problem dar als die Auswirkungen der aktuellen Lockdown-Situation auf die Werbespendings", betont Frank Vogel, CSMO der Ad Alliance, gegenüber DWDL.de.

Weil integrative Markeneinbindungen jedoch größere zeitliche Vorläufe bräuchten, habe man sich für 2021 auf Sonderwerbeformen konzentriert, "die zwar auch aufmerksamkeitsstark und pfiffig, aber ebenso kurzfristig umsetzbar sind". Und so wird es neben dem klassischen Presenting durch den Partner "DrinkStar" vor allem situative Werbeformen wie Framesplits geben, die innerhalb der Show in passenden Szenen eingesetzt werden. Hier arbeitet die Ad Alliance mit WW und Iglu zusammen. Als neue Marke feiert zudem Zimbo im Dschungelumfeld seine Premiere. "Innerhalb der klassischen Werbeinseln sind Kunden aus allen Segmenten vertreten – angefangen bei Handel und Körperpflege bis hin zu Telekommunikation und Versicherungen", so Vogel.

Mit den klassischen Dschungel-Staffeln lässt sich der Ersatz aber wohl auch hinsichtlich der Vermarktung nicht vollends vergleichen. Die Marke habe eine hohe Zugkraft und stehe für "ein hervorragendes und wirkungsvolles Umfeld", deren hohe Reichweite die Markenartikler schätzen, betont Frank Vogel. "Nichtsdestotrotz ist die diesjährige Show eine Premiere, mit der alle Beteiligten den vertrauten Boden von Murwillumbah verlassen. Da gibt es natürlich auch Unsicherheiten, womit wir aber gerechnet haben. Vor diesem Hintergrund und angesichts der zuvor angesprochenen Werbesituation sind wir wirklich zufrieden mit der Vermarktung."

Und was ist mit der Quote, die in der Vergangenheit regelmäßig bei mehr als 40 Prozent lag? "Von DWDL habe ich gelernt, dass alle Programme, die über dem Senderschnitt liegen, als Erfolg bezeichnet werden", sagt RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner und lacht. "Ich glaube und hoffe, dass sich der Marktanteil der Dschungelshow im Vergleich zur Show aus Australien so verhält, wie ein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft im Vergleich zu einem K.O.-Spiel bei einer WM: Natürlich längst nicht ganz so stark, aber trotzdem richtig gut. Wir wollen jedenfalls zwei Wochen Vollgas geben."

"Ich bin ein Star - Die große Dschungelshow", ab Freitag täglich um 22:15 Uhr bei RTL

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