Sie heißen Pascal Gurk, Freekickerz, ViscaBarca, Brotatos oder eben Diyar Acar: Deutsche Fußball-Creator sind in den zurückliegenden Jahren massiv gewachsen und haben an Relevanz gewonnen. Die genannten Influencer - und andere - haben alle einen leicht anderen Fokus, im Mittelpunkt steht bei ihnen aber der Fußball. Auf YouTube und/oder TikTok sammeln sie teils Millionen Klicks mit ihren Videos - und sie sind in ihrer jeweiligen Zielgruppe teilweise selbst zu Promis geworden.

Rund um die anstehende Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko bietet sich für die Creator nun die Chance, mit passenden Inhalten auch solche Menschen anzusprechen, die normalerweise keine Videos von ihnen schauen. YouTube hat dazu gemeinsam mit der FIFA ein spezielles Creator-Programm aufgelegt, einigen ausgewählten Influencern will man einen Zugang zur WM gewähren, den andere nicht haben. Mit ihren Videos sollen sie das Produkt Fußball-WM vor allem bei jungen Menschen pushen. Alle anderen haben diesen exklusiven Zugang nicht - sie müssen sich eigene Ideen einfallen lassen, rund um die WM aufzufallen. 

Das Potenzial, das Creator haben, hat auch DAZN längst erkannt. Mit DAZN48 hat der Sport-Streamer eine eigene Creator-Initiative rund um die WM gestartet: Man stellt ein globales Team aus 48 Fan-Creators auf - einen für jedes Land, das an der WM teilnimmt. Für die Fußball-Creator-Szene ist die anstehende WM die einzigartige Möglichkeit, auch über die eigenen Ländergrenzen hinaus zu wachsen. 

Für eine Karriere als Profi-Fußballer hat es bei Diyar Acar zwar nicht gereicht, mittlerweile ist der 30-Jährige jedoch einer der bekanntesten Fußball-Creator der Landes. Während er bei Instagram und YouTube auf rund eine halbe Million Follower bzw. Abonnenten kommt, folgen ihm bei TikTok schon mehr als 1,1 Millionen Fans. In seinen Videos geht es um verschiedene Fußball-Challenges, es gibt aber auch Stadiontouren oder Spielevlogs zu sehen. Dabei dreht Acar auch mit bekannten Spielern, Profis wie Ronaldinho, Haris Seferovic, Ivan Rakitic, Granit Xhaka, Rafinha, Nico Schlotterbeck, Arturo Vidal, Deniz Undav, Marco Reus oder auch Konrad Laimer standen schon vor der Kamera des Creators. 

Acar hat sowohl an der Baller League als auch in der Icon League mitgewirkt, er ist darüber hinaus Markenbotschafter des Sportbekleidungsherstellers Jako und hat zudem seinen eigenen Diyar-Cup veranstaltet. Kurzum: Diyar Acar ist ziemlich umtriebig - und das weit über seine Videos hinaus. Er ist auch Mitgründer der Fit Group AG, bei der er auch aktuell noch als Marketingchef arbeitet. Zusätzlich hält er Anteile am Unternehmen, das ab Mitte Juni erstmals auch an der Börse gehandelt werden kann. Das Unternehmen hatte sich zunächst auf Massagepistolen spezialisiert, inzwischen vertreibt man auch Nahrungsergänzungsmittel.

Videos schon heute intensiv vermarktet

Die Fit Group AG ist auch deshalb so erfolgreich, weil Diyar Acar des Unternehmens immer sehr offensiv in seinen Videos platziert. Wenn Acar zusammen mit Profis oder anderen Experten herausfinden muss, wer von mehrere Kandidaten der Fußball-Profi ist, stehen auf den Tischen der Jury nicht selten unzählige Produkte der Fit Group. Manchmal hängen im Hintergrund noch große Banner. Und auch in den Videos selbst gibt es Werbung, die auch von Diyar Acar gesprochen wird. Dort werden Trading-Apps wie Trade Republic, Angebote wie FreeCash oder auch ein Anbieter von Haartransplantationen und ein Anti-Schuppen-Shampoo beworben. Und natürlich hat Acar auch sein eigenes Modelabel. 

Diyar Acar © Screenshot Diyar Acar Diyar Acar (links) und seine Experten in einem Video. Auf dem Tisch die Produktplatzierungen

Seine Videos hat der Creator schon heute sehr kommerzialisiert, immer wieder tauchen Marken - vom eigenen Unternehmen oder extern - auf. Seine Fans stört das offenbar nicht - und künftig könnte die Werbedosis noch höher werden. Acar ist kürzlich nämlich Kooperationen sowohl mit Banijay Media als auch mit Studio71 eingegangen. Dabei sind die Zuständigkeiten klar geregelt: Während Studio71 sich vor allem um die YouTube-Reichweitenvermarktung kümmert, arbeitet der Influencer mit Banijay Media auch stärker inhaltlich - etwa, wenn es um die Sondervermarktung geht. Auch bei der Entwicklung neuer Ideen und Formaten sowie bei der Distribution dieser Inhalte über verschiedene Plattformen hinweg soll Banijay Media helfen. 

"Wir sehen definitiv noch Luft nach oben"

Alexander Krawczyk © Seven.One Alexander Krawczyk
Warum ist diese non-exklusive Zusammenarbeit für die beiden Unternehmen interessant? Studio71-Geschäftsführer Alexander Krawczyk sagt, man binde Acars Kanal eng an das bestehende Marken- und Kundennetzwerk von Studio71 und Seven.One Media an. "Für Werbekunden bedeutet das: direkter Zugang zu einem reichweitenstarken Creator in einem kuratierten, hochwertigen Fußball-Umfeld. Und natürlich schauen wir auch immer nach weiteren Möglichkeiten innerhalb unseres ProSiebenSat.1 Universums." Zum Studio71-Portfolio im Sport-Bereich zählen unter anderem auch noch die Brotatos auf Creator-Seite sowie "Kicker" und Sport1 im Bereich der traditionellen Medienmarken. 

Als reichweitenstarker und etablierter Fußball-Creator passe Acar "perfekt in unser ohnehin schon starkes Sport-Portfolio und stärkt es weiter", sagt Alexander Krawczyk. Auch deshalb verzichtet man hier auf Exklusivität in der Zusammenarbeit. Und was wird sich perspektivisch ändern, wo die Inhalte doch schon heute stark vermarktet sind? "Der Kanal ist bereits sehr gut vermarktet – aber wir sehen da definitiv noch Luft nach oben", so der Studio71-Geschäftsführer. "Ziel unserer Zusammenarbeit ist es, die Monetarisierung von Diyars Content auf YouTube weiterzuentwickeln und bereits bestehende Reichweiten- und Standardvermarktungsmöglichkeiten weiter auszubauen."

Neues Format zur WM in Arbeit

Christian Nienaber © Steffen Z Wolff / Banijay Media Germany Christian Nienaber
Christian Nienaber, Geschäftsführer Banijay Media Germany, sagt auf die Frage nach der Vermarktung, dass es hier nicht um "mehr" Werbung gehe, "sondern um eine weitere Steigerung der Qualität, um längerfristige Partnerschaften und [...] auch um eine weitere Steigerung der Reichweite". Nienaber weiter: "Die Partnerschaft ermöglicht es uns, Creator mit ihren Formaten und Communities in das Banijay-Ökosystem zu integrieren, sei es bei der Entwicklung neuer Inhalte, in Markenkooperationen oder beim Ausbau bestehender IPs wie ‘Find the Pro’. Dabei geht es in erster Linie um gemeinsames Wachstum und die Möglichkeit, Inhalte strategisch weiterzuentwickeln. Das ist für den Creator attraktiv – und genauso für uns."

Im Sport-Entertainment-Bereich sieht Nienaber rund um die anstehende Fußball-WM Potenzial für Formate, "die digitale Communities und klassisches Entertainment zusammenbringen". Aktuell befinde man sich bereits in der Planung für ein Format, das innerhalb von Banijay Germany entwickelt worden sei. Nach Angaben des Geschäftsführers von Banijay Media gehe das Format in Richtung Talk. Noch sei man aber im Feinschliff und in Gesprächen mit potenziellen Brand-Partnern. 

Warum die Partner für Acar so wichtig sind

Diyar Acar nimmt im Zuge der Fußball-WM in jedem Fall nicht am Creator-Programm von FIFA und YouTube teil, das bestätigt sein Manager Pascal Ruhe-Kramer gegenüber DWDL.de. "Wir verfolgen rund um die WM bewusst einen unabhängigen Ansatz und entwickeln eigene Projekte sowie eigene Content-Formate, die zu Diyar und seiner Community passen", sagt er. Auch Ruhe-Kramer bestätigt, an einem größeren Formate rund um die WM zu arbeiten, will aber noch keine Details verraten. Nur so viel: "Inhaltlich möchten wir gemeinsam mit Diyar ein neues Live-Format auf seinen Kanälen etablieren, das Community, Unterhaltung und aktuelle Fußball-Themen miteinander verbindet. Wir glauben, dass dabei ein spannendes Entertainment-Umfeld entstehen kann, das auch über die digitale Creator-Welt hinaus Aufmerksamkeit erzeugt."

Um für den Creator ein möglichst starkes und vielseitiges Netzwerk aufzubauen, setze man bewusst auf non-exklusive Partnerschaften, sagt Pascal Ruhe-Kramer auf die Zusammenarbeit mit Banijay Media und Studio71 angesprochen. "Dabei arbeiten alle Beteiligten in ihren jeweiligen Bereichen eng und transparent miteinander zusammen." Mit Banijay Media und Studio71 könne man die eigenen Vermarktungsstrukturen weiter professionalisieren und auch skalieren. "Gerade im Bereich strategischer Partnerschaften, Sondervermarktung und Netzwerkzugang schaffen solche Partner zusätzliche Möglichkeiten und Kontakte, die wir als kleines Team alleine nicht in derselben Breite abdecken könnten."