Verena Kerth hat für sie geworben, Evelyn Burdecki auch und Cathy Hummels sowieso. Die Rede ist von den IvyBears. Dabei handelt es sich um Gummibärchen, denen verschiedene Vitamine zugesetzt werden. Hinter der Marke steht die SuperCharged Europe Limited mit Sitz auf Malta, Gründer und Kopf hinter den IvyBears ist der Kölner Unternehmer Kaan Haylaz. Das Versprechen: Die "Vitamingummis" (O-Ton Unternehmen) sollen sich durch ihren "gesundheitlichen Nutzen" auszeichnen, die Rede ist von "Schönheitsvitaminen".
Das Nahrungsergänzungsmittel in Gummibärchenform ist in der Szene zunächst bekannt geworden, weil es bessere und kräftigere Haare und Haut versprach. Mittlerweile gibt’s auch Fruchtgummis, die wahlweise das Immunsystem stärken, die Verdauung unterstützen, Stress reduzieren oder auch eine gesunde Blutbildung unterstützen sollen. Die Lifestyle-Produkte sind in vielen verschiedenen Ländern zu kaufen. Der Markt der sogenannten Beauty-Supplements boomt seit Jahren, neben IvyBears sind in diesem Segment unter anderem auch Unternehmen wie Bears with Benefits und Lemme aktiv.
IvyBears hat sich in den zurückliegenden Jahren etabliert, gegründet wurde die Marke erst 2018. Mittlerweile gibt es die Produkte des Unternehmens in Deutschland nicht nur im hauseigenen Online-Shop zu kaufen, sondern auch in einigen Drogeriemarktketten. In der Vergangenheit war die Marke auch mit eigenen Ständen auf Fitnessmessen wie der Fibo oder der Fit Expo vertreten. Doch nun will man höher hinaus und sich nicht mehr nur auf die Produktion und den Vertrieb der Fruchtgummis beschränken. Die IvyBears sollen nun auch eine weltweite Entertainment-Marke werden.
"KI ersetzt bei uns keine Kreativität, sondern beschleunigt eine menschlich geführte Pipeline."
IvyBears-Gründer Kaan Haylaz
So hat man erst Ende April die erste Folge einer IvyBears-Kinderserie auf YouTube veröffentlicht, zwei weitere Episoden sind bislang erschienen. Der Erfolg ist ziemlich beeindruckend: Der IvyBears-Kanal kommt mittlerweile auf rund 4,13 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Folge eins zählt mehr als 18 Millionen Views und auch Folge zwei (11 Millionen) und Folge drei (9,4 Millionen) weisen extrem starke Abrufzahlen auf. Produziert wird die Serie von den Moontrail Animation Studios. Das ist ein Unternehmen, das Kaan Haylaz erst im November 2025 gegründet hatte. Moontrail bezeichnet sich selbst als "weltweit erstes KI-Animationsstudio".
Wie viel KI steckt also in der Serie? "KI ersetzt bei uns keine Kreativität, sondern beschleunigt eine menschlich geführte Pipeline", sagt Haylaz im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. Die kreative Grundidee, die Welt, die Figuren, die Dramaturgie, das Storytelling, die finale redaktionelle Entscheidung sowie die Markenführung kommen weiterhin von Menschen, sagt der IvyBears-Gründer. "KI unterstützt uns vor allem in der visuellen Entwicklung, bei Konzeptbildern, Szenen-Entwürfen, Animations-Workflows, Iterationen, Compositing-ähnlichen Prozessen und bei der Beschleunigung der Produktion."
Charaktere wirken oft noch zu mechanisch
© Moontrail/Ivy Bears
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Trotz der Tatsache, dass Kaan Haylaz als Unternehmer erst das Geschäft mit den Gummibärchen aufgebaut hat und sich dann an die Serie gesetzt hat, kann man sagen: Er ist vom Fach. Haylaz hat Film in New York studiert und dadurch Erfahrungen in Filmproduktion, Filmfinanzierung und Entertainment gesammelt. Als Praktikant arbeitete er einst unter anderem für ProSiebenSat.1, zu seinen späteren Stationen zählen beispielsweise Tripod Pictures und der schwedische Zahlungsanbieter Klarna, wo er Head of Sales war.
Inhaltlich kann die "IvyBears"-Serie noch nicht ganz mithalten mit etablierten Kinderserien wie "Paw Patrol", "Peppa Pig" oder auch "Miraculous". Manchmal wirken die "IvyBears" noch etwas zu mechanisch, das betrifft sowohl die Gesichter der Bären als auch die Dialoge. Hier und da gibt es auch vereinzelt kleinere Continuity-Themen und der großflächige KI-Einsatz ist noch etwas zu sehr sichtbar. Dennoch ist die Serie eine beeindruckende Zurschaustellung dessen, was mit KI heute schon alles möglich ist. Ähnlich wie bei anderen Kinder-IPs ist auch bei "IvyBears" der Kommentarbereich auf YouTube deaktiviert. Das sorgt einerseits für einen geschützten Bereich für die Zielgruppe, verhindert aber gleichzeitig auch, dass man ablesen kann, wie viel Kritik es an der KI-Optik der Serie gibt.
"Kinder sollen die Charaktere und Geschichten mögen, nicht das Gefühl haben, eine Werbung zu sehen."
IvyBears-Gründer Kaan Haylaz
"Wir sind sehr froh über die Dynamik, aber natürlich sehen wir noch viele Bereiche, in denen wir besser werden können", sagt Kaan Haylaz gegenüber DWDL.de und nennt unter anderem die Bereiche Timing, Humor, Emotionalität, Figurenentwicklung, Bildsprache, Action-Sequenzen, Musik, Schnitt und Sprachfassungen als Punkte, bei denen er noch Verbesserungspotenzial sieht. Im Laufe des Sommers soll es auch eine deutsche Synchronfassung der Serie geben, wobei man hier auf echte Sprecherinnen und Sprecher setzen will - so wie übrigens auch im Original.
Der Erfolg ist noch bemerkenswerter, wenn man weiß, dass IvyBears keine klassische Werbekampagne für die Serie gefahren hat. Man setzt fast ausschließlich auf das eigene Distributionsnetzwerk, also allen voran die eigene Webseite. Den Rest hat bislang der YouTube-Algorithmus übernommen. Bis zum Ende des Jahres sollen fünf bis sieben weitere Folgen der Serie veröffentlicht werden. Mit dieser dann ersten Staffel will Kaan Haylaz in den Vertrieb gehen und internationale Ausstrahlungen verhandeln. "2027 soll es dann mit Staffel 2, Staffel 3 und weiteren Formaten weitergehen", sagt Haylaz gegenüber DWDL.de. Ziel sei es, IvyBears als "schnell wachsende, aber langfristig angelegte Kids- und Family-Entertainment-IP aufzubauen".
Neues Edutainment-Format geplant
© Moontrail/Ivy Bears
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Bleibt die Frage: Wie viel Werbung für die "Vitamingummis" steckt eigentlich in den Serien? Zumindest in den drei bislang veröffentlichten Folgen der "IvyBears" ist davon nichts zu sehen - mit der Ausnahme, das die Figuren natürlich dem Produkt, den Gummibärchen, nachempfunden sind. "Die Grenze ist für uns sehr klar: Die Folgen sollen keine Werbefilme sein", sagt Kaan Haylaz. "Wir haben bewusst keine klassische Produktwerbung und kein plumpes Product Placement in die Episoden eingebaut. Der Fokus liegt auf Figuren, Abenteuern, Humor, Emotion und einer eigenen Welt." Der Anspruch sei es, dass die Serie als Entertainment funktioniere. "Kinder sollen die Charaktere und Geschichten mögen, nicht das Gefühl haben, eine Werbung zu sehen."
Mittel- und langfristig kann es natürlich dem Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln nicht schaden, wenn es auch eine starke Entertainment-Marke rund um die IvyBears gibt. Für das Unternehmen öffnen sich damit auch Türen im Bereich Merchandising und Consumer Products. Auch auf diese Segmente schielt Kaan Haylaz bereits. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Interessant ist die Entwicklung der Marke in jedem Fall: Normalerweise gibt es zuerst Kinderserien, die dann auch anderweitig ausgewertet werden. IvyBears geht den umgekehrten Weg und hat damit zumindest zum Start großen Erfolg gehabt.
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