Seit RTL Deutschland im Dezember den Abbau von 600 Stellen in Aussicht stellte, dürfte die besinnliche Weihnachtsstimmung bei einem großen Teil der Belegschaft von RTL Deutschland einem Gefühl von Unsicherheit gewichen sein. An diesem Mittwoch nun hat die Geschäftsführung des Unternehmens bekanntgegeben, mit welcher Aufstellung sie in die Zukunft gehen will. Es ist eine Aufstellung, die auch dem letzten Nostalgiker im Haus klarmacht, dass das lineare Privatfernsehen den Zenit seiner glorreichsten Zeit endgültig überschritten hat und RTL+ nicht nur Wachstumsperspektive sein kann sondern muss.

Nicht nur, dass mit RTL und Vox künftig die beiden größten Vollprogramme der Sendergruppe zentral verantwortet werden – alleine schon die Tatsache, dass sich der größte Privatsender des Landes künftig kein eigenes Frühstücksfernsehen mehr leisten möchte und stattdessen den morgendlichen Schulterschluss mit seinem Nachrichtenkanal ntv sucht, zeigt: Jetzt geht es auch Formaten an den Kragen, die über Jahrzehnte hinweg als selbstverständlich erachtet wurden. 

Dabei kommt der Schritt, "Punkt 6" & Co. einzudampfen, streng genommen nicht völlig überraschend. Zwar ist es der Redaktion in den vergangenen Jahren gelungen, eine Trendwende einzuleiten, doch gegen das beim jungen Publikum sehr erfolgreiche "Sat.1-Frühstücksfernsehen" – eine der letzten Bastionen des Konkurrenten aus Unterföhring – kommen die Kölner schon lange nicht mehr an. Und gemessen an der Zuschauerzahl waren die Kosten, die die dreistündige Livestrecke verursacht, auf Dauer wohl schlicht zu hoch. Erst recht in einer Zeit, in der vor dem Hintergrund der weiter anhaltenden Werbekrise mehr denn je auf jeden Euro geachtet wird.

Die Prioritäten haben sich verschoben

Der Schnitt ist ohne Zweifel schmerzhaft, doch auf lange Sicht wohl unvermeidlich, weil der Fokus der Privaten im Linearen mehr denn je auf den (noch) reichweitenstarken Sendestrecken liegt. So ist dann auch zu erklären, weshalb das am späten Abend bei Vox gesendete Star-Magazin "Prominent" schon bald ebenso weichen muss wie das TV-Magazin "Gala", dessen gedruckte Version RTL erst im vorigen Jahr an die Funke Mediengruppe veräußert hat. Nicht erst seit dem geplanten Kauf des Pay-TV-Anbieters Sky zeigt sich: Bei RTL werden andere Prioritäten gesetzt.

Bitter ist der am Mittwoch angekündigte Schritt freilich trotzdem, immerhin entfällt mehr als ein Drittel des geplanten Stellenabbaus auf den News-Bereich, der noch vor knapp fünf Jahren unter Stephan Schmitter – heute CEO von RTL Deutschland, damals in seiner Funktion als Geschäftsführer von RTL News – massiv ausgebaut wurde. Damals wurden eine Nachmittags-Ausgabe von "RTL aktuell", eine zweite "Explosiv"-Strecke und das abendliche Nachrichtenmagazin "RTL Direkt" eingeführt.

All diese Sendungen sind längst eingestellt worden und mit dem Aus der "Punkt"-Magazine am Morgen fällt RTL demnächst sogar noch hinter den einstigen Status Quo zurück. Wo Schmitter und Martin Gradl, inzwischen neuer Chef von RTL News, einst vollmundig im "Angriffsmodus" wähnten, ist nun von "einschneidenden Entscheidungen" die Rede. Immerhin, "Punkt 12" und das "Nachtjournal" bleiben im Portfolio. Ebenso natürlich die äußert erfolgreiche Hauptnachrichtsendung "RTL aktuell".

Die eigentliche Tragik dieser Entwicklung ist aber ohnehin eine andere, offenbart sie doch einen zunehmenden Bedeutungsverlust klassischer Medienhäuser, während ringsherum der Einfluss globaler Plattformen in der Hand einiger weniger Superreichen wächst. Plattformen, die unreguliert bzw. unmoderiert flankiert werden von Hass, Propaganda und Fake News. Es läge auch in der Hand der Werbekunden, daran etwas zu ändern.

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