ProSiebenSat.1 beweist dieser Tage weiter ein sehr gutes Händchen für Sportrechte. Zur Riege der Weltmeisterschaften im Handball, Basketball und Eishockey kann die Sendergruppe neuerdings auch noch Darts hinzufügen. "Mit den Darts-Übertragungsrechten setzen wir konsequent einen weiteren wichtigen Meilenstein in unserer Sport-Strategie", frohlockte Chief Content Officer Henrik Pabst am Morgen, als bekannt wurde, dass ProSiebenSat.1 ab Ende 2027 die Darts-WM übertragen wird.

Was vor ein paar Jahren vielleicht noch belächelt worden wäre, ist inzwischen tatsächlich ein echter Coup: Längst schon hat sich die Darts-Weltmeisterschaft fest als Quoten-Hit rund um den Jahreswechsel beim deutschen TV-Publikum fest etabliert. Und mit zuletzt teils über zwei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern sowie Marktanteilen von über 20 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe mauserte sich das Turnier vom einstigen Nischenprodukt zum Mainstream-Erfolg, der längst nicht mehr nur für Spartensender attraktiv ist.

Sport1, bislang Heimat der Pfeilewerfer, ist auf diese Weise nach zwei Jahrzehnten, in denen man die Sportart groß gemacht hat, Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Für den Sender ist der Verlust der attraktiven WM-Rechte dementsprechend ein herber Rückschlag - wenngleich einer, mit dem zu rechnen war. Gelang es beim letzten Mal noch, den Status Quo aufrechtzuerhalten, musste Sport1 nun vor den Angeboten der großen Sendergruppen kapitulieren. Was Sport1 bleibt, sind zahlreiche Darts-Events, die dem Sender zwar in der Fläche helfen werden, deren Strahlkraft jedoch bei Weitem nicht an die der Weltmeisterschaft heranreicht.

Dass man überhaupt noch einige Darts-Rechte an Land ziehen konnte, kann man letztlich als ganz großes blaue Auge werten, mit dem Sport1 davongekommen ist. Gleichzeitig gibt der neue Deal einen Eindruck davon, wie schwer es für den kleinen Spartensender geworden ist, überhaupt noch lukrative Sportrechte an Land zu ziehen. Sportarten wie Darts oder auch Eishockey, die noch vor wenigen Jahren bei Sport1 beheimatet waren, sind inzwischen selbst für große Sender attraktiv geworden - auch, weil internationale Fußball-Wettbewerbe vermehrt von internationalen Playern in den Fokus genommen werden, was deren Fans mit teuren Abos bezahlen müssen.

Für kleinere Sportarten liegt in der zunehmenden Entwicklung des Fußballs hinter die Bezahlschranke eine echte Chance, weil sie im Free-TV heute deutlich größere Bühnen erhalten als noch vor wenigen Jahren. Für Sport1 - jenen Sender, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit Spiele der 2. Liga, des DFB-Pokals und der Europa League übertrug - ist das freilich ein Dilemma, weil sich perspektivisch die Frage stellen wird, welche Rechte für den kleinen Sender in Zukunft überhaupt noch abfallen können.

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