Seit "Hister" vor einigen Jahren auf den Markt kam, hat es sich zu einem der beliebtesten Spiele entwickelt – wohl auch, weil die zugrundeliegende Idee so einfach wie genial ist: Wenn Songs nach ihrem Erscheinungsdatum sortiert werden müssen, dann geht es mehr als nur um Musik; es geht oft um ganz persönliche Erinnerungen, die mit ihnen verbunden werden. Und dank der Verknüpfung mit Spotify wird der heimische Küchentisch ganz schnell zur Partybühne, sobald die ersten Töne von "I Will Survive" oder "Angels" erklingen.
Wohl noch nie lag die Idee näher, aus einem Spiel eine Fernsehshow zu machen. Kein Wunder also, dass "Hitster" nun als "Gameshow der größten Hits" bei RTL an den Start gegangen ist. Schon überraschender ist die Tatsache, dass der Sender der Versuchung widerstand, das Format zum mehrstündigen Event aufzublasen und es stattdessen vorzog, eine einstündige Version im Vorabendprogramm zu starten.
Tatsächlich liegt in der Kürze auch die Kurzweil: Etwa 20 Songs werden (an-)gespielt und von zwei Promi-Teams in die richtige Reihenfolge gebracht. Dass das Konzept aufgeht, zeigen deren Reaktionen: Während sich Yvonne Catterfeld durch die Musik an der Prinzen an ihren Gesangsunterricht in Leipzig erinnert, versucht "Bergdoktor" Hans Sigl Herbert Grönemeyers "Was soll das?" anhand seiner Studienzeit ins korrekte Jahr zu verorten. Rick Kavanian wiederum schwelgt zusammen mit Spielpartnerin Sandy Mölling von den No Angels in frühen Konzerterinnerungen. Es fühlt sich, und das ist die gute Nachricht, tatsächlich alles ein wenig an wie beim eigenen "Hitster"-Spiel zuhause – zumal die Show förmlich dazu einlädt, auch vom Sofa aus mitzuraten.
Wahrscheinlich hat Moderator Elton also recht, wenn er zu Beginn der Show, an das Publikum gerichtet, sagt: "Das wird jetzt mit Sicherheit Ihre neue Lieblings-Quizshow im deutschen Fernsehen zum Thema Musik." Er selbst moderiert indes, wie er jede Show moderiert – in dem ihm eigenen Elton-Style, der irgendwo zwischen Schnoddrigkeit und Lässigkeit verortet werden kann. Man kann nicht gerade behaupten, dass Elton der Show seine eigene Note aufdrückt. Aber glücklicherweise gibt’s bei "Hitster" ja von Haus aus schon genügend Noten.
Zusätzlich aufgelockert wird die Sendung durch Tanzeinlagen, Videoschnipsel und den Auftritt des Musik-Duos Right Said Fred, das mancher bis zu dieser Show wohl längst im Ruhestand wähnte. Nun aber springen sie mit Vollplayback noch einmal durch das farbenfrohe Studio, dem es ganz nebenbei gelingt, die prägenden Jahreszahl-Spielkarten optisch ansprechend in die von UFA Show & Factual verantworteten TV-Version zu überführen. Überhaupt wirkt das Studio – das als Produktionshub in den Niederlanden auch für die "Hitster"-Adaptionen anderer Länder verwendet wird – sehr stimmig, auch wenn mancher Zuschauer etwas verloren im Hintergrund an den Stehtischen lehnt.
Spannend ist die vor allem die Frage, ob es RTL gelingt, im ungewohnten Vorabend-Umfeld genügend Fans zum Mitsingen zu animieren. Mit der gelungenen Mischung aus Nostalgie und Popmusik hat "Hitster" aber gewiss das Zeug dazu, jetzt auch im Fernsehen seinen Platz zu finden.
"Hitster - Die Gameshow der größten Hits", sonntags um 19:05 Uhr bei RTL
TV-Kritik von 




