Sie hießen Laser, Diamond, Sky, Storm, Titan oder auch Thunder, Turbo und Rebel - und waren kurzzeitig die Helden für viele Zuschauerinnen und Zuschauer: In den 90er Jahren entwickelte sich die US-Spielshow "American Gladiators" zu einem Hit, auch in Deutschland waren die Battles zwischen Gladiatoren und Herausforderern beliebt. Die Show lief zunächst bei RTL und später bei Sport1, das damals noch DSF hieß. Ein Comeback mit Hulk Hogan blieb 2008 dann aber ziemlich blass. Doch im Zuge des Hypes rund um Physical Gameshows haben die TV- und Streaming-Verantwortlichen offenbar das einstige Kult-Format wiederentdeckt.
Bereits 2024 kehrte die Spielshow bei der BBC zurück und entwickelte sich überraschend zu einem sehr schönen Erfolg für den Sender, zwei weitere Staffeln sind bereits zu sehen gewesen. Im April dieses Jahres startete dann eine Neuauflage von "American Gladiators" bei Prime Video - und nun kommt mit "Gladiators - Die Show der Giganten" eine deutsche Adaption, die zunächst beim Streamingdienst von Amazon zu sehen sein wird und schon in wenigen Wochen auch linear bei RTL läuft.
Bei der von RTL Studios produzierten Show setzt man von Beginn an auf viel Nostalgie. Das Show-Intro ist fast 50 Sekunden lang und mit Musik unterlegt, die so auch Ende der 80er hätte laufen können. Sowas gibt es heutzutage eigentlich gar nicht mehr. Und auch sonst hat man sich sehr am Original orientiert: Die Gladiatoren heißen Dynamite, Legend, Athena, Tornado, Comet, Ice, Laser, Beast, Fire und so weiter - und natürlich tragen sie wie in den 90ern ziemlich knappe und eng anliegende Outfits.
Am Spielprinzip hat sich nichts geändert: Zwei Männer und zwei Frauen treten jeweils gegeneinander an. In verschiedenen Spielen müssen sie möglichst viele Punkte sammeln, was die Gladiatoren verhindern wollen. Am Ende geht’s im Eliminator um den Tagessieg - und wer den erzielt, zieht ins Halbfinale der Show ein. Es ist nicht das einzige Mal, dass "Gladiators" an "Ninja Warrior Germany" erinnert. Bei den Spielen haben sich Prime Video und RTL nicht lumpen lassen: Es sind größtenteils zwar die bekannten Herausforderungen, die die Spielerinnen und Spieler auch schon in den 90ern meistern mussten, sie sind aber groß und opulent inszeniert.
© RTL / Pascal Bünning
Viel Haut und eng anliegende Outfits: Die "Gladiators" von Prime Video und RTL.
Die Herausforderinnen und Herausforderer müssen sich also wahlweise an Ringen an den Gladiatoren vorbei schwingen, ihr Gegenüber mit einem XXL-Ball oder riesigen Wattestäbchen von einem Podest befördern oder so schnell wie möglich eine Wand hochklettern, ohne von Tornado & Co. heruntergerissen zu werden. Für sich genommen sind diese Spiele durchaus unterhaltsam. Es ist eher das drumherum, was dafür sorgt, dass die Show wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Laienschauspiel ist anstrengend
Bei "Gladiators" spielen nämlich alle eine Rolle, allen voran die Gladiatoren selbst, die keine echten Namen haben, sondern nur Laser, Thunder oder Beast heißen. Sie sind immer extra schlecht gelaunt und ein bisschen zu arrogant. Aber wer will es ihnen auch verübeln, sie sind schließlich die "Gladiatoren" und damit so etwas wie die Krone der Schöpfung. Im Jahr 2026 wirkt es aber trotzdem zunehmend anstrengend und aufgesetzt, wenn sie nach Spielen Dinge sagen wie zum Beispiel: "Mein Ziel war: Wenn wir hier fertig sind, gehe ich Physiotherapie und du zur Psychotherapie."
Das große Problem dabei ist die Tatsache, dass nahezu alle diese Sprüche einstudiert wirken. Das trifft übrigens auch auf Laura Wontorra und Jan Köppen zu, die die für sie geschriebenen Moderationen zwar fehlerfrei aufsagen, aber vor allem immer dann glänzen können, wenn sie spontan mit den Gladiatoren oder den Spielerinnen und Spielern interagieren. Komplettiert wird das On-Air-Team übrigens von Frank Buschmann, der als Kommentator fungiert.
Es ist das "Ninja Warrior Germany"-Team, das Prime Video und RTL hier zusammengetrommelt haben. Buschmann erklärte im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass er "Ninja Warrior" verlässt, es sei Zeit "neue Reize zu setzen". Zumindest bei diesem Format ist seine Aufgabe jedoch ziemlich ähnlich: Er kommentiert am Mikro die Leistungen der Kandidatinnen und Kandidaten im Duell mit den Gladiatoren und nicht selten wird er dabei laut. Neue Reize sind das nicht wirklich.
Das Problem mit dem Cast...
Nur: Bei "Ninja Warrior Germany" war das alles noch etwas glaubhafter, was aber nicht an Buschmann liegt. Es sind die Frauen und Männer in den ersten beiden Folgen, die DWDL.de vorab sehen konnte, die den Unterschied machen - in diesem Fall zum Nachteil von "Gladiators". Die Herausforderinnen und Herausforderer sind körperlich größtenteils zwar gut beieinander, sodass man nicht ihre Teilnahme insgesamt infrage stellt. Es fehlt hier und da aber manchmal an der Spritzigkeit und dem nötigen Biss, die für eine solche Show nötig ist. Gerade im direkten Vergleich zu "Ninja Warrior Germany" fällt das auf. Und wenn die Motivation fehlt, können auch die Kommentare von Frank Buschmann nicht mehr viel retten.
Auf der anderen Seite muss man positiv hervorheben, dass RTL Studios für "Gladiators" auf einen Cast setzt, den man so vorher noch nicht gesehen hat. Weder die Gladiatoren noch die Spieler sind durch andere Shows bereits bekannt. Es wäre ein einfaches gewesen, René Casselly oder andere Köpfe aus dem "Ninja Warrior"-Universum zu "Gladiators" zu bringen. Dieser Versuchung sind die Beteiligten dankenswerterweise nicht erlegen, wobei der Cast, allen voran bei den Herausforderern, ein Schwachpunkt ist.
Was hat RTL Prime Video versprochen?
"Gladiators" wirkt im Jahr 2026 aber auch deshalb aus der Zeit gefallen, weil Fitness und Hochleistungssport inzwischen ganz anders gesehen wird - nicht zuletzt auch durch "Ninja Warrior Germany". Aber auch auf Social Media wird man heute mit Gym-Content bombardiert, aktuell ist es der Hyrox-Hype, der sehr präsent ist. Da sind die vermeintlichen Gladiatoren in einer TV-Show eben nicht mehr die Übermenschen, für die man sie in den 90ern vielleicht noch halten konnte.
Am Ende bleibt vor allem die Frage, was RTL den Kollegen von Prime Video versprochen hat. Die deutsche Interpretation von "American Gladiators" ist eindeutig auf den Privatsender zugeschnitten und wirkt nicht wie eine Produktion von oder für Prime Video. Das geht über den Look bis hin zum Personal. Vier Wochen lang hat der Streamer die Show exklusiv, danach ist sie auch bei RTL zu sehen. Beim Privatsender war "Ninja Warrior Germany" einst aber der deutlich größere Wurf. Unwahrscheinlich, dass die "Gladiators" aus dem Jahr 2026 noch einmal so einen Hype auslösen wie ihre US-Vorgänger vor mehr als 30 Jahren.
"Gladiators - Die Show der Giganten" steht ab sofort bei Prime Video zum Abruf bereit. Die lineare Ausstrahlung erfolgt ab dem 4. September bei RTL.
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