Zugegeben, mit seinen Quiz-Formaten bewies Sat.1 zuletzt kein allzu glückliches Händchen mehr. Vieles von dem, was der Sender auf seinem Rateshow-Sendeplatz ausprobierte, war nicht gerade von Erfolg gekrönt. Übrig geblieben ist daher erstmal nur das "1% Quiz" mit Jörg Pilawa, das allerdings ebenfalls erste Abnutzungserscheinungen offenbarte.

Tatsächlich gehört das "1% Quiz" zu jenen Formaten, die einem als Zuschauer durchaus mal schlechte Laune machen können. Vor allem, wenn man am Ende feststellen muss, dass man – anders als erhofft – eben doch nicht viel klüger ist als der Durchschnitt der Gesellschaft. So gesehen ist Pilawas neueste Sat.1-Show, die der Frage nachgehen will, wer "Deutschlands Superhirn" ist, kaum etwas anderes als eine Variante des "1% Quiz". Mit dem Unterschied, dass sich der Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgaben nicht nach dem Wissensstand der Bevölkerung richtet, sondern sich von "Einsteiger" über "Besserwisser" und "Profi" bis hin zur "IQ-Elite" steigert.

Viel mehr als ein neues Etikett hat Sat.1 seinem Quizprinzip also nicht verpasst. Auch bei "Wer ist Deutschlands Superhirn?" - von Sat.1 etwas ungelenk als "neue Quizshow für alle Gehirnjogger und Denksportathleten" beworben – geht es um logisches Denken, Rechnen oder Sprache. Reihenfolgen müssen gemerkt, Zusammenhänge erkannt und Wörter in Listen ergänzt werden. Und während beim "1% Quiz" 100 Menschen im Kreis sitzen, sind es bei der neuen Sendung 50 Kandidatinnen und Kandidaten, die im Kreis stehen. So weit, so ähnlich.

Trotz dieser Parallelen macht die "Superhirn"-Show einiges richtig. Nicht nur, weil der Sender – anders als bei der Adaption des "1% Quiz" – darauf verzichtet, das Konzept durch Promi-Auftritte unnötig in die Länge zu ziehen. Auch beim Stellen legt die Sendung ein ordentliches Tempo vor. Zeit zum Verschnaufen gibt allenfalls in ebenso kurzen wie routinierten Gesprächen zwischen Pilawa und den Kandidaten. Die gehen jedoch glücklicherweise nicht tiefer als nötig in Interessengebiete, Berufe oder familiäre Hintergründe ein.

Dazu kommt, dass die Sendung, deren Ursprung übrigens in Frankreich liegt, auch optisch einiges hermacht. Der animierte Boden, der in ähnlicher Form ja schon mal bei "The Floor" zum Einsatz kam, unterstützt das Spielgeschehen, ohne sich in Spielereien zu verlieren. Einzig die Tatsache, dass die Kandidaten, wie einst bei Amazons "Yes or No Games", ihre Antworten auf einer Art Smartphone am Handgelenk eingeben müssen, wirkt regelmäßig so, als würden sie vor Langeweile auf die Uhr schauen, um bloß nicht den letzten Bus zu verpassen.

Dabei ist der von Tresor TV produzierte Neustart alles andere als langweilig. Ob Sat.1 auf Dauer allerdings tatsächlich zwei derart ähnlich gelagerte Quiz-Formate mit Jörg Pilawa braucht, steht freilich auf einem anderen Blatt.

"Wer ist Deutschlands Superhirn?", donnerstags um 20:15 Uhr in Sat.1