2008 Menschen, Bilder, Emotionen © RTL/Gregorowius
DWDL.de-Kommentar

Rückblicke in der TV-Kritik: Kerner schlägt Jauch

 

Nach Quoten gewann Jauch. Doch inhaltlich konnte der RTL-Jahresrückblick nicht überzeugen. Bei Kerner dominierte die Relevanz, bei Jauch Beliebigkeit. DWDL.de hat beide Sendungen parallel verfolgt. Die TV-Kritik zu den Jahresrückblicken...

von Thomas Lückerath
08.12.2008 - 09:19 Uhr

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Johannes B. KernerAm Sonntagabend lieferten sich RTL und ZDF ein Live-Duell der Jahresrückblicke für das sich die Sender im Vorfeld gegenseitig die Schuld in die Schuhe schoben. Nun also musste man fleißig zappen, wollte man nichts verpassen. Oder zwei Fernseher einschalten. DWDL.de hat beide Jahresrückblicke parallel gesehen. Es ging um die Frage: Wer gewinnt das Duell inhaltlich? Was nach einer schwierigen Aufgabe klang, wurde erschreckend einfach. Das Duell der Jahresrückblicke 2008 hat einen klaren Sieger.

Kerner schlägt Jauch. Oder besser gesagt: "Menschen 2008" schlägt "2008 - Menschen, Bilder, Emotionen", denn die Moderatoren lieferten beide solide Leistungen ab. Typische Live-Situationen meisterten Kerner wie Jauch: beim ZDF gab es Gäste, die partout die Bühne nicht verlassen wollten und bei RTL machte ein einsilbig antwortender Michael Hirte Jauch das Interview schwer. Sicher scheiden sich an Johannes B. Kerner - anders als bei Jauch - die Geister. Doch regelmäßige Erfolge und ein treues Publikum malen kein so schwarzes Bild wie mancher Kritiker. Am Sonntagabend waren es ohnehin weniger die Gastgeber, die den Unterschied machten.

Das Duell der Jahresrückblicke war ganz klar ein Duell um die besseren Themen und Gäste. Eine bunte Mischung von bedeutenden Themen und bemerkenswerten Alltagsereignissen und unbekannten Helden gab es sowohl bei RTL als auch im Zweiten. Doch während sich das ZDF neben ungewöhnlichen Liebeserklärungen, einer unglaublich schlechten Amateur-Fußballmannschaft und Lokalpolitik-Theater aus Bayern auch z.B. der weltweiten Finanzkrise widmete, fehlte diese bei RTL beinahe gänzlich. Für die Nachrichtlichkeit musste dort allein Ex-SPD-Chef Kurt Beck sorgen, bei dem sich Jauch am Ende herzlich bedankte. So herzlich, dass man beinahe das Gefühl bekam, der Gastgeber wollte sich persönlich dafür bedanken, mal ein paar Minuten über Wichtiges gesprochen haben zu können.
 

 
Denn RTL trieb es sehr bunt. Ein Kirmesunfall, eine verschluckte Gabel, ein Sportflugzeug in der Hochspannungsleitung und eine Tankstelle mit Softwarefehler wechselten sich mit Promithemen ab. Mario Barth sprach als Studiogast über seinen Weltrekord, Sarah Connor und ihre Mutter übers Kinder kriegen und Fabian Hambüchen durfte talken und turnen. Letzteres erst alleine, dann mit einem 96 Jahre alten, wahrlich rüstigen Rentner. Auch Paul Potts war mit dabei. Der gewann die erste Staffel von "Britain's Got Talent" im Juni 2007. Für RTL Grund genug ihn anderthalb Jahre später zu "2008 - Menschen, Bilder, Emotionen" einzuladen. Weil er in diesem Jahr noch einmal durch die Telekom-Werbung ging, die zufälligerweise auch gefällige Werbung für "Das Supertalent" war.

2008 Menschen, Bilder, EmotionenStichwort Musik: Bei den musikalischen Gästen setzte das ZDF durchgängig auf deutschsprachige Musik: Mit Ich+Ich hatte man einen Musikact, der in diesem Jahr die Charts nicht nur einmal eroberte und so auch zweimal randurfte. Auch mit dabei: Udo Lindenberg, den man mögen muss oder auch nicht. Bei RTL durfte neben Paul Potts auch Sarah Connor auf die Bühne, die in diesem Jahr zwar durch so ziemlich alles in die Schlagzeilen kam - nur nicht mit ihrer Musik. Weitere Auflockerungen im Programm kamen von Leona Lewis mit ihrem Hit "Bleeding Love" und dem gerade erst gekürten "Supertalent"-Gewinner Michael Hirte.

Nicht erst am Ende bei Hirtes Auftritt fiel bei RTL auf: Das Studiopublikum war wie auf Droge. Perfekt getimt gab es mehrfach Standing Ovations. Und als Günther Jauch per Videoschalte mit Michael Ballack in London sprach, wedelte das Publikum auf Kommando mit bereitgestellten Deutschland-Fähnchen. Kleine Anmerkung am Rande: Die Schalte zu Ballack wirkte mit Kamin im Hintergrund beinahe wie eine alte Neujahrsansprache. Merkwürdig und angesichts des Medienhypes bei Vorwahlen und der Wahl im November unverzeihlich für einen Rückblick: Die US-Wahl spielte bei Kerner so gut wie keine Rolle. Bei RTL war sie immerhin Teil eines absurden Trailers der Pleiten, Pech und Pannen des Jahres mit Politik, Kriegen und Tragödien mixte. Erschreckenderweise war dieser Einspieler aber doch mehr Jahresrückblick als die ganze RTL-Show drum herum.

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