Rach tischt auf! © ZDF/Boris Laewen
DWDL.de-TV-Kritik

Christian Rach im ZDF: Aufgetischt und abserviert

 

Als Restauranttester oder Ausbilder in seiner "Restaurantschule" machte Christian Rach in der Vergangenheit stets eine gute Figur. Und dann kam das ZDF. Dort musste Rach bei seiner Premiere den Alleinunterhalter geben. Eine undankbare Rolle...

von Alexander Krei
21.02.2014 - 01:11 Uhr

Als großer Show-Zampano hat sich Christian Rach in den vergangenen Jahren eigentlich nicht hervorgetan. Und das war auch gut so. Ob als Restauranttester oder als oberster Lehrer seiner "Restaurantschule": Rach gab sich stets offen und direkt, ohne jemals auf den Applaus des Publikums angewiesen zu sein. Zu dumm, dass man das beim ZDF offenbar nicht so recht bemerkt hat. Anders ist es kaum zu erklären, dass Rach am Donnerstagabend zur besten Sendezeit den großen Chef-Aufklärer in Hemd und Lederjäckchen gab. Im Studio, vor Publikum und mit schlecht geschnittenem Applaus.

"Manchmal ist Neues besser als Verschlimmbessern", sagte Rach noch im vergangenen Herbst nach Bekanntwerden seines Wechsels von RTL zum ZDF. Die Handbremse zu lösen, war seine Absicht. Doch wer ihn bei seiner ZDF-Premiere gesehen hat, wird aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr herausgekommen sein. "Rach tischt auf!" geriet stellenweise so fad, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie sehr RTL die "Restauranttester"-Dokusoap hätte verschlimmbessern müssen, um Rachs neues ZDF-Format als besser erachten zu können. Und von einer gelösten Handbremse war ohnehin wenig bis nichts zu spüren.

Viel mehr schritt Rach andauernd unruhig durch das Studio, um ein paar Sätze zu Zucker, Fisch und Chips zu aufzusagen - stets begleitet von Andrea Kiewel und Dirk Steffens, die selten mehr waren als bloße Stichwortgeber. Und wenn sie Rach gerade mal keine ehrfürchtig-verblüfften Blicke zuwarfen, machten sie zumindest wahlweise als Schilderhalter oder Kartoffelexperten eine gute Figur. So ging Kiewel zwischenzeitlich in einem Einspielfilm der Frage nach, was Frankfurter denn eigentlich von Kartoffeln halten. Und je nach dem wie viele Kartoffeln pro Woche verzehrt wurden, vergab Kiwi unterschiedlich viele Kartoffelpunkte.

Zurück im Studio, ließ Christian Rach keine Gelegenheit aus, sein mühsam auswendig gelerntes Faktenwissen der Öffentlichkeit mitzuteilen. So erfuhr der geneigte Zuschauer etwa, dass wir Deutschen pro Jahr 800 Millionen Currywürste verzehren oder 58 Millionen Schweine schlachten. Und dass wir jährlich 32 Kilogramm Zucker zu uns nehmen, das meiste davon unbemerkt. Applaus, Tusch, nächstes Thema. Und während das so weitergeht, kommt die Frage auf, ob man sich beim ZDF jemals ernsthaft mit Rachs Stärken auseinandergesetzt hat. Die liegen nämlich gewiss nicht darin, im Stile eines Predigers die große Ernährungsfiebel runterzubeten.

Am besten ist Rach immer dann, wenn er draußen sein kann und nicht so tun muss, als sei er der große Entertainer. Wie das aussehen kann, zeigte sich, als Rach beim Besuch einer norwegischen Lachsfarm begleitet wurde und dem Publikum dadurch spannende Einblicke gewährte. Aber auch sein Ausflug in eine Kaserne geriet äußerst unterhaltsam, weil er den hungrigen und ahnungslosen Soldaten vegetarische Wurst servierte. Davon hätte man gerne mehr gesehen, doch leider machte das ZDF mit "Rach tischt auf!" nicht dort weiter, wo RTL im vorigen Jahr mit "Rach deckt auf!" aufgehört hatte. Eine vertane Chance, von der man nur hoffen kann, dass sie das ZDF noch korrigieren wird. Das Aufgetischte kann jedenfalls gerne wieder abserviert werden.

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