Der Rassist in uns © ZDF/Sandra Hoever/Carsten Immel
Heute, 22.15 Uhr: "Der Rassist in uns"

Das sind die wichtigsten 75 Minuten ZDFneo des Jahres

 

Während Christian Rach im ZDF zur besten Sendezeit etwas von Pizza und Pasta erzählt, läuft das wichtigste Stück Fernsehen dieses Sommers leider nur später am Abend bei ZDFneo: "Der Rassist in uns" ist ein ebenso sehenswertes wie verstörendes TV-Experiment.

von Thomas Lückerath
10.07.2014 - 13:41 Uhr

Warum es sich lohnt heute Abend um 22.15 Uhr "Der Rassist in uns" zu sehen, hat Peer Schader bereits für stern.de umfassend notiert und sich als bekannter Kritiker des über weite Strecken anspruchslosen Wiederholungs-Fernsehen von ZDFneo über diese relevanten 75 Minuten gefreut. Man kann dem Lob für die Produktion nur zustimmen und das Einschalten empfehlen bei diesem spanennden Experiment, bei dem jeder viel auch über sich selbst lernen kann, über die Wirkung von Diskriminierung, über das, was in unserer Gesellschaft tagtäglich passiert. Doch man kann und sollte auch eine weitere Frage stellen: Warum läuft diese Sendung bei ZDFneo?

Es ist völlig unverständlich und regelrecht beschämend für einen beitragsfinanzierten Sender, dass man für ein solches Experiment keinen Sendeplatz im Hauptprogramm findet. "Der Rassist in uns" könnte relevantes Fernsehen sein, doch dazu muss es auch gesehen werden. Relevanz ergibt sich erst durch die Rezeption des Publikums, nicht durch die Produktion der Sendung selbst. Die ist ehrenhaft, aber die Chance auf wirkliche Relevanz hat man in Mainz verbaut.

Hier lässt sich wieder die doppelte Angst der Öffentlich-Rechtlichen beobachten, die so vielen Projekten schon zum Verhängnis wurde: Einerseits halten die Bewahrer des Status Quo die Methode, mit der hier beim Zuschauer Erkenntnisgewinne ausgelöst werden, für zu profan. Es macht schließlich der klassischen Dokumentation und Reportage Konkurrenz und das muss verhindert werden - was sich wie Kindergarten anhört, ist nun einmal bei ARD und ZDF so. Neid und Missgunst zwischen Redaktionen um Kompetenzen und Sendeplätze sind gefährlich für Programminnovationen. Andererseits fehlt denen, die hinter einem solchen Projekt stehen, wiederum oft der Mut, es auch wirklich wissen zu wollen.

So läuft "Der Rassist in uns" also als attraktive Unterbrechung des Wiederholungsprogramms von ZDFneo und wird auf diesem Wege tragischerweise weniger Zuschauer erreichen als die zahlreiche, wohlwollende Berichterstattung über die Sendung. Was für eine Absurdität. Was für eine völlig verschenkte Chance.

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