Das große Schlüpfen © ZDF/Die Animationsfabrik
Eskapismus als Live-Experiment

Ooooooooh, ist das süß: "Das große Schlüpfen"

 

Am Mittwochabend zeigt das ZDF eine höchst ungewöhnliche Show: "Das große Schlüpfen". DWDL.de war bei den Vorbereitungen für die Live-Sendung dabei - und verrät, warum es sich lohnt, dieses TV-Experiment einzuschalten.

von Thomas Lückerath
31.03.2015 - 15:58 Uhr

Niemand weiß, ob auch klappen wird, was sich das ZDF und die Produktionsfirma Wellenreiter.TV hier vorgenommen haben. Das ist das Wesen einer Live-Show. Kaum jemand konnte sich etwas darunter vorstellen als "Das große Schlüpfen" angekündigt wurde. Das ist das Wesen des Neuen. Hämisch belächelt wurde mitunter die sehr beschaulich klingende Idee, das Entstehen neuen tierischen Lebens zu filmen. Das ist das Wesen von Eskapismus.

Nach einer Woche, die von tragischen Schlagzeilen dominiert wurde, viele Nerven und manche Träne gekostet hat, ist das Show-Event des ZDF am Mittwochabend eine mehr als willkommene Abwechslung: Johannes B. Kerner präsentiert am Mittwochabend live aus Köln "Das große Schlüpfen". Was zugegebenerweise zunächst wie ein Aprilscherz klingen mag, ist in Wahrheit etwas, was man sich in der Branche häufiger wünschen würde: Den Mut zu kuriosen Ideen.

"Das große Schlüpfen" ist keine Quizshow. Es ist keine Castingshow. Es ist ein Experiment, das es so noch nicht gab: Eine Live-Show, die in erster Linie auf die Kraft besonders bewegender Bilder setzt. Das wird bei einem Besuch der Vorbereitungen deutlich. Hinter einem vorderen Studio-Set, in dem Johannes B. Kerner mit Gästen spricht, befindet sich die Brutstation in der der erwartete Nachwuchs von elf Tierarten in entsprechenden Schlupfbrütern, Terrarien, Aquarien bzw. Gehegen von Wissenschaftlern, Tierärzten und Züchtern beobachtet wird.

Man könnte die Show auch "Das große Warten" nennen, denn die Hoffnung liegt natürlich darin, live in der Sendung dabei zu sein, wenn neues Leben beginnt. Doch die Produzenten der Show, Arne Merten und Alessandro Nasini sowie Executive Producerin Dietlinde Stroh, sind sich bewusst, dass sie sich nach der Natur richten - und nicht umgekehrt. Schlüpft neues Leben vor der Live-Show, so wird dies für die Sendung aufbereitet. Dazu kommen Filme, die prominente Gäste bei Besuchen von Tierschutzprojekten begleitet haben.

Die Bildsprache und eine zurückhaltende Erzählweise in den Einspielern machen deutlich, dass mit Wellenreiter.TV bei diesem Projekt eine Firma am Werk ist, die nicht aus der Unterhaltung sondern Dokumentation und Reportage kommt. Noch dazu öffentlich-rechtlich geprägt. Bei der Beobachtung der unbeholfenen Fortbewegung junger, gerade geborener Schildkröten kann man nicht anders als es unglaublich putzig finden. Nach der katastrophalen Nachrichtenwoche, die hinter uns liegt, ist das Balsam für die Seele.

Gleichzeitig schafft "Das große Schlüpfen", so viel lässt sich aus den Vorbereitungen schon sagen, eine viel aufschlussreichere Beschäftigung mit der Tierwelt als es mancher Quizshow zu dem Thema gelingt. Es liegt an der ungewöhnlichen Kombination von Dokumentation und Show, mit der das ZDF und Wellenreiter.TV eine britische TV-Idee weiterentwickelt haben. In Thematik und Aufbereitung reden wir hier von Familienunterhaltung mit Anspruch. Und das live. Es gibt also gute Gründe einzuschalten und sei es nur der Reiz einer Live-Show, deren Ausgang sich nicht vorhersagen lässt. Ach wie wunderbar ist Live-Fernsehen!

Wer also sonst stets Neues und Ungewöhnliches verlangt, sollte "Das große Schlüpfen" nicht verurteilen bevor es gelaufen ist. Nur so besteht die Chance darauf, dass wir häufiger so kuriose Ideen erleben werden. Es wäre wünschenswert.

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