Blaumacher © ZDF/Daniela Incoronato
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen ZDFneo-Serie

"Blaumacher": Bis dass der Tod uns verbindet

 

Midlife-Crisis trifft Coming-of-Age: In seiner neuen Dramaserie "Blaumacher" verbindet ZDFneo auf gelungene Weise die Lebensgeschichten zweier Menschen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten. Der Schlüssel liegt im schwarzen Humor.

von Alexander Krei
07.06.2017 - 00:31 Uhr

"Mein Leben ist so flach – ich kann meinen eigenen Grabstein sehen", sagt Frank. Im Hintergrund läuft "I'm Feeling good". Nein, wirklich gut fühlt sich Frank derzeit nicht, immerhin hat er gerade versucht, sich im Keller das Leben zu nehmen. Doch anstelle von Blut ist der Boden überströmt von roter Erdbeer-Rhabarber-Marmelade. Ein süßer Tod, könnte man meinen, doch Frank - Mitte 40, verheiratet, Vater zweier Kinder – hat danebengeschossen. Kein Loch im Kopf, dafür eine klaffende Lücke in der Decke.

Und plötzlich steht auch noch die Tochter seiner Nachbarn vor der Tür, die, wie sich wenig später herausstellt, auch gerade von Selbstmordgedanken geplagt wird. "Doppel-Selbstmord. Was meinst du, wie viele Hits wir damit gehabt hätten?", fragt sie Frank, als sie ihm den fertigen Strick zeigt. "Kannst du das bitte abbauen?", fragt er. Doch die 21-jährige Sascha denkt gar nicht daran. "Was meinst du, wie lange ich alleine für den Knoten gebraucht habe?"

So geht es also zu in der neuen Dramaserie "Blaumacher" – der zweiten, die ZDFneo in Auftrag gegeben hat. Mit viel schwarzem Humor kommt die Produktion von Dreamtool Entertainment ganz anders daher als das düstere "Tempel", das bei den Zuschauern des kleinen, aber immer erfolgreicher werdenden Senders vor einem halben Jahr nicht so recht ankommen wollte. Auch "Blaumacher" dürfte es dem Publikum nicht gerade leicht machen, schließlich wird hier in sechs Mal 30 Minuten kein Mörder gesucht.

Vielmehr handelt es sich bei "Blaumacher" um die Lebensgeschichte zweier Menschen, die auf den ersten Blick nicht sonderlich viele Gemeinsamkeiten haben. Auf der einen Seite der Mittvierziger, auf der anderen Seite eine halb so alte junge Frau. Doch sie eint die Unzufriedenheit. Frank wird in der Firma nicht vermisst, obwohl er vier Stunden zu spät zu einem wichtigen Termin kommt, seine Frau hat eine Affäre und seine Kinder sind "wohlstandsverwahrlost", wie er sagt. Dass er seit einer Woche nicht mehr zur Arbeit geht, bekommt seine eigene Familie gar nicht mit. Da schwingt immer wieder auch ein Stück weit Gesellschaftskritik mit.

Blaumacher
© ZDF/Volker Roloff

Und dann ist da eben Sascha, die ihre ganz eigenen Sorgen und Nöte hat – wunderbar verkörpert von Laura Berlin, die jüngst auch in der funk-Serie "Alles Liebe, Annette" zu sehen war. Ohnehin besticht das Ensemble von "Blaumacher" durch gute Leistungen: Marc Ben Puch – seit vielen Jahren Serien-erfahren – glänzt in der Rolle des Mannes in der Midlife-Crises. Daneben spielt Lisa Martinek sehr glaubhaft seine Ehefrau, die hinter Franks besonderer Beziehung zu Sascha schnell eine Affäre vermutet und daraufhin versucht, seine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen.

Kinoautor Bernd Lange hat mit seinen Kollegen im Writers' Room eine ungewöhnliche Geschichte geschrieben, die den Zuschauern an vielen Stellen Raum zur Interpretation gibt und es trotz des dunklen Grund-Themas schafft, das Publikum durch teils absurde Szenen zum Lachen zu bringen. Die Regisseure Pia Strietmann und Maurice Hübner ("Familie Braun") haben diesen Faden aufgegriffen und ein stimmiges Gesamtbild geschaffen, das noch dazu mit passender Musik und guten Einfällen ebenso modern wie kreativ daherkommt.

So zeichnet sich gleich in den ersten Minuten das Tapetenmuster auf Franks Körper ab, weil er sich an die Wand gedrückt fühlt – ein hervorragender Kniff. Und er wird gewiss nicht der einzige bleiben.

ZDFneo zeigt "Blaumacher" mittwochs um 21:45 Uhr.

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