Bares für Rares © ZDF
DWDL.de-Kritik zur Primetime-Premiere

"Bares für Rares": Das ZDF muss aufpassen

 

Am Donnerstagabend feierte das Kultformat vom Nachmittag seine große Primetime-Premiere: Herausgekommen ist eine sehr warmherzige Show. Hätten Warner Bros. und das ZDF bloß den Stärken des Formats vertraut und auf Spielereien und Promis verzichtet.

von Thomas Lückerath
16.06.2017 - 01:01 Uhr

Vor weniger als vier Jahren ging „Bares für Rares“ im ZDF on air und hat sich im Nachmittagsprogramm längst Kultstatus samt treuer Fangemeinde erarbeitet. Dabei hat das von Warner Bros. produzierte Format mit Horst Lichter das Trödel TV nicht einmal erfunden. Schon seit mehr als 30 Jahren gibt es zum Beispiel „Kunst und Krempel“ im Bayerischen Rundfunk und auch der neuere Boom des Genres geht eher auf das Konto des „Trödeltrupp“ (Good Times für RTL II).

Doch mit einem eigenen Dreh und einem Gastgeber, der abseits der Küche hier seine wahre Bestimmung gefunden hat, ist hier ein längst nicht mehr belächelter Volltreffer gelungen. Als Nachmittagssendung - einem von der Branche über Jahre erfolgreich entwertetem Genre - schaffte „Bares für Rares“ in diesem Jahr beinahe Undenkbares und erhielt eine Nominierung sowohl für den Deutschen Fernsehpreis als auch den Grimme Preis.



Am Donnerstagabend schickte das ZDF „Bares für Rares“ nun erstmals in die Primetime und wie zu erwarten war, fiel alles etwas größer aus. Die Kulisse von Schloss Ehreshoven bot einen beeindruckenden Rahmen für eine starke Sendung, die ebenso schönes Fernsehen fürs Gemüt war wie die Originalfassung am Nachmittag. Und doch wäre noch mehr drin gewesen, hätten Warner Bros. und das ZDF nur ihrem eigenen Erfolg mehr Vertrauen geschenkt.

Dass die Location größer, die Inszenierung opulenter sein würde, war zu erwarten. Die Jahrmarktsstimmung auf dem Schlosshof, bei der dann auch Zuschauer bei der Schätzung neugierig über die Schulter gucken, war sommerlich schön. Dass das dann etwas showiger und vielleicht ein Stück weit weniger charmant wirkt - geschenkt. Format-Fundamentalisten stoßen hier vielleicht schon an ihre Verständnisgrenzen, aber zu bedenken ist: Mit diesem Primetime-Ausflug muss „Bares für Rares“ neue und mehr Zuschauergruppen ansprechen.

Etwas störender sind zwei andere Aspekte. So haben sich weder das ZDF noch Steven Gätjen einen Gefallen getan, hier gemeinsame Sache zu machen. Nicht das Gätjen seinen Job als Co-Moderator von Lichter hier schlecht gemacht hätte. Im Gegenteil - er wirkt einmal mehr sympathisch. Nur leider ist die ihm zugedachte Rolle quasi ein Bewerbungsvideo für die Position des Backstagereporter bei Castingshows.

Bei der gefühligen „Wie fühlen Sie sich jetzt“-Dramaturgie fragt man sich, warum hier der Mut fehlte, auf so eine 0815-Dramaturgie zu verzichten. Gätjens Omnipräsenz in der ZDF-Unterhaltung hilft übrigens auch nicht gerade dabei, ein Profil zu schärfen - egal ob man sich um ihn oder die ZDF-Unterhaltung sorgt. Während Gätjen letztlich aber aber etwas beizutragen hatte zur Sendung, haben zwei Promi-Besuche das Gegenteil riskiert.

Bei der Primetime-Fassung von „Bares für Rares“ tut sich das deutsche Fernsehen einmal mehr keinen Gefallen mit der ganz und gar furchtbaren Unsitte, jede Formatidee durch eine Promi-Version ihrer Ernsthaftigkeit zu berauben. Und hier spielen das ZDF und Warner Bros. mit dem Feuer: Boris Becker und ein alter Tennisschläger sowie Bernhard Hoecker mit einem wertlosen Fischteller sollten in der Theorie wohl Einschaltimpulse geben.

Bares für Rares
© ZDF


Aber ihre Auftritte schaden der Glaubwürdigkeit des Formats. Die Konfrontation mit den Händlern wird zur Farce, wenn der Wert der eigentlichen Gegenstände durch persönliche Signaturen der Promis um ein vielfaches gesteigert wird. Dabei geht die Nachvollziehbarkeit für das Publikum an den Bildschirmen verloren. Und „Bares für Rares“ sollte sich eigentlich glücklich schätzen, ernst genommen zu werden.

Wenn aber nun vor Augen geführt wird, wie egal ein Sammlerstück sein kann und wie viel wertvoller eine Promi-Signatur, dann fehlt nicht nur das Mitfiebern beim Handeln. Es schädigt eben auch die Beziehung der Fangemeinde der nichtprominenten Zuschauer zur Sendung. Dass das erzielte Geld für einen guten Zweck verwendet werden soll, rettet da nichts.

Ganz im Gegenteil. Kurzer Exkurs: Wer einmal länger drüber nachdenkt, muss jegliche Shows mit Promi-Beteiligung, in denen für den guten Zweck gespielt wird, eigentlich perfide finden. Da wirken Menschen mit, die selbst aus freien Stücken meist mehr spenden könnten, und machen sich und dem Publikum dann zu Unterhaltungszwecken einen Heidenspaß daraus, Spendengelder auszuspielen. Wem wird geholfen? Wem nicht? Bleiben Sie dran!

Doch das trifft eher auf so manche Promi-Gameshows zu als auf „Bares für Rares“. Hier schädigt der Promi-Faktor mehr der Glaubwürdigkeit eines schönen Formats. Dass Becker und Hoecker unterhaltsam waren, ist unbestritten. Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Trotzdem: Die Primetime-Premiere von „Bares für Rares“ war süffig und gutes Fernsehen fürs Gemüt. Eine weitere Folge liegt schon fertig vor. Sollte man die Primetime-Ausflüge darüber hinaus fortsetzen, bleibt nur zu hoffen, dass ZDF und Warner Bros. etwas mehr Vertrauen in ihr tolles Format haben - und auf manche Spielerei verzichten.

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