Wollen wir wetten?! Bülent gegen Chris © RTL
TV-Kritik zu "Wollen wir wetten?!"

Willkommen beim Best of Fernseh-Unterhaltung

 

Erstmals lud RTL am Samstagabend zu "Wollen wir wetten?! Bülent gegen Chris". Der Show-Neustart entpuppte sich als Best of bekannter Shows: Duellcharakter wie einst bei Raab, Reisen wie bei Joko & Klaas – und bei den Wetten durfte auch der Bagger nicht fehlen. Die TV-Kritik ...

von Marcel Pohlig
18.06.2017 - 00:49 Uhr

Mit den Worten "Es gibt doch wirklich im deutschen Fernsehen zwei Sendungen, die Sie schmerzlich vermissen", eröffnet Moderatorin Sonja Zietlow den Show-Neustart Wollen wir wetten?! Bülent gegen Chris" bei RTL und verweist auf "den mit den Haaren und den mit den Zähnen: Gottschalk und Raab". Es ist ein kluger und ein aus Köln auch ungewohnter Zug, so offensiv mit den nicht zuletzt in den sozialen Netzwerken getätigten Vergleichen umzugehen. Und so dauerte es auch lediglich zwanzig Minuten, bis der erste Bagger vor die Kamera fuhr und mit der Schaufel einen Hot Dog zusammenbaute.

Ja, RTL und die Produzenten von Constantin Entertainment haben ganz genau studiert, was dem Publikum in den vergangenen Jahren auf anderen Sendern gefallen hat. Wetten sind den Zuschauern noch vom ZDF geläufig und der Duell-Modus überzeugt seit Jahren bei "Schlag den Raab/Star", bei Joko und Klaas und auch bei "Grill den Henssler" auf Vox, woher auch die letztlich doch simplen Studio-Duelle zwischen Bülent Ceylan und Chris Tall stammen könnten. Die spektakuläreren Aufgaben, die Wetten aus dem Titel, überlassen sie lieber verschiedenen Personen aus ihren Teams. Dafür reisen beide Komiker auch mal an andere Orte auf der Welt, womit wir bei Elementen aus dem "Duell um die Welt" der Dauer-Duellanten Joko und Klaas, ein wenig aber auch beim gar nicht mal so schlechten, aber leider nicht fortgesetzten "Unschlagbar" von RTL wären. Studioduelle zwischen Bülent Ceylan und Chris Tall sowie Wetten wechseln sich dabei immer wieder ab.

Merkwürdig wird es, wenn das Gelingen oder Scheitern einer Wette letztlich gar keinen Einfluss auf den Verlauf der weiteren Show oder einen Rundensieg hat. RTL lässt stattdessen lieber die Zuschauer entscheiden und eröffnet mit einem kostenpflichtigen Voting nach jedem Wett-Duell gleich eine neue Einnahmequelle. Das sorgt am Ende der ersten Runde dann dafür, dass Ceylans erster Wett-Kandidat, dem es nicht gelang, mit seinem Fahrrad über eine Rampe durch einen immer engeren Schlitz zu springen, gegen besagten Baggerfahrer gewinnt und Ceylan sich einen Punkt für das Finale ergattert. Das führt den Wert der Wetten ein wenig ad absurdum und ist das einfachste wie langweiligste Mittel, um Interaktion vorzutäuschen. Spannender ist da schon die Idee, Zuschauer eigene Duelle vorschlagen zu lassen. Ob das wirklich vielversprechend ist, wird sich aber wohl erst nach einigen Ausgaben zeigen.

Wie ernst es RTL mit "Wollen wir wetten" ist, zeigt vielleicht schon der Umstand, dass es in der ersten Stunde nicht eine Unterbrechung gab. Ganz im Gegenteil, es wurde ein gehöriges Tempo an den Tag gelegt. Da war es eine willkommende Entschleunigung, als beim zweiten Wett-Duell "Riskante Manöver" auf voraufgezeichnete MAZen umgestellt wurde, welche Chris Tall unter anderem in einen Heißluftballon führte. Von diesem lief ein Slackliner in luftiger Höhe in einen anderen Heißluftballon, um dort zwei Bierflaschen zu holen und umzukehren. Das sorgte plötzlich für ungeheuere Spannung – und erfreulicherweise beherrschte Chris Tall in diesem Moment auch eine gewisse Ehrfurcht. Sorgte er über die Show hinweg mit vielen Wortwitzen für Kurzweiligkeit und Lacher, hielt er sich im Heißluftballon passend zum Geschehen angenehm zurück.

Überhaupt muss man RTL zur Auswahl der Kontrahenten beglückwunschen. Ja, man muss Bülent Ceylan oder Chris Tall nicht mögen und spätestens bei einer potentiellen dritten Show sind Türkenwitze (Bülent Ceylan) oder Referenzen zum eigenen Körpergewicht (Chris Tall) nicht mehr lustig. Dass beide durchgehend und oft spontan reagieren können und es zu Frotzeleien kommt, tut der Show allerdings gut und hilft auch der manchmal zur Dompteurin geratenen Sonja Zietlow, die in diesen Fällen auf der gleichen Humorwelle schwimmt und beweisen kann, dass es fernab des Dschungels bei Live-Shows nicht immer Barbara Schöneberger sein muss, wenn eine Frau moderieren soll.

Gegen Ende der dreieinhalbstündigen Show offenbarten sich dann aber immer mehr auch die Schwächen der Show. Während es bei den offensichtlichen Vorbildern auf ProSieben, sei es nun "Schlag den Raab/Star" oder auch die Duelle von Joko und Klaas, auf absoluten Ehrgeiz ankommt und die Duelle im Zweifel auch extrem in die Länge gezogen werden, bis ein Gewinner feststeht, gaben beide beim "Duschduell", bei dem sie auf einem Luftkissen balancierend einen Ball auf einem Brett halten mussten, während Zietlow immer wieder eine eiskalte Dusche aufdrehte, nach nur wenigen Minuten auf. Beide verabredeten sich, sodass es keinen Sieger gab, und konnten sich so als faire Sportsmänner vermarkten – doch etwas mehr Ehrgeiz darf in einer Live-Show, die von Duellen lebt, durchaus sein.

Worauf sich die beiden Comedians eingelassen haben, wurde ihnen offensichtlich erst im Finale wirklich bewusst. Das Spiel lieh sich RTL dabei dann von "Global Gladiators" aus: Bülent Ceylan und Chris Tall mussten sich in einer Art überdimensionalem Dart-Spiel vom Produktionsgebäude fallen lassen und die zuvor pro Runde erspielten Kugeln aus der Luft auf eine Zielscheibe werfen. Damit führte die Redaktion die beiden Comedians, insbesondere aber Bülent Ceylan an ihre Grenzen und darüber hinaus. Zum Lachen war da erstmal niemandem mehr zumute. "Nein, Alter, das könnt ihr nicht bringen!" entfuhr es Chris Tall während des Sprungs seines Kollegen einmal protestierend, als sein Mikro noch geöffnet war. Auch dies sind diese Live-Momente, die eine Show besonders machen – nur diesmal wohl nicht ganz im Sinne der Verantwortlichen. Es war ein harter Bruch mit den sonst viel zu banalen Spielchen, denen sich Bülent Ceylan und Chris Tall in den Duellen zuvor stellen mussten. Hier muss es in beide Richtungen noch Feinjustierungen geben.

Mit "Wollen wir wetten?!" hat RTL das Rad der großen Abendshow ganz sicher nicht neu erfunden. Das ist aber auch gar nicht immer nötig, schließlich greifen auch erfolgreiche Formate nur allzu oft auf bekannte Elemente zurück und kombinieren sie zu einem sehenswerten Format. Es ist schön, dass man sich in Köln auch abseits der Castingshows und dem Dschungelcamp mal wieder an eine Live-Show gewagt hat. Als Zuschauer sollte man da auch einmal verzeihen, dass es an manchen Stellen vielleicht noch nicht ganz so rund lief und sich die Abläufe erst einstellen müssen. Diese Chance hat "Wollen wir wetten" definitiv verdient. Besser als "Alle auf den Kleinen", RTLs letzter Versuch auf den Zug der Duell-Shows aufzuspringen, war die erste Ausgabe von "Wollen wir wetten" allemal.

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