Das Institut - Oase des Scheiterns © BR/NDR/Novafilm GmbH/Alva Nowak
DWDL.de-TV-Kritik

"Das Institut": Dieser deutsche Kulturexport ist ein Witz

 

Grenzwertig und selten politisch korrekt: „Das Institut - Oase des Scheiterns“ ist bitterböse Workplace-Comedy über ein deutsches Kulturinstitut in der fiktiven Volksrepublik Kisbekistan - und ideales Bingewatching-Material für die Feiertage. Die Entstehung der Serie ist so speziell wie ihr Humor.

von Thomas Lückerath
25.12.2017 - 09:00 Uhr

Das Dilemma der Außenpolitik in einer 25-minütigen Folge zum bitterbösen Sitcom-Stoff über Wahlfälschung verwandeln oder einen bewaffneten Überfall des deutschen Kultur-Instituts durch radikale Islamisten in ein Gag-Feuerwerk verwandeln - Slapstick inklusive. Herzlich willkommen bei „Das Institut - Oase des Scheiterns“, der ungewöhnlichsten deutschen Comedyserie seit langer Zeit und bestem deutschen Bingewatching-Stoff für die berühmten Tage zwischen den Jahren.



Frei, sehr frei, nach dem Modell des realen Goethe-Instituts, erzählt die Serie vom weitgehend sinnfreien und erfolglosen Versuch eines deutschen Kulturinstituts im fiktiven Kisbekistan, die deutsche Kultur irgendwo kurz vor oder hinter dem Hindukusch zu verteidigen. Christina Große spielt Institutsleiterin Dr. Anneliese Eckart. Sie ist in ihrem chaotischen Institut in einem instabilen Land mit wenig zufrieden, mit sich selbst allerdings sehr.

In den weiteren Hauptrollen spielen Rainer Reiners, Swetlana Schönfeld, Robert Stadlober, Omar El-Saeidi und Nadja Bobyleva die Mitarbeiter des Instituts. Eine herrliche Besetzung für eine Workplace-Comedy, die aber durch das Aufeinanderprallen von Kulturen weitaus mehr ist und weitere Ebenen bekommt. Entscheidend ist dabei, dass die Balance stimmt: Zwar ziehen die Figuren oft derbe her über die vermeintlich dummen Kisbeken, doch zum Gag wird es durch die deutsche Überheblichkeit.

Mal ist es Situationskomik z.b. im albernen Adler-Kostüm, mal gibt es geschliffene Pointen zum deutschen Kulturexport. „Das Institut“ ist herrlich unberechenbar. Das ist ein großer Verdienst des Schriftstellers und Theaterautors Robert Löhr, der die Serie geschrieben hat. Vom begrenzten Budget merkt man erstaunlich wenig. Dass sich die Handlung weitgehend auf das Institut beschränkt, ist schließlich auch dem Genre der Workplace-Comedy geschuldet. An anderer Stelle, etwa am extra für die Serie geschriebenen Titelsong, merkt man dafür die Liebe zum Detail.

Es ist ein Weihnachtswunder für sich, dass „Das Institut - Oase des Scheiterns“ vor wenigen Tagen tatsächlich online gegangen ist. Die ungewöhnlichste deutsche Comedyserie hat eine ebenso eigenwillige Entstehungsgeschichte. Gedreht wurden die ersten Folgen schon vor mehr als zwei Jahren. Verantwortlich ist die Odeon-Tochter Novafilm Fernsehproduktion, verantwortliche Produzentin Geraldine Voss. Beim Münchener Seriencamp im Oktober 2016 gab es dann erstmals bewegte Bilder der Comedy zu sehen, doch eine Ausstrahlung der Serie stand noch in den Sternen.

Segen und Fluch zu gleich war die Begeisterung des Bayerischen Rundfunk für die Idee der Serie. Dort hatte der verantwortliche Redakteur Cornelius Conrad 2015 - ohne einen Sendeplatz im Sinn zu haben - aus Begeisterung für das Projekt grünes Licht gegeben für die Produktion von zunächst einmal vier Folgen. Aus dem zuvor theoretischen wurde nun, da die unter Regie von Lutz Heineking entstandenen Folgen vorlagen, ein praktisches Problem: Wie bzw. wo programmiert man vier halbstündige Episoden einer Comedyserie, die für die Kernzielgruppe des BR vermutlich so irritierend wäre wie deutsche Kultur für die Kisbeken?



Dieses Problem war - frei nach FDP-Chef Christian Lindner - allerdings nur eine dornige Chance, denn das ungewöhnliche Projekt hatte längst neue Fans gewonnen. „Das Institut - Oase des Scheiterns“ war inzwischen eine Produktion im Auftrag von BR, NDR, WDR, Puls und ARD-alpha - und hatte zwar noch keinen Sendeplatz, aber Rückdeckung für den Dreh von vier weiteren Folgen, bei denen jetzt Markus Sehr Regie führte. Dilemma vertagt. Mit acht Folgen wurde aus dem Projekt endlich so etwas wie eine Staffel, die im Oktober beim Seriencamp 2017 ihre Weltpremiere feierte, jetzt in Gänze online steht und ab Anfang Januar auch im Bayerischen Fernsehen sowie im NDR gezeigt wird.

Bleibt zu hoffen, dass die Serie im Netz oder Fernsehen eine Fangemeinde findet, denn an Ideen für weitere Staffeln, auch an anderen Standorten des Instituts, mangelt es bei Autor Robert Löhr nicht. Wenn dann auch noch weniger als zwei Jahre zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung liegen würden, käme mancher Gag aktueller rüber (Steinmeier lässt grüßen).

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