Die Götz Alsmann Show © WDR/Ben Knabe
DWDL.de-TV-Kritik

Alsmann im WDR: Im Penthouse ist noch ein Zimmer frei

 

Über ein Jahr nach dem Ende von "Zimmer frei!" ist Götz Alsmann wieder zurück in seiner früheren Garderobe. Und auch wenn seine neue WDR-Show nun seinen Namen trägt, so erinnert doch einiges an den Kindergeburtstag von einst.

von Alexander Krei
30.12.2017 - 02:14 Uhr

Wenn Schauspieler über viele Jahre hinweg ein und dieselbe Rolle verkörpern oder Moderatoren über einen langen Zeitraum hinweg das Gesicht einer Fernsehshow sind, dann fällt es dem Publikum erfahrungsgemäß oft schwer, das Bisherige auszublenden, wenn ihre Lieblinge plötzlich in einer neuen Umgebung zu sehen sind. Man kennt das von Thomas Gottschalk, dessen Name auf ewig mit "Wetten, dass..?" verbunden sein wird, oder von Ulrike Folkerts, der ewigen "Tatort"-Ermittlerin aus Ludwigshafen. Ein ähnliches Fernsehschicksal könnte nun auch Götz Alsmann erleiden, dem der WDR ein Jahr nach dem Ende von "Zimmer frei!" eine neue Show anvertraut hat, die seinen Namen trägt.

"Fernsehen für Erwachsene" soll der Allrounder jetzt machen, und damit nichts schiefgeht, hat der Sender auch hinter den Kulissen die Besten der Besten zusammengetrommelt. Aus diesem Grund manchen nun also Prime Productions, die Produzenten der erfolgreichen "heute-show", gemeinsame Sache mit der Mannschaft der bildundtonfabrik, die sonst vor allem Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" auf die Beine stellt. Das klingt nach einer perfekten Mischung; ein Garant für eine stimmige Show ist das dennoch nicht – was allerdings weniger an den Machern liegt als viel mehr an der Vergangenheit des Moderators.

20 Jahre lang war es Götz Alsmann gewohnt, die Stimmungskanone zu geben und den Tiefgang Christine Westermann zu überlassen. In der "Götz Alsmann Show" ist das nun anders. Hier muss er plötzlich alleine den Spagat bewältigen und das fällt ihm zumindest bei der Premiere nicht immer leicht. Dass er sich im Gespräch mit dem Musiker Max Mutzke ausgerechnet auf dessen Talk mit Westermann bei "Zimmer frei!" berufen muss, zeigt, welche Herausforderung es für ihn werden wird, sich freizuschwimmen. Dass Alsmanns neue WDR-Sendung stellenweise daherkommt wie eine gesetzte Version seiner früheren Kultshow, dürfte das Unterfangen zusätzlich erschweren.

Sicher, anstelle einer bunten WG gleicht die Kulisse jetzt einem schicken Penthouse, die schrille Titelmusik wich einem gediegenen Jazz-Intro, das von Alsmanns Band eingespielt wird, und die Zahl der Gäste wurde auf zwei verdoppelt. Doch wenn sich Alsmann gemeinsam mit Mutzke und dem "Bergdoktor"-Star Hans Sigl durch eine Ladung Konfetti auf dem Boden wälzt, dann stellt sich die "Zimmer frei!"-Parallele ganz unweigerlich ein. Das alles mag für sich genommen einen gewissen Unterhaltungswert besitzen, kommt bislang allerdings noch nicht vollends stimmig daher, da der Moderator innerhalb einer Dreiviertelstunde von einem zum nächsten Programmpunkt hetzen muss.

Die Götz Alsmann Show
© WDR/Ben Knabe

Als Gerüst dienen der Show vermeintliche Jahrestage wie die Erfindung des Konfettis oder die Kino-Premiere von "Star Wars". Passend dazu gibt’s kurze Einspieler, in denen eine Dame in der Aufmachung vergangener Jahrzehnte ein paar Fakten zum jeweiligen Thema mehr oder weniger lustig erzählt, ehe im Studio der Kindergeburtstag für Erwachsene seine Fortsetzung findet. Das alles wirkt stellenweise ein Stück zu sehr gewollt – erst recht, weil die angerissenen Themen in all ihrer Beliebigkeit sehr schnell wieder in den Hintergrund rücken und dadurch nie so recht klar wird, wohin die Sendung eigentlich steuert.

Dennoch besitzt die "Götz Alsmann Show" reichlich Potenzial, schließlich stellt Alsmann schon ganz generell eine Bereicherung für das Fernsehen dar. Eine zweite Ausgabe soll im März ausgestrahlt werden und wenn die Verantwortlichen beim WDR nicht vollends von Sinnen sind, dann täten sie gut daran, die Sendung anschließend in einer etwas höheren Frequenz ins Programm zu nehmen, um Alsmann die Chance zu geben, das Penthouse zu seinem neuen Wohnzimmer zu machen. Seine Garderobe hat er ohnehin behalten. Außerdem wäre es doch wirklich schade, wäre für einen wie Alsmann im Fernsehen kein Zimmer frei.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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