Danke Deutschland! © ZDF/Richard Hübner
DWDL.de-TV-Kritik

"Danke Deutschland": Wie lustig ist der "heute-show"-Ersatz?

 

Ob Flughafenbau, Donald Trump oder #MeToo-Debatte: Die neue Sketch-Comedy "Danke Deutschland!" arbeitet sich auf dem Sendeplatz der "heute-show" an politischen und gesellschaftlichen Themen ab. Das ist innovativ, aber nicht immer lustig.

von Alexander Krei
06.07.2018 - 08:33 Uhr

"Danke Deutschland!" kommt zur denkbar ungünstigsten Zeit. Im Schatten des absurden Asyl-Streits zwischen CDU und CSU, der in den vergangenen Tagen als waschechte Realsatire daherkam, wirken die Gags, die das ZDF seinen Zuschauern von diesem Freitag an in seiner neuen Sketch-Comedy serviert, geradezu harmlos. Das Polit-Harakiri von Innenminister Horst Seehofer würde vermutlich nicht einmal den besten Drehbuchautoren des Landes einfallen.

Umso ärgerlicher, dass sich die "heute-show" in politisch aufregenden Zeiten wie diesen in der Sommerpause befindet und Oliver Welke vorübergehend das Studio der Nachrichten-Satire gegen den Platz an der Seite von Oliver Kahn eubgetauscht hat. Für diesen Umstand kann "Danke Deutschland!" freilich nichts, und so sollte man die Sendung unabhängig bewerten von Welkes wöchentlicher Abrechnung mit den Mächtigen dieser Welt.

Beide Sendungen eint jedoch der Anspruch, sich aktuellen, politischen und gesellschaftlichen Themen zu widmen - das wiederum ist für eine Sketch-Comedy ziemlich innovativ, beschränkten sich die meisten Formate dieses Genres in der Vergangenheit doch auf das Alltagsgeschehen. Und so witzeln sich die Macher von "Danke Deutschland!" in etwas mehr als 20 Minuten durch die lahmende Digitalisierung, den Streit um Stuttgart 21 und die Korruptionsskandale bei der FIFA.

Selbst die #MeToo-Debatte findet in der ersten Folge ihren Platz. Im wohl gelungensten Sketch der Premiere sieht man ein Pärchen, das sich vor dem Sex zunächst von einem Notar die nötige "Paarungsvereinbarung" absegnen lässt. "Bitte halten Sie sich an den Text", mahnt der Jurist, der sich ebenso wie ein anwesender Paartherapeut und mehrere Mitglieder einer Männerselbsthilfegruppe vom ordnungsgemäßen Zustand der zweisamen Aktivitäten überzeugt.

Danke Deutschland!
© ZDF/Richard Hübner

Ein anderer Sketch führt die europäischen Separatismus-Bewegungen ins Absurde, indem sich kurzerhand der Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg für unabhängig erklärt. Die Bezirke Spandau und Wilmersdorf ziehen natürlich umgehend nach und vollziehen den "Spaxit" und den "Wixit". Zu gelungenen Szenen wie diesen gesellen sich aber auch einige Rohrkrepierer. Jener über eine missglückte Pressekonferenz über den missglückten Berliner Flughafenbau, auf der der Architekt eingestehen muss, dass sein Sohn eine Ritterburg auf den Bauplan kritzelte, gehört ganz sicher dazu.

Ähnlich vorhersehbar kommt auch ein nicht enden wollender Dialog über die Sonntagsfrage daher, der damit endet, dass der Befragte vorgibt, am nächsten Sonntag Mettwürstchen wählen zu wollen. Sketche wie diese zeigen ganz gut, dass "Danke Deutschland!" sein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft hat. Das Ensemble, das unter der Regie von Holger Schmidt wahlweise Politiker, Wirtschaftsbosse oder "einfache" Bürger mimt, machte seine Sache aber durchweg gut.

Allen voran Ralf Kabelka, der als Moderator mit spitzen Anmerkungen den Rahmen bildet, und nicht an bissigen Kommentaren spart. "Wenn Sie nicht wissen, was OECD bedeutet, dann kommen Sie wahrscheinlich aus einer armen Hartz-IV-Familie", tönt er. "Ein kleiner Scherz für die Gebildeten, also die Reichen im Lande."

"Danke Deutschland!" läuft freitags um 22:30 Uhr im ZDF.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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