Endlich Feierabend! © Sat.1/Andre Kowalski
DWDL.de-TV-Kritik

"Endlich Feierabend": Sat.1 geht auf Nummer sicher

 

Mit "Endlich Feierabend" will Sat.1 ab sofort das "Frühstücksfernsehen"-Feeling in den Vorabend bringen. Das gelingt zum Start auch schon recht gut, noch fehlt dem Format dadurch aber die eigene Handschrift. Das Moderatoren-Duo ist derweil schon gut eingespielt.

von Timo Niemeier
30.07.2018 - 20:10 Uhr

Sat.1 hat am Montag die zweite Stufe seines Vorabend-Umbaus gestartet. Nach "Genial Daneben - Das Quiz" zeigt man mit "Endlich Feierabend" nun auch wieder nach langer Zeit ein Magazin, das sich zwischen 18 und 19 Uhr erstreckt. Das erklärte Ziel ist, den Erfolg des "Frühstücksfernsehen" in den Vorabend zu bringen. Dafür hat man mit Daniel Boschmann extra ein Gesicht des erfolgreichen Früh-Formats geholt und mit Annett Möller sogar ein RTL-Gesicht abgeworben. Und tatsächlich versprüht "Endlich Feierabend" mit einem Mix aus Beiträgen, Internet-Videos und Studio-Talk ein gewisses "Frühstücksfernsehen"-Flair.

Boschmann und Möller sind dabei schon erstaunlich gut eingespielt und spielen sich die Bälle locker zu. Ob der bunte Themenmix am hart umkämpften Vorabend aber dauerhaft reicht, um sich zu etablieren, muss sich erst noch zeigen. Zur Premiere gab es jedenfalls einen wilden Ritt durch diverse Themen, zeitweise schon zu hektisch. So testete man zunächst in einem Beitrag, wie schnell sich Wiesen bei der aktuellen Hitze entzünden. Einen sehr ähnlich gelagerten Beitrag zeigte man heute auch im "Frühstücksfernsehen". Aktuell war man wenig später, als man Discounter-Schnäppchen testete. Sehr tiefschürfend waren die Erkenntnisse dabei freilich nicht: Ein Mini-Grill für 20 Euro ist klein und mühsam zu reinigen und auf eine Discounter-Matratze liegt man nicht optimal.

Premierengast war Boris Becker - da ist den Machern von Maz & More zumindest auf dem Blatt ein echter Coup gelungen. Nach den Schlagzeilen um seine Insolvenz und den Diplomatenpass sorgte der ehemalige Tennis-Star in den vergangenen Tagen durch seine Trennung von Frau Lilly für Schlagzeilen. Der Auftritt war dann erwartbar skurril. Becker behauptete felsenfest, er habe in den vergangenen Jahren immer versucht, sein Privatleben aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Nun sitzt er also auf dem "Endlich Feierabend"-Sofa neben Annett Möller, um über seine Trennung zu sprechen. Viel war ihm aber nicht zu entlocken, über seine Insolvenz wollte er gar nichts sagen und auch auf die restlichen Fragen zur Trennung bekommt Möller meist nur halbgare Antworten ohne viel Informationsgehalt. 

Nach wenigen Minuten war der erste Teil des Gesprächs dann auch schon wieder vorbei, denn wichtiger als Boris Becker war ein Beitrag über zwei "Plötzlich arm, plötzlich reich"-Familien. Hier ging Sat.1 auf Nummer sicher: Die Sendung erzielte zuletzt beim Sender in der Primetime gute Quoten und wurde zum Start von "Endlich Feierabend" nun zu einer Wochenreihe der Sendung umfunktioniert. Da das Konzept bekannt ist, halten sich Überraschung und Information auf einem überschaubaren Niveau. Hier hätte es gut getan, dem Talk mit Becker ein wenig mehr Raum zu geben oder schlicht etwas neues zu machen, was noch nicht in dieser oder ähnlicher Form über den Sender gegangen ist.

Endlich Feierabend!
© Screenshot Sat.1
Das "Endlich Feierabend"-Studio ist sehr geräumig.

Später durfte der Tennis-Experte auch noch was zum Thema Özil und dessen Abgang aus der Nationalmannschaft sagen. Keine Frage: Beckers Aussagen werden mit Sicherheit von anderen Medien zitiert werden, bei Sat.1 hat man also mal wieder für Schlagzeilen gesorgt. Spannend wird zu sehen sein, welche Gäste sich in den kommenden Wochen im Studio einfinden werden. Mit "Promi Big Brother" hat man ja durchaus ein Format im Programm, das man dann noch einmal besprechen könnte. "Kontroverse Diskussionen", wie vom Sender angekündigt, blieben aber zumindest zum Auftakt aus. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Zwischendurch gab es zwischen Beiträgen und Talk immer wieder ein paar kurze bunte News und Videos aus den sozialen Netzwerken ("Quelle: Youtube") und einen knappen Nachrichtenüberblick. "Da sind wir endlich", sagte Boschmann ganz zu Beginn der Sendung. Zumindest bei den Internet-Videos kann man wohl getrost festhalten: Darauf hat kein Zuschauer gewartet. Am Morgen funktionieren solche Inhalte sehr gut, ob Sat.1 damit auch am Vorabend erfolgreich sein kann, muss sich erst noch zeigen. Einen kleinen Ausrutscher leistete man sich ganz am Ende. Als Daniel Boschmann ankündigte, er habe schon die erste Frage, die Hugo Egon Balder gleich bei "Genial Daneben - Das Quiz" stellen würde, war das zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht: Balder stellte kurz darauf eine ganz andere Frage. Das ist natürlich insofern sehr skurril, weil die Quizshow aufgezeichnet ist und eigentlich klar sein müsste, welche Frage am Anfang kommt.

Ganze Arbeit geleistet haben die Macher derweil beim Studio, das großzügig gestaltet wurde und den Moderatoren viel Raum lässt, um sich zu bewegen. Hier sind ebenfalls die Vibes des "Frühstücksfernsehen" zu spüren, an denen man sich orientiert. Man spürt förmlich den Willen bei allen Beteiligten, dass dieses Format ein Erfolg werden soll. Dazu will man auch die Zuschauer möglichst eng an Format und Köpfe binden. Nach der Sendung gab es noch einen Livestream bei Facebook, in dem Geburtstagskind Möller das Geschenk von Boris Becker öffnete. "Wir sind ja jetzt in den nächsten zehn Jahren beruflich miteinander verbunden", sagte Möller dort zu Boschmann und schnitt sogleich ihren Geburtstagskuchen an.

Ganz so sicher ist die Zukunft von "Endlich Feierabend" wohl noch nicht, doch bei Sat.1 hat man eine gute Grundlage geschaffen und aus den vielen Fehlschlägen der Vergangenheit gelernt. Die eigene Handschrift fehlt noch, zu sehr war man darauf bedacht, keine großen Fehler zu machen. Das ist gelungen, nun wird es in den kommenden Wochen und Monaten darum gehen, eben diese eigene Handschrift zu entwickeln und eine möglichst große Community für das Format zu begeistern. Denn auch wenn sich die Themen mit dem "Frühstücksfernsehen" teilweise überschnitten haben, automatisch werden die Zuschauer nicht mit in den Vorabend wechseln.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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