Conviction © MG RTL D
DWDL.de-Serienkritik zum neuen Vox-Start

Bloß nicht stören: "Conviction", die blasse Anwaltsserie

 

Nachdem sich Hayley Atwell unfreiwillig von ihrer Hauptrolle in "Agent Carter" verabschieden musste, bekam sie ihr nächstes Spotlight bei "Conviction". Leider ist die Schauspielerin auch das Beste an der Anwaltsserie, die nun bei Vox anläuft.

von Kevin Hennings
08.08.2018 - 15:01 Uhr

Selbst im Golden Age of Television ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Serien-Auswahl ist mittlerweile so groß, dass sich vieles ähnelt - und Fans bestimmter Genres die Chance haben, sich ein Leben lang wahlweise mit Krankenhaus-Serien, Krimis und Familien-Comedys zu beschäftigen. Oder eben mit Anwaltsserien. Hier gibt es bereits zahlreiche ansehnliche Vertreter - zu nennen wären "Suits", "Scandal" und "The Good Wife", aber auch verdrängbarere Kost wie so manches "Law & Order"-Spinoff. Und nun auch ABCs "Conviction", das von diesem Mittwoch an bei Vox startet. Hier dreht sich die Geschichte um die von Hayley Atwell verkörperte Präsidententochter Hayes Morrison, die auf Umwege zur Samariter-Anwältin wird. 

Atwell kennt mancher Fan noch aus ihren Beteiligungen in vielen Marvel-Produktionen. So hat sie es nach allerhand Kinofilmen wie "Captain America" und "The Avengers" sogar geschafft, die Hauptrolle in der "Marvel's Agent Carter" zu ergattern. In zwei Staffeln hat sie dort Agent Peggy Carter verkörpert, die für Tony Starks Vatter arbeitete. Trotz hervorragender Kritiken ging die Serie, die ebenfalls für ABC entstand, nach gerade einmal zwei Staffeln zu Ende. Dass das nicht hätte geschehen dürfen, kann Atwell auch hier noch angesehen werden. So ist sie zwar mit Abstand immer noch der beste Grund dafür, überhaupt in "Convicition" reinzuschalten, dennoch steht es ihr zu oft ins Gesicht geschrieben, dass sie es nicht fassen kann, hiermit ihr Geld verdienen zu müssen. 

Die latente Enttäuschung, die so trotz ihrer durchaus überzeugenden Leistung ausstrahlt, hängt vor allem mit den Autoren zusammen. Die vielversprechende Grundstory, dass sich die Tochter des Ex-Präsidenten von ihrem skandalösen Koksleben distanzieren muss, um mit einer neu gegründeten Organisation zu Unrecht verurteilte Menschen freizusprechen, wird durch eben diese ordentlich verhunzt. Als Grund dafür kann man sich die lebende Metapher anschauen, der gleichzeitig Atwells Gegenpart mimt: Der aalglattgegelte Eddie Cahill ("Under the Dome"), der ihren Aufpasser Conner Wallace spielt. So vorhersehbar seine Handlungen sind und so eindimensional seine Ausstrahlung wirkt, so kommt letztlich auch "Conviction" selbst daher.

Das Autorenteam rund um das Schöpfer-Duo Liz Friedlander und Liz Friedman bedient sich der einfachsten Genrekonstruktionen, die dafür sorgen, dass der Zuschauer vieles ist, aber nicht überfordert. Das ist per se nichts schlechtes, hat die zweite Staffel von "Westworld" doch jüngst gezeigt, was passiert, wenn man seinen Zuschauer zu sehr beansprucht. Die Zuschauer dermaßen zu unterfordern, ist jedoch ein ebenso schlimmes No-Go, weil es dazu führt, schnell weiterzappen zu wollen, weil selbst "Family Guy" immerhin ein bisschen Grips verlangt.

Alleine der Beginn der Serie ist viel zu plump inszeniert: Innerhalb von drei Minuten wird der Zuschauer in den ersten Fall geschmissen, in dem Morrison einen ehemaligen Highschool-Footballer, der angeblich seine Freundin ermordet haben soll, aus dem Gefängnis holen muss. Der Punkt, an dem dem Zuschauer die Figuren schlichtweg egal sind, wird in rasanter Geschwindigkeit erreicht. Emotionale Bindung ist kein Merkmal, mit dem "Conviction" glänzen kann. Vielmehr hat sich das Team darum bemüht, Geschichten zu erzählen, die ein Kleinkind verstehen würde. Alle störenden Faktoren wie persönliche rote Fäden der einzelnen Charaktere oder interessante Nebenstränge werden so gut wie weggelassen, damit auch der allerletzte Zuschauer versteht, was da eigentlich mit den Angeklagten passiert. Alleine die Hintergrundgeschichte von Morrison selbst, die als feierwütige Präsidententochter gleichzeitig auch diplomierte Anwältin ist, klingt so spannend, dass es schwieriger scheint, das Konzept zu vergeigen, als etwas daraus zu machen. 

"Sie ist kompliziert!", sagt passenderweise auch ihre Hillary Clinton ähnelnde Mutter (verkörpert von Bess Armstrong). Ein Satz, der wirklich nur auf die Figur von Atwell passt. Viel komplizierter scheint nur der Gedankengang bei den ABC-Bossen gewesen zu sein, die sich tatsächlich dazu entschieden, "Agent Carter" zu canceln und das Geld lieber in dieses Projekt zu stecken. Da "Conviction" nach einer Staffel aber auch schon wieder eingestampft wurde, ist zu hoffen, dass das Network schnell aus seinem Fehler lernt und engagierte Schauspieler wie Hayley Atwell zukünftig wieder in spannende Serien steckt. 

Vox strahlt die 13 Folgen von "Conviction" ab heute wöchentlich um 22:10 Uhr aus. 

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