Devil's Race © DMAX / Martin Vogel
DWDL.de-TV-Kritik

"Devil’s Race" bei DMAX: Stock Car Crash Challenge light

 

Mit "Devil's Race" hat DMAX eine actionreiche Show gestartet, die immer dann stark ist, wenn es wirklich ums Racing geht. Dann erinnert das Format auch ein wenig an die "Stock Car Crash Challenge" von Stefan Raab. Das Moderatoren-Duo wirkt zum Auftakt aber noch zu oft unbeholfen.

von Timo Niemeier
11.09.2018 - 23:30 Uhr

Im vergangenen März hat DMAX-Programmchef Oliver Nowotny im DWDL.de-Interview eine deutliche Ausweitung des Budgets für Eigenproduktionen angekündigt. Man wolle zunehmend auch in große Entertainment-Programme investieren, erklärte Nowotny damals. Ziel sei es, einen größeren Impact bei den Zuschauern zu erzielen - und zu wachsen. DMAX geriet zuletzt im Duell mit Nitro und ProSieben Maxx ins Hintertreffen. Das will man künftig mit großen Eigenproduktionen wieder ändern - eine davon ist "Devil’s Race".

In der am Dienstagabend gestarteten Show treten pro Ausgabe drei zweiköpfige Teams in selbst zusammengeschraubten Autos an und müssen einen Parcours überwinden. Dafür haben sie jeweils ein Budget von 5.000 Euro. Das schnellste Team kommt ins Finale, am 16. Oktober steigt dann unter allen Tagessiegern das Rennen um den Sieg. Der Parcours ist gespickt mit allerlei Hindernissen wie kaputten Autos, einem Riesenpendel ("Pendel des Todes"), diversen Sprüngen und wechselnden Untergründen.

Der Anfang der Auftaktfolge ist noch etwas langatmig, erst nach rund 15 Minuten steht das erste Team am Start. An einer Stelle werden die Fahrer als "Reiter der Apokalypse" bezeichnet. Aber keine Angst: So dramatisch ist es nicht, aber der Unterhaltungswert der Show wird schnell deutlich. Fahren die Kandidaten mit vollem Risiko durch die Hindernisse und riskieren so einen Schaden am Auto? Oder gehen sie auf Nummer sicher? Die meisten Kandidaten halten natürlich voll drauf - und rufen so unweigerlich Erinnerungen an die "Stock Car Crash Challenge" von Stefan Raab hervor.

Die Tatsache, dass beim "Devil’s Race" immer nur ein Auto gleichzeitig auf der Piste ist, und nicht wie beim Raab-Event mehrere, tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Beim DMAX-Format geht es schließlich um Geschwindigkeit und man fiebert schnell mit den Kandidaten mit, die teilweise mit mehr als 100 Stundenkilometern durch den Parcours rasen. Ron Ringguth die jeweiligen Durchläufe kommentieren zu lassen, war eine ausgezeichnete Idee von DMAX und der Produktionsfirma RedSeven Entertainment. Er kommentierte in der Vergangenheit schon zahlreiche Raab-Events. Darunter natürlich auch die "Stock Car Crash Challenge".

Devil's Race© DMAX / Martin Vogel
Feuer, Staub und kaputte Autos: Die Strecke beim "Devil's Race" ist gespickt mit Hindernissen.

Eigentlich ist es fast sogar ein bisschen schade, dass DMAX sich beim Format für eine mehrteilige Reihe entschieden hat. Im Prinzip würde eine Live-Show hier auch sehr gut funktionieren. Manchmal wirkt es dann auch tatsächlich sehr komisch, wenn die Moderatoren Sophia Thomalla und Johannes Stuck zu den verschiedenen Teams "schalten" oder wenn sie immer erklären, an welchem Punkt der Strecke sie gerade stehen, um so einen Live-Charakter zu erzeugen.

Die beiden Moderatoren wirken zum Auftakt noch etwas unbeholfen, die Dialoge sind hölzern. Das ist durchaus verständlich, für Johannes Stuck, selbst ehemaliger Rennfahrer, ist es der erste große Job vor der Kamera. Thomalla macht derweil keinen Hehl daraus, überhaupt keine Ahnung von Autos und Autorennen zu haben. Das ist durchaus erfrischend, etwa dann, wenn einer der Teilnehmer ihr irgendwelche technischen Details erklären will und sie einfach nur trocken antwortet: "Ihr sprecht hier mit jemanden, der überhaupt keinen blassen Schimmer hat. Ich bin hier, um euch emotional aufzubauen." Weniger glücklich ist dagegen ihre Aussage zur einzigen weiblichen Teilnehmerin. Da greift Thomalla voll in die Klischee-Kiste und sagt: "Die gute Nachricht: Es geht nicht ums Einparken". Auch Thomalla war übrigens mal bei der "Stock Car Crash Challenge" als Moderatorin im Einsatz.

"Mit ein bisschen mehr Elan, bitte!"
Sophia Thomalla

Zwischen den verschiedenen Rennläufen zeigt man dann immer in Einspielern, wie die Teams zu ihren Autos gekommen sind und wie sie diese aufgemotzt haben. Hier geht immer einiges an Tempo verloren, Verbesserungspotenzial ist also durchaus vorhanden. Gleiches gilt für die Interviews mit den Kandidaten, die leider allzu oft nicht wissen, was sie antworten sollen. Das liegt teilweise an den Fragen ("Seid ihr aufgeregt?"), zum Teil aber auch daran, dass die Kandidaten keine Promis sind und einfach keine Erfahrung im Umgang mit dem Fernsehen haben. Als Sophia Thomalla die Teams nach Runde eins zu sich bittet und diese der Aufforderung nur sehr zögerlich nachkommen, ruft die Moderatorin laut: "Mit ein bisschen mehr Elan, bitte!". Das würde der Show fernab den actionreichen Rennen tatsächlich gut tun.

Letztlich kann DMAX mit "Devil’s Race" aber zufrieden sein. Die Show passt gut zur Zielgruppe des Senders und auch zum Anspruch, künftig mehr eigenes Programm zu zeigen. Schön auch, dass man sich beim Tagesfinale dazu entschlossen hat, noch ein paar neue Hindernisse in den Parcours einzubauen. Auch wenn diese Hindernisse manchmal gar nicht so spektakulär sind, wie sie klingen. Als ein Team mit ihrem Auto frontal gegen das "Pendel des Todes" fährt, und eben dieses Pendel plötzlich wegfliegt wie ein Spielzeug, wird klar, dass das mit einer Abrissbirne nur bedingt etwas zu tun hat. Dennoch: Vor allem die Rennen überzeugen - und das ist ja das wichtigste beim "Devil’s Race". Und wer weiß? Vielleicht ist beim großen Finale ja auch ein Rodeo möglich - mit allen Autos, die dann noch fahren. Einfach just for fun. Die "Stock Car Crash Challenge" lässt grüßen.

DMAX zeigt die erste Staffel von "Devil's Race" immer dienstags um 21:15 Uhr. Das Finale steigt am 16. Oktober.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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