Comedy Cuisine © WDR/Frank Dicks
DWDL.de-TV-Kritik

"Comedy Cuisine": Hier schmeckt nicht nur die Suppe fad

 

Mit "Comedy Cuisine" versucht sich der ARD-Spartensender One an einer neuen Eigenproduktion. Doch in der Show mit Caroline Frier und Abdelkarim fehlt nicht nur dem Essen die Würze, sondern auch den Witzen. Wem soll das denn schmecken?

von Kevin Hennings
10.01.2019 - 16:37 Uhr

Mit einem Gag verhält es sich wie mit einem leckeren Steak. Ideal angerichtet und serviert, legt sich der Konsument die Hände auf den Bauch und genießt. Neuerdings will sich der ARD-Spartensender One an einer Kombination aus delikaten Essen und witziger Unterhaltung versuchen. "Comedy Cuisine" nennt sich dieser Versuch, bei dem Schauspielerin Caroline Frier und Comedian Abdelkarim ihre Gäste zum kurzweiligen Dinner-Duell einladen. Das zumindest ist der Plan. Wirklich schmackhaft ist die Umsetzung des Ganzen nämlich leider nicht.

Doch der Reihe nach. Gezaubert werden jeweils Gerichte, die sich die Teilnehmer im Vorhinein selbst ausgesucht haben – so kocht YouTuberin Joyce Ilg in der ersten Folge eine Tofu-Linsensuppe, während ihr Gegner und Comedy-Urgewächs Maddin Schneider seine ganz eigene Interpretation eines griechischen Salates darbietet. Es ist zwar keine große Überraschung, soll für's Protokoll aber dennoch erwähnt werden: Mit einem Sternekoch kann sich keiner der Vier vergleichen. Daran müssen sich Comedians und Moderatoren aber auch freilich nicht messen lassen. Jedoch an ihren Witzen und an ihrer Kernkompetenz, Unterhaltung zu liefern. Um es mit Caroline Friers Worten zu sagen, die an Maddin Schneider gerichtet sind: Das "braucht manchmal etwas länger". 

In der Tat kommt oft auch einfach gar nichts. Die One-Eigenproduktion ist ein kruder Mix aus unansehnlichem Kochen und unangenehmen Unterhaltungen. Das liegt vor allem daran, dass das Konzept der Sendung gar nicht ermöglicht, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Flow zwischen Moderatoren und Gästen zu entwickeln. Die Kochsession wird nämlich alle fünf Minuten unterbrochen, um ein absurdes Studio-Spiel nach dem anderen unterzubringen. Dann müssen die Gäste innerhalb kürzester Zeit einen Turm aus Zuckerwürfeln auf einem Löffel balancieren, eine simple Rechenaufgabe lösen oder ein Lipsync-Battle absolvieren, nach dem sich die Zuschauer besser schnell ein Video von Jimmy Fallon anschauen sollten, um zu sehen, wie lustig so etwas sein kann, wenn man es denn richtig macht. 

Es sind Spielereien wie diese, die den letzten Witz aus einer Sendung saugen, die sowieso nur sporadisch mit Humor protzen kann. In der dritten Folge spricht Abdelkarim gleich beim ersten Spiel aus, was sich wohl auch viele andere denken werden: "Das ist mein Lieblingsspiel und das, obwohl ich es nicht einmal verstanden habe." Also, nicht das mit dem Lieblingsspiel, sondern der zweite Teil. Während sich in der von Paloma Pictures produzierten Sendung alle nachfolgenden Spiele von Folge zu Folge verändern, läuft der Einstieg nach dem immer gleichen Muster ab - mit einem Fünf-Fragen-Quiz nämlich, das den Spagat hinbekommen will, etwas über die Gäste und gleichzeitig das zu kochende Gericht zu erfahren.

Man täte dem ambitionierten Nachwuchs unrecht, würde man dieses unsägliche Frage-Antwort-Spiel als Schülerzeitungs-Journalismus bezeichnen. Wenn die Hinweis-Wörter ex-pli-zit betont werden, dann ist das nicht nur vollkommen unwitzig, sondern leider auch noch stinklangweilig. Und so reißt Caroline Frier den Mund also ganz weit auf, um die Begriffe "Griechenland" und "Feta" derart nachdrücklich zu artikulieren, dass in diesem Moment selbst dem einfältigsten Zuschauer dämmert, dass heute griechischer Salat kredenzt wird.

Sinn der Mini-Spiele ist es, dass die Kandidaten mit ihrem jeweiligen Moderatoren-Kumpanen Punkte sammeln. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt die Trophäe – die goldene Ananas. Um Wikipedia zu zitieren: "Die goldene Ananas ist ein fiktiver Preis, der für einen Wettbewerb mit eigentlich irrelevantem Ausgang vergeben wird." Dumm nur, dass bei "Comedy Cuisine" längst nicht nur Ausgang irrelevant ist, sondern nahezu die gesamte Sendung. Auch nach 45 Minuten gibt es beim besten Willen kein Argument, weshalb man ein weiteres Mal einschalten sollte. Dafür liefern die Berufskomiker schlicht zu wenige Lacher und über die Gäste wird nichts bekannt, was diese in anderen Shows nicht schon zu Genüge ausgesprochen haben.

Einzig Caroline Frier gelingt es stellenweise, für einige lockere Momente zu sorgen. Ansonsten lässt "Comedy Cuisine" fast durchweg Leidenschaft vermissen, ganz besonders auf technischer Ebene. So müssen die armen Kameramänner vermutlich vollends ohne Stative auskommen, was immerhin erklären würde, warum das Bild permanent wackelt. Penetrante Hintergrundmusik, der Hall in den Mikros, die teilweise nicht einmal vorhanden sind, und deplatziert eingespielte Lacher machen das letzte bisschen Spaß zunichte. Das alles schreit mehr nach goldener Himbeere als nach goldener Ananas.

"Comedy Cuisine" umfasst zunächst sechs Episoden, die jeweils donnerstags um 20:45 Uhr im Anschluss an die "extra 3"-Wiederholung bei One laufen.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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