Game of Clones - Ein Klon zum Verlieben © RTL II
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen Kuppelshow

"Game of Clones" bei RTL II: Fast so wie beim Autokauf

 

Mit "Game of Clones" geht RTL II bei der TV-Kuppelei neue Wege und lässt Singles ihre Traumpartner am Computer erstellen. Das Ergebnis steht wenig später in gleich sechsfacher Ausführung vor ihnen. Was folgt, ist ein skurriles Spektakel...

von Alexander Krei
10.01.2019 - 22:15 Uhr

Wer denkt, er habe im Fernsehen schon alles gesehen, sieht sich seit diesem Donnerstag eines Besseren gelehrt. Nach "Game of Thrones" gibt's neuerdings nämlich auch "Game of Clones". Die RTL-II-Kuppelshow mit britischen Wurzeln spielt jedoch nicht etwa in Westeros, sondern wahlweise in der Sauna, im Whirlpool oder schlicht im Bett. Und wer nur ein paar Minuten zu spät einschaltet, wird sich verwundert die Augen reiben: Die sechs Kandidatinnen, zu denen sich später noch eine siebte gesellt, sehen nämlich nahezu identisch aus. Eben wie geklont.

In jeder Folge darf ein sogenannter "Picker" - mal ein Mann, mal eine Frau - seinen Traumpartner am Computer zusammenstellen. "Fast so wie man es vom Autokauf kennt", erklärt der Sprecher, "mit persönlicher Wunschausstattung." In der ersten Folge ist es der 26-jährige Marcel, ein gut aussehender Bursche, der nach eigenem Bemessen "mega-neugierig" ist und nichts anbrennen lässt. An einer Art DJ-Mischpult steht er nun neben einem fachkundigen Computermaus-Zieher, der sich auf Wunsch erst um die Lippen ("nicht so knutschig") kümmert und dann um die Brüste ("keine Riesen-Melonen").

Heraus kommt "eine schwarzhaartige exotische Hammerfrau", wie der Sprecher feststellt, bevor RTL II gleich sechs davon in schwarzen Stiefeln, orangefarbenen Hosen und lila Oberteilen in einem sterilen Wohnzimmer drapiert, um sie zur Kuppelei vor laufender Kamera freizugeben. "So gut wie er hatte es wohl noch nie zuvor ein Mann auf dieser Welt", erfährt der Zuschauer, als Marcel die unwirkliche Szenerie betritt und die "Klone" in Einzelgesprächen nach und nach auf mögliche Unterschiede untersucht. Das ist im ersten Moment so absurd, dass das Umschalten schwerfällt, selbst wenn der Verstand längst genug davon hat.

Für das Format spricht sein USP, denn einen derartigen Ansatz hat es trotz unzähliger Kuppelshows gewiss noch nicht gegeben. Dagegen spricht jedoch, dass sich "Game of Clones" im weiteren Verlauf nicht nennenswert von der stupiden "Bachelor"-Gockelei unterscheidet und in ein abendliches Zweier-Date mündet, bei dem in aller Regel erst gekuschelt und dann geküsst wird. Und so geht's für Marcel und Tanja, seine Auserwählte, am ersten Abend in die Sauna "mit Hormon-Aufguss", wie RTL II das nennt.

Die von mehreren Kameras gefilmte traute Zweisamkeit bleibt jedoch nicht unbeobachtet, weil die "Sauna-Cam" das intime Geschehen direkt ins Wohnzimmer im Erdgeschoss überträgt, wo die restlichen Klone das Geschehen einigermaßen entgeistert betrachten. Dass Tanja trotz inniger Küsse nur einen Tag später zusammen mit zwei weiteren Mädels das Haus verlassen muss, mag nicht weiter verwundern. Doch Junggeselle Marcel hat's auch wirklich nicht leicht - vor allem, weil beim zweiten Date im Whirlpool plötzlich noch ein "Überraschungsklon" das Badezimmer betritt.

Game of Clones
© RTL II

"Wir haben so viele Gemeinsamkeiten", haucht Marcel schon nach wenigen Minuten in Richtung des unerwarteten Neuzugangs, während seine ursprünglich für diesen Abend ausgesuchte Herzensdame erst belämmert dreinschaut und schließlich entnervt der mit Rosenblättern versehenen Wanne entsteigt. "Es hat mich richtig geekelt", wird sie später sagen - und spricht damit vermutlich einigen Zuschauern, die bis dahin noch nicht gänzlich den Verstand verloren haben, aus der Seele. Im Finale ist die Gefrustete dann auch gar nicht mehr dabei. Doch selbst Konkurrentin Tanja wird später nicht das Rennen machen, obwohl sie sich im Finale mit einer Massage auch körperlich mächtig ins Zeug legt und Marcel kurz darauf mit all seiner Lebenserfahrung geschickt ihren BH öffnet.

Wer sein Herz nach mehreren gemeinsamen Tagen letztlich erobert, ist am Ende völlig egal. Leider, möchte man beinahe sagen - denn zumindest in der Theorie hätte "Game of Clones" durchaus mehr sein können als das Format, produziert von Constantin Entertainment, auf den ersten Blick verspricht. Wenn sich die Frauen optisch derart gleichen, könnte es doch besonders auf die inneren Werte ankommen. Dummerweise entscheiden aber trotzdem fast ausschließlich Oberflächlichkeiten über den Verlauf der Show. Ein zweites Mal muss man das ganz sicher nicht sehen. Wäre aber vermutlich ohnehin bloß ein Klon der Premiere.

RTL II zeigt "Game of Clones - Ein Klon zum Verlieben" donnerstags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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