Valley of the Boom © National Geographic
DWDL.de-Serienkritik

"Valley of the Boom" erklärt: Die Erfindung des Internets

 

Woher kommt eigentlich dieses WWW, das wir in unseren Handys haben? Mit "Valley of the Boom" beschäftigt sich National Geographic auf äußerst intensive Art mit dieser Frage. Das Projekt ist ein komplexer Mix aus Doku und Serie.

von Kevin Hennings
20.01.2019 - 13:30 Uhr

Wenn in einer Schule heutzutage die Grundbedürfnisse des Menschen abgefragt werden, kann der Lehrer beinahe in jedem Fall erwarten, dass auf der Gegenseite nicht nur die maslowsche Bedürfnispyramide rezitiert wird. Nein, es gibt mittlerweile immer einen Schüler, der auch "Internet" reinruft. So verkehrt liegt er da gefühlt auch gar nicht, da sich diese Sehnsucht nach dem ewigen Wlan-Signal nicht nur in der Jugend verankert hat. Doch wer sind eigentlich diese Helden der Menschheit, die uns in dieses neue Zeitalter der Technologie geführt haben? Könnten Sie mir aus dem Stand heraus sagen, wer das Internet erfunden hat? Die Antwort auf diese gar nicht so leichte Frage möchte die neue Doku-Serie "Valley of the Boom" liefern – und das mit einer Intensität, die manch einem zu viel werden könnte.



"Das Internet ist nur ein Hype", sagte einmal der zweitreichste Mensch der Welt. Diese Worte lies Bill Gates 1997 fallen. Heute kann er nur über seine damalige Unwissenheit schmunzeln. Während er in den 90ern den Kopf schüttelte, zogen andere die ersten Internetfirmen der Welt hoch. Dazu gehört unter anderem das Unternehmen Netscape, das den ersten wichtigen Browser auf den Markt brachte. Ironischerweise wurde Netscape später ausgerechnet von Microsoft auf die Bretter geschickt – der Firma, durch die Bill Gates und Paul Allen zu Technologie-Koryphäen wurden. Das ist jedoch nur einer von vielen interessanten Fun facts, die von der von Matthew Carnahan ("House of Lies") inszenierten Mini-Serie offenbart werden. 

Klingt spannend, oder? Nun, das ist es. Die reine Geschichte des Internetwerdeganges ist äußerst aufregend. Jedoch auch sehr komplex und wahrlich mächtig, wenn einem mit zunehmender Laufzeit von "Valley of the Boom" immer klarer wird, wie viel Arbeit dahinter gesteckt hat, dass wir heutzutage stundenlang süße Katzenvideos auf dem Klo anschauen können. Diese hochanstrengende Arbeit wird in der von Arianna Huffington mitproduzierten Serie mehr als deutlich dargestellt. Tatsächlich wird sie so angemessen dargestellt, dass das Anschauen der Serie eine gewisse Ermüdung hervorrufen kann, die beschämt.

Sie beschämt, weil "Valley of the Boom" eine wirklich hochinformative und gut durchdachte Produktion ist, die sich außerdem darum bemüht hat, frisch zu wirken. Für dieses Vorhaben wurde nicht nur das klassische Archivmaterial eingestreut und exklusive Interviews mit Zeitzeugen, sondern oben drauf ein Cast auf die Beine gestellt, der sich sehen lassen kann. Steve Zahn ("Planet der Affen: Survival"), ebenso wie Lamorne Morris ("New Girl") und der aus allerhand Hollywood-Filmen bekannte Bradley Whitford ("Get Out") sind mit von der Partie. Sie alle spielen Rollen von Schlüsselfiguren, die in den 90ern für den Durchbruch des Internets sorgten. Dadurch entsteht ein Mix aus Dokumentation und serieller Erzählung, der hoffentlich künftig andere Projekte inspiriert, das Gleiche zu tun.

Doch auch dieser Kniff kann nicht davon ablenken, dass der Sechsteiler dermaßen viel Info in sich vereinen möchte, dass der nicht enden wollende Wissensstrom dafür sorgt, dass das Gehirn relativ schnell die Eingänge versiegelt und erst einmal einen Power Nap braucht. In der Tat wäre es in diesem Fall besonders schön gewesen, hätten sich die Produzenten noch mehr Zeit genommen. Einem Event wie diesem wäre es auf jeden Fall angemessen gewesen. So jedoch kann "Valley of the Boom" für den durchschnittlichen Zuschauer zum Akt der Anstrengung werden.

Die Stärke des Casts wird auch nur situationsbedingt ausgespielt. Wenn Steve Zahns Charakter Pixelon-Gründer Michael Fenne im einen Moment äußerst spannend nachspielt, wie er mit Tankstelleninventar eigenhändig eine Wunde vernäht, die er vor wenigen Momenten von einem Landstreicher verpasst bekam, kann es gut sein, dass die nächsten zehn Minuten lediglich langatmige Zeitzeugen zu Wort kommen. Der Spannungsbogen erleidet zu oft einen Knick, der rapide nach unten zeigt. Außerdem entsteht durch die unzureichende serielle Inszenierung das Gefühl, dass die Charaktere nie richtig kennengelernt werden können. 

Neben dem polarisierendem Michael Fenne stehen auch zwei Jugendliche Geeks im Zentrum, die mit theGlobe.com das erste soziale Netzwerk erfunden haben. Wie "Valley of the Boom" zeigt, waren Stephan Paternot und Todd Krizleman ihrer Zeit aber deutlich voraus und mussten Investoren immer gründlich erklären, warum ihre verrückte Idee Zukunft hat. Die Erzählung um die insgesamt drei kalifornischen Unternehmen führt bis ins Jahr 2000 – das Jahr, in dem die erste Dotcom-Blase geplatzt ist. 

Knapp sechs Jahre werden in den sechs Folgen also aufgegriffen. Diesen Ritt in einem Binge-Abend bewältigen zu wollen, ist eher nicht der Rat, den Sie aus diesem Text mitnehmen sollten. "Valley of the Boom" ist für alle adrenalinverseuchten Doku- und Serienschauer nur wohldosiert zu empfehlen und dann auch nur, wenn wirklich der Wille da ist, etwas lernen zu wollen. Wussten Sie übrigens, dass die ersten zwei Computer bereits 1969 kommuniziert haben?

Die sechsteilige Mini-Serie "Valley of the Boom" ist in drei Doppelfogen auf National Geographic zu sehen. Los geht es heute, den 20. Januar um 21 Uhr. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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