Bild Politik © Springer
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"Bild Politik": Viele Fragen, aber nur wenige Antworten

 

Mit "Bild Politik" bringt der Springer-Verlag neuerdings ein Wochenmagazin auf den Markt, das "Spiegel" & Co. Konkurrenz machen will. Gestellt werden viele Fragen, die den Nerv besorgter Bürger treffen. Aber braucht's dafür dieses Heft?

von Alexander Krei
08.02.2019 - 18:50 Uhr

Für gewöhnlich fährt Springers "Bild" gerne große Geschütze auf. Im Falle von "Bild Politik", dem jüngsten Magazin-Ableger der Tageszeitung, fällt der Angriff aber erstaunlich leise aus. Nur in Hamburg und im angrenzenden Umland sowie in Lüneburg und Lübeck liegt das Wochenmagazin seit diesem Freitag testweise für 2,50 Euro an den Kiosken, anderswo muss man sich mit dem E-Paper begnügen. Das ist vielleicht auch besser so, denn wer es in den Händen hält, wird womöglich überrascht sein: Mit seinen 50 Seiten fällt "Bild Politik" erstaunlich dünn aus und fühlt sich eher an wie "Einkauf Aktuell" als "Spiegel".

Inhaltlich haben die journalistisch noch weitgehend unerfahrene Objekt- und Redaktionsleiterin Selma Stern und "Bild"-Politikchef Nikolaus Blome, die das Konzept des Magazins gemeinsam entwickelt haben, aber einen ganz klugen Kniff gewählt: Die Überschriften sind als Fragen formuliert und wenn man dem Untertitel von "Bild Politik" Glauben schenken darf, dann handelt es sich dabei um nichts weniger als "die wichtigsten Fragen der Woche". Dazu zählt die Redaktion Fragen wie diese: "Ist die Bundeswehr der Kanzlerin egal?" oder "Lässt die Politik die Autofahrer im Stich?".

Bild Politik© Springer
Auf der Titelseite fasst "Bild Politik" all das noch einmal kompakt und emotional zusammen: "Warum versagt unsere Regierung?", steht da in großen Lettern geschrieben. "Niemals darf das Gefühl entstehen, bestimmte Fragen würden nicht mehr beantwortet - oder erst gar nicht mehr gestellt", lassen die beiden Blattmacher in ihrem Editorial wissen. Allerdings wirft das neue Magazin selbst einige Fragen auf - etwa wo denn eigentlich die Antworten bleiben und was genau "Bild Politik" nun überhaupt von der täglichen "Bild"-Zeitung unterscheidet, die ja oft in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt. 

Auf diese Weise sprechen beide Publikationen letztlich eine ähnliche Zielgruppe an, nämlich die des besorgten Bürgers, der mit fast allem unzufrieden ist, was in diesem Land vor sich geht. Ob diese Zielgruppe groß genug ist, um ein dauerhaft erfolgreiches Wochenmagazin am Markt zu etablieren, muss sich erst noch zeigen, schließlich gehört es auch zur Wahrheit, dass es der klassischen "Bild" trotz Dauerempörung seit Jahren nicht gelingt, die Auflagenverluste zu stoppen. Die Chance, Fakten sachlich einzuordnen, hat "Bild Politik" jedenfalls vorerst verpasst, doch das hätte vermutlich ohnehin nicht zum Markenkern gepasst.

Spannend ist der Ansatz, nicht in klassischen Ressorts zu denken, sondern die Themen in die Bereiche "Ärger", "Neugier" und "Freude" zu unterteilen - wobei selbst in letztgenannter Rubrik noch ein nörgelnder Unterton untergebracht wurde: "Endlich klappt auch mal was!", heißt es da. Ganz so, als sei man selbst darüber überrascht, dass die Welt auch gute Seiten hat. Zumindest Pessimisten werden an "Bild Politik" ihre helle Freude haben. 

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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