Trecker Babes © kabel eins
DWDL.de-TV-Kritik

"Trecker Babes": kabel eins schwingt den Holzhammer

 

Mit den "Trucker Babes" ist kabel eins bereits äußerst erfolgreich, nun folgt mit "Trecker Babes" der erste Ableger. Die Idee hinter dem Format ist gut und manchmal ist die Sendung tatsächlich sehenswert, zu oft werden die Zuschauer aber mit der Brechstange bearbeitet.

von Timo Niemeier
03.03.2019 - 22:20 Uhr

Was wird da in 2019 wohl noch auf uns zukommen? Nachdem die "Trucker Babes" zuletzt im Schnitt mehr als sieben Prozent Marktanteil bei kabel eins eingefahren haben, kündigte man mit den "Trecker Babes" einen Ableger an. Auch an den "Bus Babes" arbeitet man schon (DWDL.de berichtete). In Unterföhring ist man schon ganz aufgeregt: Hat man hier tatsächlich das nächste große Ding ausgegraben? Die Reihe an möglichen Adaptionen ist lang: "Flugzeug Babes", "Eisenbahn Babes" oder "Kran Babes". Alles scheint denkbar (Rechnung folgt bei tatsächlicher Umsetzung).

Das Konzept hinter den "Trucker"- und "Trecker Babes" ist schnell erklärt. Frauen werden bei ihrer Arbeit in einer vermeintlichen Männerdomäne begleitet. Dass die "Trucker Babes" so ein Erfolg für kabel eins waren, überrascht eigentlich. Im Prinzip ist dort nämlich nur zu sehen, wie LKW-Fahrerinnen von A nach B fahren, um dort Ware wahlweise abzuladen oder aufzunehmen. Zwischendurch sprechen die Frauen darüber, wie schwer es als Frau in der Branche ist.

Das wiederholt sich relativ schnell und insofern sind die neuen "Trecker Babes" durchaus eine willkommene Abwechslung. Dort sind die Aufgabenfelder der Frauen nämlich vielseitiger. Die einen arbeiten mit ihren PS-Monstern in Hamburg bei einem großen Wohnbauprojekt, andere wiederum ernten Mais oder Trauben für die spätere Wein-Produktion. Tatsächlich kann man bei den "Trecker Babes" auch etwas lernen. Oder wusste Sie, dass man ein Feld nur pflügen kann, solange es trocken ist, weil der Trecker bei Nässe sonst den Boden zu sehr verdichten würde? Oder dass man bei der Weinernte an einem bestimmten Tag nur ein ganz kleines Zeitfenster für die Arbeit hat?

Viel zu oft aber beschäftigen sich die "Trecker Babes" mit sich selbst. "Es ist schon toll hier drin zu sitzen, die meisten erwarten da einen Mann", sagt eine der Protagonisten. Vermutlich macht sie den Job aber ja nicht, weil andere Menschen manchmal ganz große Augen machen. Ein anderes "Trecker Babe" sagt, ihr falle es schwerer ihre Maschine zurückzugeben als einen Mann. Das ist alles sehr erwartbar und viel zu oft müssen die Frauen sagen, wie das denn so ist, als Frau in einem "Männerberuf". Anstatt subtil zu vermitteln, dass Frauen in vermeintlichen Männerdomänen genauso gute Arbeit verrichten wie Männer, packt die Produktionsfirma Story House regelmäßig den Holzhammer aus. Sehr her! Auch hier gibt’s Frauen!

Wie groß ist die Marktlücke wirklich?

Vermutlich wäre es besser gewesen, noch tiefer in die Arbeit der Frauen einzutauchen und zu erzählen, welche Herausforderungen diese mit sich bringt. Auch die Protagonistinnen selbst bieten teilweise Stoff für mehr: So ist die österreichische "Feld Fee" Margot in ihrem Heimatland zur Miss Burgenland gewählt und muss den Spagat zwischen Hof und Society-Veranstaltungen hinbekommen. Es hat durchaus einen Unterhaltungswert, wenn die Landwirtin im Trecker schnell nach Hause muss, um dort mit einem Tierarzt eine Trächtigkeitsuntersuchung bei Kühen vorzunehmen und dann später im Abend-Outfit ihrer Nebentätigkeit nachgeht. Weniger spannend dagegen ist, wie man minutenlang dabei zusieht, wie ein "Trecker Babe", das in ihrem Trecker den Aufkleber "Prinzessin" angebracht hat, Schutt von links nach rechts fährt und zum Mittag eine 5-Minuten-Terrine isst.

Auf eins kann man sich jedenfalls verlassen: Am Ende wird bei den "Trecker Babes" immer alles gut. Hier und da stottert das Nutzfahrzeug zwar manchmal, die patenten Frauen bekommen aber alles wieder ans Laufen. Zu oft aber wirken die "Trecker Babes" zu bemüht. Besinnt man sich mehr auf die Stärken, die reportageartige Begleitung der Frauen in einem (oft) spannenden Job, kann das auch auf lange Sicht funktionieren. Durch die verschiedenen Projekte (Mais, Wein, Wohnungsbau etc.) wirkt das neue Format jedenfalls schon zum Start abwechslungsreicher als das Original. So oder so: kabel eins scheint mit seinen "Babes" eine Marktlücke gefunden zu haben. Nun muss man herausfinden, wie groß sie ist. Die "Bus Babes" und die anderen Ableger warten schließlich schon.

kabel eins zeigt eine weitere Ausgabe der "Trecker Babes" am 10. März um 20:15 Uhr. 

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