Baskets © FX
DWDL.de-Serienkritik

"Baskets": Auch für Clown-Phobiker einen Blick wert

 

Wer es sich zum Lebensziel macht, Berufsclown zu werden, bringt in der Regel eine gewisse Freude und Leichtigkeit mit. Nicht so der von Zach Galifianakis verkörperte Chip Baskets, der sich vor allem durch Miesepetrigkeit auszeichnet

von Kevin Hennings
10.04.2019 - 18:28 Uhr

"Baskets" wird Ihnen wahrscheinlich nicht gefallen. Dies ist keine persönliche Vermutung, sondern eine statistische. Amerikanischer Humor wird hierzulande von der breiten Masse überwiegend kritisch beäugt und auch mit schwer verdaulichem Inhalt macht es sich das deutsche Publikum nicht all zu gerne auf der Couch bequem. "Baskets", eine Comedyserie die vom Stand-up-Großmeister Louis C.K., dem "Hangover"-Star Zach Galifianakis und Jonathan Krisel ("Portlandia") geschaffen wurde, vereint genau das und obendrein noch eine gehörige Portion Selbstmitleid. Sie sollten "Baskets" trotzdem auch dann ausprobieren, wenn obige Beschreibung auf Sie zutrifft.

Chip Baskets könnte nämlich die Person sein, die sie von amerikanischer Comedymelancholie überzeugt. Dieser Gedanke mündet bereits in der Ausgangssituation, in der sich der makelhafte von Galifianakis verkörperte Tölpel befindet: Da er professioneller Clown werden möchte, fliegt er auf Kosten seiner Mutter von den Vereinigten Staaten in die Künstlerhauptstadt Paris. Dort angekommen muss er jedoch feststellen, dass ihn selbst die prestigeträchtigste Clown-Schule nicht in seinem Schaffen befördern kann, wenn er nicht der Landessprache mächtig ist - oder gar lustig.

So schlawinert er sich mit mehr Glück als Verstand durch die Kurse, um in der Abschlussprüfung all sein Nicht-Können zu demonstrieren. Er fällt durch und fliegt mit zerplatzten Träumen zurück in die Heimat. Mit im Gepäck hat er dieses Mal aber seine frisch angetraute französische Frau Penelope (Sabina Sciubba), die in regelmäßigen Abständen klar macht, wie sehr sie Chip verachtet. Für eine Green Card, die ins gelobte Land führt, reicht es aber allemal.

Sie sehen: Chip führt ein erbärmliches Leben, in dem er nichts zu können, sowie nichts zu erreichen scheint. Auch seine Mitmenschen wollen nicht mehr als das Nötigste mit ihm zu tun haben. Dadurch löst diese traurige Figur jedoch ein Welle der Anteilnahme aus, die niemanden kalt lassen sollte, der ein Fünkchen Empathie in sich trägt. So wäre die FX-Serie zwar lediglich ein interessantes Drama. Wer jedoch Louis C.Ks "Louis" gesehen hat, darf sich auch bei "Baskets" auf ebenso viel Melancholie wie Witz freuen.

Und dabei sollte beim Zuschauer nicht allzu schnell die Hoffnung aufkommen, dass sich Chip zum Besseren wendet und das sein Leben eine fixe 180-Grad-Wendung erlebt. Es sind all die unangenehm peinlichen Situationen, in die sich Chip immer wieder begibt, die wie Nadelstiche dafür sorgen, dass man "Baskets" zwar sehr gerne alleine, aber niemals bei einem Date schauen möchte.

Diese Szenen, in denen sich der ganze Körper sträubt weiterzuschauen, dienen jedoch einem höheren Zweck. Chip Baskets stellt einen der störrischsten Seriencharaktere der letzten Jahre dar und vermittelt dank seines Arschlochverhaltens spürbar, an welchen Storypunkten er wächst und zu lernen versteht, was er in seinem Leben bislang falsch gemacht hat. Denn im Grunde möchte er gar nicht der griesgrämige Mann von nebenan sein, sondern ein Clown, der die Massen zum Lachen bringt.

Doch bis überhaupt irgendjemand über ihn lacht – damit sind auch die "Baskets"-Zuschauer gemeint – müssen einige dieser schmerzhaften Momente durchgestanden werden. Denn so ganz wird es zunächst nicht klar: Wurden die Pointen in den ersten Minuten der Serie schlicht schlecht getimet oder war das gezielt so gewollt, um Chips Unlustigkeit zu demonstrieren? In jedem Fall kann man versprochen, dass "Baskets" eine Comedyserie ist, die sich stark entwickelt und im Laufe der Zeit eine Routine demonstriert, die jeden deprimierenden Moment verlachen lässt. Galifianakis beweist übrigens einmal mehr, dass er viel mehr ist, als der dicke Alan aus "Hangover". Vielmehr lebt er seine "Between Two Ferns"-Seite aus, die ihn schon vor längerem zum Comedy-Schwergewicht beförderte.

Humor ist natürlich immer eine Frage des Geschmacks und in Hinsicht auf "Baskets" ist diese Frage sehr spezifisch. Doch wer in diesem Seriendickicht auf der Suche nach einem unverkennbaren Juwel ist, dessen Glanz nicht bereits in zig anderen Produktionen zu sehen war, sollte "Baskets" eine oder am besten mehrere Chancen geben. Dieser Clown ist mit so viel Hingabe bei der Sache, dass Sie ein paar mal herzlich lachen werden.

Die erste Staffel von "Baskets" ist ab sofort jeden Mittwoch um 21:35 Uhr auf ProSieben Maxx zu sehen. 

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