Merz gegen Merz © ZDF/Martin Rottenkolber
DWDL.de-Serienkritik

"Merz gegen Merz": Bis dass der Witz euch scheidet

 

Über Ostern zeigt das ZDF die neue Comedyserie "Merz gegen Merz". Die ist mit Annette Frier und Christoph Maria Herbst nicht nur gut besetzt, sondern weiß auch mit tollen Dialogen und dem Mut zu ernsten Themen zu überzeugen - das alles in 22 Minuten.

von Alexander Krei
17.04.2019 - 16:30 Uhr

Da hat das ZDF seinen Zuschauern ein schönes Osterei ins Nest gelegt: Von Donnerstag bis Montag strahlt der Sender an vier Abenden jeweils zwei Folgen einer ganz besonderen Serie aus. Die Rede ist von "Merz gegen Merz", dem neuesten Projekt von Comedy-Autor Ralf Husmann, dem es einst schon mit "Stromberg" gelang, Sätze für die Ewigkeit zu schaffen – oder zumindest das, was für Fernseh-Maßstäbe als Ewigkeit gilt. Dass Fans der Serie noch heute, Jahre nach Ausstrahlung der letzten Folge, einzelne Dialoge im Schlaf nachsprechen können, ist Auszeichnung genug.

"Merz gegen Merz" muss freilich erst noch den Beweis antreten, ähnlich nachhaltig zu beeindrucken. Doch die ersten Folgen zeigen, dass die Serie auf einem guten Weg dorthin ist – nicht umsonst hat das ZDF bereits Wochen vor der Ausstrahlung eine zweite Staffel in Auftrag gegeben. Wer "Merz gegen Merz" sieht, spürt Husmanns unverkennbare Handschrift, glücklicherweise ohne zu nah an "Stromberg" zu kommen. Was im Übrigen gar nicht so einfach ist, wenn einer der Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst heißt und dieser auch noch einen Firmenchef verkörpert.

Doch Husmann ist erfahren und versiert genug, um Herbst nicht vollends in die "Stromberg"-Schublade zu verlagern. Das gelingt auch, weil er mit Annette Frier eine ganz wunderbare Gegenspielerin an seiner Seite hat. Zusammen verkörpern die beiden das Ehepaar Anne und Erik Merz, das sich mit den Jahren mächtig auseinandergelebt hat. Eine misslungene Geburtstagsfeier endet schließlich nicht nur im Chaos, sondern bei der Paartherapeutin. Ihr sitzen sie nun regelmäßig gegenüber und geben einen Einblick in ihre ganz eigenen Wahrnehmungen des ehelichen Alltags.

Klar, dass Ansichten und Erinnerungen oft weit auseinanderklaffen. In Rückblenden erfährt das Publikum regelmäßig, wie sich die Dinge wirklich zugetragen haben. Auf diese Weise entsteht eine wunderbare Situationskomik, die durch geschliffene Dialoge noch verstärkt wird. So wie in der ersten Folge, in der Erik Annes Frage, wo genau er ihr an ihrem Geburtstag gesagt haben soll, dass er sie liebt, lapidar mit drei Worten beantwortet: "Zwischen den Zeilen." In der nächsten Folge stellt er mit Blick auf seine Gattin nüchtern fest: "Man kann sich mit einer Menschenfresserin nicht auf Tofu verständigen."

Schreiend komisch, wahnsinnig berührend

Erschwert wird die Ehekrise durch den pubertierenden Sohn Leon (Philip Noah Schwarz), der gerade seine ganz eigenen Erfahrungen mit der Liebe macht, sowie durch die Tatsache, dass Erik als Geschäftsführer im Familienbetrieb seines Schwiegervaters (Michael Wittenborn) fungiert. Der wiederum leidet zunehmend an Demenz und kommt nicht nur in Schlafanzughose in die Firma, sondern vergisst auch noch den Namen seiner Tochter. Das ist mal schreiend komisch und mal wahnsinnig rührend. Da darf vor der Kamera sogar geweint werden.

Merz gegen Merz© ZDF/Martin Rottenkolber
Annette Frier, Christoph Maria Herbst, Claudia Rieschel, Michael Wittenborn

Reichlich schwere Kost für eine Comedyserie, sollte man meinen. Aber in den nur rund 22 Minuten langen "Merz gegen Merz"-Folgen gelingt der Wechsel zwischen heiteren und ernsten Momenten fast immer – zumal man sich sicher sein kann, dass der nächste Lacher nicht lange auf sich warten lässt. Dafür sorgen schon alleine Carmen-Maja Antoni und Bernd Stegemann, die auf ganz wunderbare Weise Eriks schrullige Eltern spielen, bei denen der Sohnemann zwischenzeitlich sogar einziehen darf. "Für deine Mutter sind Kochen und Waschen Liebe", sagt sein Vater, als Erik seine gewaschene Unterwäsche überreicht bekommt. "Unterhosen sind Liebe."

"Merz gegen Merz" ist auf so vielen Ebenen gelungen; da stört es auch nicht, dass für die Comedyserie keine eigene Musik komponiert wurde, sondern regelmäßig auf bekannte Stück zurückgegriffen wird. Mitunter wirkt das wie ein Fremdkörper, in den besseren Momenten fügen sich die Songs aber gut in die Handlung ein - etwa wenn Anne in den eigenen vier Wänden den Mary-Roos-Klassiker "Aufrecht geh'n" ertönen lässt. Nach vielen Versuchen ist "Merz gegen Merz" daher der definitiv vielversprechendste Comedyserien-Neustart des ZDF seit langer Zeit. Empfehlenswert - auch und gerade für Ehepaare.

Die ersten beiden Folgen von "Merz gegen Merz" laufen am Donnerstag ab 22:15 Uhr im ZDF, danach geht es am Samstag, Sonntag und Montag weiter. Alle Folgen stehen zudem in der ZDF-Mediathek zum Abruf bereit.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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