Nachtschwestern © MG RTL D / Christoph Assmann
DWDL.de-Serienkritik

"Nachtschwestern": Starke Frauenfiguren allein reichen nicht

 

RTL schickt mit "Nachtschwestern" die nächste fiktionale Eigenproduktion auf Sendung. Diese will keine klassische Krankenhausserie sein, ist aber trotzdem allzu oft vorhersehbar. Das gilt sowohl für die Geschichten als auch für die Charaktere.

von Timo Niemeier
30.04.2019 - 16:45 Uhr

Wer kennt diesen stressigen Alltag nicht? Gerade erst die letzte Bahn zum ersten Tag beim neuen Job (ich bin Krankenpfleger) verpasst, schon einen Autounfall gesehen und schwuppdiwupp hilft man einem Jugendlichen dabei, nicht zu verbluten. Praktischerweise kommt der Notarzt, der mich auch gleich in das Krankenhaus bringt, in dem ich künftig arbeite. Dort treffe ich meinen größten Feind von vor 16 Jahren wieder, mit dem ich nun zusammenarbeiten muss und später rette ich noch einem Mann auf der Straße das Leben, weil ich irgendwie so ein Gefühl hatte. Trotz einiger Grenzüberschreitungen darf ich meinen Job aber natürlich trotzdem behalten, weil der Unfallchirurg ganz begeistert von mir ist und sich beim Chef für mich eingesetzt hat.

Willkommen in der Welt der neuen RTL-Serie "Nachtschwestern", die am heutigen Dienstagabend direkt nach dem "GZSZ"-Special startet. Die beschriebene Person ist in der Serie die Krankenschwester Ella Fink (Ines Quermann), die sich frisch von ihrem Mann getrennt hat und im Klinikum Köln-West (KKW) einen neuen Job und damit auch ein neues Leben beginnt. Das Problem ist die Stationschefin Nora Altmeyer (Mimi Fiedler), die früher mal die beste Freundin von Ella war. Beide haben sich aber völlig zerstritten, weil Ella Nora den Mann ausgespannt hat - das ist der, der sie nun verlassen hat. Und irgendwie scheint Nora auch noch 16 Jahren kein Gras über die Sache wachsen lassen zu wollen.

Das ist die große Ausgangslage, mit der "Nachtschwestern" startet. Und damit auch wirklich alle merken, dass da was im Busche ist bei den zwei Frauen, wird das erste Aufeinandertreffen der beiden in Zeitlupe gezeigt und mit dramatischer Musik untermalt. Das wirkt fast so unfreiwillig komisch, wie der Arzt, der beim schwerverletzten Unfallopfer zur Eile mahnt. "Jede Sekunde zählt", heißt es da bedeutungsschwanger.

Man muss es RTL und UFA Serial Drama hoch anrechnen, dass sie mit "Nachtschwestern" eine Serie geschaffen haben, in der zwei starke Frauen im Mittelpunkt stehen. Ob das alleine aber ausreichen wird, um eine ganze Staffel zu tragen, bleibt abzuwarten. Zumindest der Auftakt nährt die Zweifel, denn die Serie kommt allzu oft sehr vorhersehbar daher. Ella bricht in ihrer ersten Nacht auf der Station schon zahlreiche Regeln. Aber dass sie deshalb nun direkt wieder ihren Job verliert, stand nun wirklich nicht zu befürchten. Obwohl die Frauen arbeitstechnisch ein gutes Team zu sein scheinen, bleiben sie dennoch verfeindet. Das ist ein guter Ansatz für die kommenden Wochen, verspricht er doch einen tieferen Einblick in die Seelen der Charaktere.

Bei den anderen Mitarbeitern des Krankenhauses darf man wohl nicht mehr allzu viel Tiefgang erwarten. Es gibt einen bösen Arzt, einen guten Arzt, die nach Tratsch suchende Empfangsdame, den schönen Krankenpflegern, der allen anderen den Kopf verdreht und die junge Auszubildende, die noch nicht so recht weiß wohin mit sich. Hier bleiben eigentlich schon nach Folge eins keine Fragen mehr offen ist, was eigentlich ziemlich schade ist. Zumindest die erste Folge könnte aber trotzdem gute Quoten holen, läuft sie doch im Anschluss an das in spielfilmlänge gedrehte "GZSZ"-Special.

Nachtschwestern© TVNow/Christoph Assmann
Quasi im Alleingang rettet Ella hier den Vater des kleinen Jungen.

Und mit Sila Sahin-Radlinger und Oliver Franck hat man dann auch gleich zwei Schauspieler engagiert, die in der Erfolgssoap von RTL einige Zeit lang mitgespielt haben. Auch hier wird man hoffen, dass sie möglichst viele "GZSZ"-Fans mitbringen. "Nachtschwestern" sieht dann auch nicht zufällig so aus wie die Soap am Vorabend, dafür haben die Macher von UFA Serial Drama gesorgt. Die neue Serie hat unverkennbar einen Soap-Look. Das kann ein Vorteil sein, wenn es darum geht, die Zuschauer vom Vorabend in die Primetime zu bringen. Es birgt aber auch das Risiko, neue Zuschauer abzuschrecken. Apropos abschrecken: Marc Terenzi hat einen Gastauftritt in Folge zwei.

Neben zwei ernsten Fällen, die gleich zum Auftakt behandelt werden, geht es in der ersten Episode auch um einen kuriosen Fall. Ein Tinder-Pärchen hat sich beim Liebesakt ineinander verhakt - und die Ärzte müssen nun Penisring von Intim-Piercing trennen. Trottelige Musik inklusive. Auch darauf hätte man gut und gerne verzichten können, beim etwas ernsteren Fall zeigt sich nämlich sehr schön, wie sehr auch ein etwas schwerer Stoff eine solche Serie tragen kann. Da muss eine Mutter dann entscheiden, ob einer ihrer Söhne dem anderen eine Leber spendet. Das wird sehr emotional, weil sie bei dem Eingriff beide Söhne verlieren kann. Doch auch hier ist Ella zur Stelle und redet freundlich und bestimmt auf die Mutter ein.

Bei RTL legt man Wert auf die Feststellung, dass "Nachtschwestern" nicht nur bloß eine klassische Krankenhausserie ist. Wirklich überspringen will der Funke zum Auftakt aber noch nicht. Zu vorhersehbar sind die Charaktere und Geschichten. Da hilft es auch nicht, dass man bei "Nachtschwestern" endlich mal auf das "ungleiche Duo" verzichtet hat. Wobei Ella und Nora ja irgendwie doch so ein Duo sind. Nur eben mit weniger Schenkelklopfern als in anderen RTL-Serien der jüngeren Vergangenheit. Und einen stressigeren Tag als Beck, Jenny und Maik haben sie vielleicht auch.

RTL zeigt die erste Folge von "Nachtschwestern" am 30. April um 21:15 Uhr. Danach laufen die neuen Folgen immer dienstags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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