How to sell Drugs online (fast) © Netflix
DWDL.de-Serienkritik

Wenn Sie nicht mitkommen, sind Sie kein Kind der 90er

 

Mit "How to sell Drugs online (fast)" startet die dritte deutsche Netflix-Serie und man kann ihr wahrlich nicht vorwerfen, gewöhnlich zu sein. Laut, schnell und bunt kommt sie daher. Da wird schnell klar, dass die btf ihre Finger im Spiel hatte.

von Alexander Krei
30.05.2019 - 09:48 Uhr

Die Geschichte beginnt mit dem Zugriff der Polizei in einer Tiefgarage. Sehen wir hier etwa, welches Schicksal den jungen Drogendealer Moritz Zimmermann ereilen wird? Nein, stattdessen durchbricht der Teenager lächelnd die "vierte Wand" und spricht in bester Frank-Underwood-Manier direkt zum Publikum: Auf keinen Fall solle man Fremden davon erzählen, wenn man große Mengen an Drogen über das Internet vertickt. "Es sei denn, Netflix meldet sich bei dir und will eine Serie über dein Leben machen", sagt Moritz – und imitiert alsdann das berühmte "Ba-dam", das zu Beginn jeder Netflix-Produktion ertönt.

Den ersten Lacher hat Moritz damit schon direkt auf seiner Seite. Es ist ein außergewöhnlich starker Start in eine ungewöhnliche Netflix-Serie, die dritte aus Deutschland und die erste überhaupt für die Kölner bildundtonfabrik, die hierzulande bislang mit dem "Neo Magazin Royale" oder "Kroymann" für Aufsehen sorgte und jüngst mit drei Grimme-Preisen geehrt wurde. "How to sell Drugs online (fast)", so der gute Titel ihres Fiction-Aufschlags, kann auch als Bewerbung für Höheres gesehen werden: Seht her, wir können noch mehr.

Die internationale Aufmerksamkeit war der btf schon vor Wochen sicher, als die Serie im Wettbewerb des Canneseries antrat. Einen Preis gab's nahmen Philipp Käßbohrer und Matthias Murmanns, die als Showrunner und Executive Producer tätig sind, zwar nicht, doch als schlechtes Omen sollte das nicht verstanden werden. Käßbohrer schrieb neben Sebastian Colley und Stefan Titze auch das auf wahren Begebenheiten beruhende Drehbuch – und das verspricht eine wahrlich ungewöhnliche Handlung.

Erzählt wird die Geschichte eines Schülers, der gemeinsam mit seinem besten Freund von seinem Jugendzimmer aus mal eben Europas größten Online-Drogenhandel gründet – und das alles, um das Herz seiner Ex-Freundin zurückzuerobern. Verkörpert werden die beiden Kumpels von Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis, denen man ihre Figuren in jeder Sekunde abnimmt. Dazu kommt der aus "Club der roten Bänder" bekannte Damian Hardung, der in der Rolle des fiesen Schönlings ebenfalls überzeugt. Und dann ist da auch noch Bjarne Mädel als zwielichtiger Drogenhändler – ohnehin immer und überall ein Selbstläufer. 

How to sell Drugs online (fast)© Netflix

Zu den Besonderheiten von "How to sell Drugs online (fast)" zählt ohne Zweifel aber in erster Linie die Inszenierung. Laut, schnell und bunt haben die Regisseure Lars Montag und Arne Feldhusen die Serie in Szene gesetzt und damit immer wieder den klaren Bruch zur deutschen Spießigkeit gewagt, die der Handlungsort mit sich bringt. Die Geschichte nimmt nämlich im 28.000-Einwohner-Städtchen Rinseln ihren Lauf, wo, wie wir erfahren, die meistgesuchten YouPorn-Begriffe "Deutsch", "German" und "Sex" lauten. Trotz aller Ungewöhnlichkeit hat die btf also doch eine typisch deutsche Serie gemacht, irgendwie.

Denn natürlich ist "How to sell Drugs online (fast)" ansonsten gar nicht typisch deutsch. In mitunter atemberaubender Geschwindigkeit fliegen in dieser Coming-of-Age-Serie Social-Media-Profile, Instagram-Bilder oder Messenger-Nachrichten durchs Bild, und vieles wirkt derart nerdig, dass die meisten vor 1990 Geborenen mitunter Probleme damit haben dürften, der Story in all ihren Details zu folgen. Und so manch erwachsener Zuschauer dürfte erst jetzt realisieren, dass Pornos im Netz noch die geringste Gefahr für den Nachwuchs darstellen. 

"How to sell Drugs online (fast)" ist ab Freitag bei Netflix zu sehen.

Dieser Artikel ist anlässlich des Festivals Canneseries in ähnlicher Form schon einmal erschienen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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