Der Traumjob - bei Jochen Schweizer © ProSieben
DWDL.de-TV-Kritik

Schweizer sucht Chef: Applaus für den Sonnenkönig

 

Schweizer seien zurückhaltend, sagt man. Auf Jochen Schweizer trifft das jedoch nicht zu: In seiner neuen ProSieben-Show sucht er einen Geschäftsführer - und hält sich mit Lebensweisheiten nicht zurück. Das macht die Sendung unfreiwillig amüsant.

von Alexander Krei
09.07.2019 - 22:20 Uhr

Es dauert nur wenige Sekunden, dann ist das Bullshit-Bingo bereits eröffnet. Es geht um "Mut" und "Risiko", lässt die Stimme aus dem Off wissen. Und, selbstverständlich, "Leidenschaft". Diese Tugenden sind also gefragt, wenn man Geschäftsführer bei Jochen Schweizer werden will, jener Unternehmensgruppe also, die so heißt wie ihr bekannter Gründer und inzwischen zu ProSiebenSat.1 gehört. Wie praktisch, dass ProSieben für "das längste und intensivste Bewerbungsgespräch der Welt" (O-Ton Schweizer) zufällig noch sechs Abende frei hatte und elf Bewerber um den vermeintlichen "Traumjob" kämpfen lässt.

Wer sich vor dem Fernseher darauf einlässt, kann großen Spaß haben – vorausgesetzt, man ist offen für Phrasendrescherei und eine gehörige Portion Lobhudelei für den Firmenchef. Der wird nämlich von den Kandidaten bei fast jeder Gelegenheit beklatscht und steht stets im Rampenlicht (und manchmal sitzt er auch darin).

Der Traumjob - bei Jochen Schweizer© Screenshot ProSieben

Dazwischen sagt er tolle Sätze, die sich bestens dazu eignen, auf bunten Zitat-Tafeln via Instagram geteilt zu werden. "Mein Büro ist die Welt", schwadroniert Schweizer gleich zu Beginn. Ein anderes Mal lässt er das Publikum wissen, dass sein Job "brutal anstrengend" sei, bevor er kurz lacht: "Aber ich verliere nie die Freude." Und natürlich hat der ehemalige Stuntman auch eine Weisheit rund ums Fallschirmspringen parat, zu dem er seine Bewerber nötigt: "Abzuspringen ohne zu wissen, wo man landet, das ist das Leben in seiner reinsten Form – und man kann das Leben nur gefährlich leben." 

Gesagt, getan. Nach überstandenem Sprung schwebt auch Jochen Schweizer ein – lässig in Jeans und mit dem Lächeln eines Sonnenkönigs tritt er vor die Kandidaten: "Man lernt sich im Erleben am besten kennen."

Wer an dieser Stelle die Kennzeichnung der Dauerwerbesendung vermisst, kann sich in den regulären Werbepausen von den Medienhütern nochmal die Regeln erklären lassen. Alle anderen werden Zeugen, wie die Geschäftsführer in spe erst eine Rede in der – natürlich – "Jochen Schweizer Arena" halten und später in einem wackeligen Kanu aus Holz fahren müssen. Mit der richtigen Methode könne man "etwas vermeintlich Unmögliches schaffen", erklärt Schweizer vor dem Paddeln. Dass eine der Kandidatinnen überhaupt nicht schwimmen kann, wischt er mit nur einem Satz beiseite: "Dann ist es für dich eine besonders große Herausforderung."

Kein Parkettboden im kenianischen Zelt

Später geht’s dann wahlweise in den Windkanal oder zum Wellenreiten, und nachdem die ersten Bewerber gehen müssen, reist Jochen Schweizer mit seiner Entourage nach Kenia, um sich am Viehtreiben zu versuchen. Kurios wird es immer dann, wenn der Chef höchstselbst einräumt, dass das alles nüchtern betrachtet völliger Quatsch ist. "Natürlich" müsse man als Geschäftsführer keine Kühe treiben, sagt er. Stattdessen wolle er eben sehen, wer bereit ist, sich die Hände schmutzig zu machen. Und "natürlich" müsse ein Geschäftsführer kein Spitzen-Surfer sein, aber durch das Beobachten der Menschen könne er Rückschlüsse ziehen. 

Rückschlüsse darauf, mit wem er künftig zusammenarbeiten wird. Oder besser gesagt: Wer mit ihm zusammenarbeiten darf. Dass die Wahl am Ende auf den 45-jährigen Frank fallen wird, dürfte eher ausgeschlossen sein, auch wenn dieser aus Gründen der Dramaturgie auch weiterhin dabei sein wird. Frank ist nämlich auch deshalb ein dankbarer Kandidat, weil er gerne meckert – über die Unterbringung im Doppelzimmer etwa, die nicht seinem Status entspreche. Oder über das einfache Zelt, das als Schlafplatz in Kenia dient und zu seiner Enttäuschung nicht mit Parkettboden ausgestattet ist.

Wo Jochen Schweizer übernachtet, ist nicht überliefert. Dafür erzählt er jedoch, dass er das Land bereits in den 80er Jahren mit dem Motorrad durchquert hat und manchmal sogar im Freien schlief, obwohl es dort so gefährlich ist. Dieser Jochen Schweizer, ein echter Teufelskerl. Ein Jammer, dass er so zurückhaltend ist.

"Der Traumjob - bei Jochen Schweizer" läuft dienstags um 20:15 Uhr bei ProSieben.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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