Wer sich bei einem Banküberfall dazu entschließt, die Verbrecher unbewaffnet in einen Plausch zu verwickeln, damit eine andere Person den Sicherheitsknopf betätigen kann, ist entweder wagemutig, oder schlicht dämlich. Diese Person könnte sich aber auch an einem Punkt in ihrem Leben befinden, an dem es ihr egal ist, wenn potenziell tödlichen Konsequenzen auf sie zukommen. Nathan Fillion, der ehemalige "Castle"-Star, verkörpert genau so jemanden. John Nolan ist am Ende seiner dreißiger und steht vor einem Scherbenhaufen, der einst seine Baufirma und Ehe war. Bei eben jenem Banküberfall verhindert er heldenhaft ein Verbrechen und ist sich schnell sicher, dass er dieses glückselige Gefühl noch viel öfter erleben möchte und dass er einen zweiten Anlauf wagen möchte. 

Nachdem Nathan Fillion mehrere Jahre einen Krimiautoren mimte, der der New Yorker Polizei bei ihren Fällen half, schlüpft er nun in die Rolle eines Polizisten-Azubis, der die Straßen Los Angeles sicherer machen möchte. Mit seinen knapp Vierzig ist er der mit Abstand Älteste im sogenannten Rookie-Team, was ihm neben viel Häme auch ein gewisses Mobbing entgegen schwappen lässt. Lieutenant Wade Grey (Richard T. Jones, "Santa Clarita Diet") ist sich nämlich sicher: "Eine wandelnde Midlife-Crisis", wie Nolan eine sei, sorge lediglich dafür, dass der Beruf des Polizisten in Verhöhnung gerät. Außerdem lassen sich junge Rookies leichter "zurechtbiegen", während ein Mann seines Alters bereits so tue, als ober wissen würde, wie das Leben funktioniert.

Nolans Einstand in seinen neuen Job ist also ein ebenso schwieriger, wie es bei der Premiere von "The Rookie" beim US-amerikanischen-Heimatsender ABC der Fall war. Das Genre der Cop-Serien ist überflutet mit stereotypischen Erzählungen, in der immer wieder die gleiche Leier abgespult wird. Doch "The Rookie" beweist schnell, dass sich das Team um Showrunner Alexi Hawley (der bereits "Castle" mitproduziert hat) neu erfinden und ein Statement setzen wollte.

Um genau zu sein hat ABC mit "The Rookie" gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Es wird auf der einen Seite dafür gesorgt, dass das Bild des Polizisten in Amerika wieder etwas höher gehängt wird. Nach etlichen Vorfällen, in denen Rassismus, vorsätzliche Gewalt und vertuschte Verbrechen an die Öffentlichkeit gelangten, tut "The Rookie" alles dafür, um die menschliche Seite der Exekutive zu zeigen. Der Zuschauer begleiten die Polizei-Frischlinge durch die Ausbildung und bekommen zu sehen, dass es neben so manchem schwarzen Schaf zahlreiche motivierte Menschen gibt, die etwas in dieser Welt ändern möchten.

Auf der anderen Seite zeigt "The Rookie" in einer Welt, die noch nie so gehetzt war, wie die heutige, dass es immer einen Neuanfang geben kann. Für Glück ist es nie zu spät, John Nolan soll der Beweis sein. Der neue "American Dream" sozusagen. Doch dafür heißt es sich reinzuhängen und immer die Extrameile zu gehen. Eine bessere Werbung für ein engagiertes Leben im Deckmantel des Staates hätte man mit einem Sympath wie Nathan Fillion nicht inszenieren können. "The Rookie" ist die perfekte Midlife-Crisis, an der sich jedermann festhalten kann, der sich in ähnlicher Situation befindet.

Inhaltlich möchte man den Zuschauern neben mehr oder weniger überraschenden Fällen nicht unmittelbar zumuten. Es herrscht viel explizite Erklärung, was sich beispielsweise in einer Szene in der ersten Folge zeigt, in der Ausbilder Tim Bradford (Eric Winter) breit ausführt, dass seine beiden Kolleginnen sich nicht ausstehen können, weil die eine aus kindlichen Idealen Polizisten wurde und die Andere, weil es ein Karrieresprungbrett darstellt. Diese Konflikte hätten auch auf charmantere Weise im fließenden Prozess eingebunden werden können.

Doch das sind Kinderkrankheiten, die in "The Rookie" mit zunehmender Laufzeit immer weiter in den Hintergrund gerückt werden. Tatsächlich besitzt die ABC-Produktion ein äußerst findiges Drehbuch, das in den eigentlichen Kriminalfällen zwar kaum neues zeigt, in den zwischenmenschlichen Beziehungen aber groß auftrumpft. "The Rookie" fühlt sich wie ein größer angelegtes Projekt an, in dem sich Nathan Fillion, der mit "Firefly" und "Castle" bereits langjährige Serien in der Vita stehen hat, schon jetzt pudelwohl integriert zu haben scheint.

Die erste Staffel von "The Rookie" ist ab sofort jeden Freitag um 21:45 Uhr in Doppelfolgen bei ZDFneo zu sehen. In den USA hat ABC bereits den ersten Teil einer zweiten Staffel gezeigt.