Twilight Zone 2019 © CBS
Mit Jordan Peele als Produzent und Host

"The Twilight Zone": Comeback des Übernatürlichen

 

Mit der von Jordan Peele inszenierten Version wurde "The Twilight Zone" zum nunmehr dritten Mal neu aufgelegt. Das Sammelsurium an übernatürlichen Geschichten kann erneut überzeugen. Nur die Auftaktfolge sollten Sie überspringen.

von Kevin Hennings
02.02.2020 - 12:30 Uhr

"The Twilight Zone" ist eine Institution des Grauens. Die US-amerikanische Kult-Serie inszeniert seit 1959 allerlei übernatürliche Kurzgeschichten, in denen von Sci-Fi über Horror bis Fantasy jedes Genre abgedeckt wird. Ähnlich wie bei "X Factor: Das Unfassbare" steht immer die Frage im Raum, ob das Gesehene in irgendeiner Weise auf einer wahren Begebenheit beruht. Heute wie damals fasziniert es, dass der Zuschauer sich nie hundertprozentig sicher sein kann, wie viel Fiktion schlussendlich in der Geschichte steckt. "The Twilight Zone" wurde 1964 eingestellt, kehrte 1985 zurück, wurde zwei Jahre wieder eingestellt und schließlich 2002 für eine Staffel dann doch nochmal fortgeführt. Im vergangenen Jahr kam es zum nunmehr dritten Revival, das inzwischen in Deutschland beim Streamingdienst TVNow angekommen ist.

Die Voraussetzungen für dieses Mammutprojekt, ein solch goldenes Vermächtnis ehrwürdig ins Fernsehen zurückzuholen, hätten tatsächlich nicht besser aussehen können. Nachdem CBS bereits 2012 geplant hatte, neue Folgen zu produzieren, konnten fünf Jahre später Jordan Peele ("Get Out", "Key & Peele") und seine Produktionsfirma Monkeypaw Productions als Produzent gewonnen werden. Peele fungiert zudem als Host, der in jeder Episode auf der Metaebene in Erscheinung tritt. Der Showrunner-Posten ging indes an Marco Ramirez, der zuvor die Superhelden-Serie "Marvel's The Defenders" für Netflix kreierte. Simon Kinberg ergänzt das Produzententeam, der einige Hochkaräter wie "X-Men: Dark Phoenix" und "Designated Survivor" in seiner Vita zu verzeichnen hat. Es wurde ein kreatives Team versammelt - das sich jedoch einen erheblichen Fehler eingestehen muss.

Mit "The Comedian" haben die Macher eine Auftaktfolge gewählt, die auf viele Fans eher abschreckend wirken dürfte. Ist "The Twilight Zone" eigentlich für knackige Geschichten bekannt, in denen emotionale Achterbahnen in knapp 25 Minuten abgehandelt werden, sprengt "The Comedian" mit seinen 55 Minuten komplett den Rahmen und ist dabei nicht einmal besonders spannend inszeniert. Die von Alex Rubins (ebenfalls ein "Key & Peele"-Mitglied) verfasste Story, die Owen Harris ("Black Mirror: San Junipero") in Bildern festhält, dreht sich um einen Stand-Up-Comedian (eindrucksvoll performt von Kumail Nanjiani, "The Big Sick"), der mit seinen schäbigen Polit-Witzen im besten Fall ein paar Mitleidslacher abstaubt.

Eines Nachts taucht der berühmte Komiker JC Wheeler (Tracy Morgan, "30 Rock") auf, der ihm einen folgenschweren Rat mit auf den Weg gibt: "Niemand will hören, wie du die Politik kritisierst. Erzähl lieber was aus deinem Leben." Wheeler warnt ihn aber auch gleichzeitig davor. Denn wenn er etwas Persönliches erzählen sollte und dem Publikum gefällt, was sie zu hören bekommen, wird eben diese persönliche Sache für immer verschwinden. Wortwörtlich. Der Nachwuchscomedian hört jedoch nur auf die erste Hälfte des Ratschlags und muss dann schmerzlich feststellen, dass sein Hund tatsächlich wie vom Erdboden verschluckt ist, nachdem er auf der Bühne von ihm erzählt.

Natürlich klingt das wie eine spannende Prämisse. Leider gelingt es nicht, damit eine gefühlte Spielfilmlänge anständig zu füllen. Alleine bis zu Peeles erstem Auftritt vergehen zehn zermürbende Minuten, bis er die Episode endlich mit den Worten einleitet, dass der Comedian nun die Twilight Zone betreten hat. Ein legendärer Serien-Slogan, der so alt ist wie die Zeit selbst.

"The Comedian" hat deutlich zu viel Zeit zugesprochen bekommen und verliert sich dementsprechend in einer zähen Auflistung von Pros und Contras der neu erlangten Gabe. Die Episode wiederum verliert sich in Wiederholungen und verrät mit dem ersten Aufeinandertreffen mit JC Wheeler bereits den größten Twist. Es wird keine weitere, schockierende Wendung folgen. Genau deswegen können Sie sich die Folge guten Gewissens sparen und direkt zum eigentlichen Auftakt des Revivals begeben: "Nightmare at 30,000 Feet".

"Nightmare at 30,000 Feet" ist eine Hommage an die bereits gezeigte "Twilight Zone"-Folge "Nightmare at 20,000 Feet" aus dem Jahre 1963. In der Originalfolge geht es um einen Flugzeugpassagier, der plötzlich einen Gremlin auf dem Flügel des Flugzeuges sieht. Der Protagonist gerät in Panik und versucht den Flugbegleitern zu zeigen, was er gesehen hat – doch niemand außer ihm kann ihn sehen. Eine Geschichte, die für den "Twilight Zone"-Film 1983 mit John Lithgow in der Hauptrolle noch einmal neu verfilmt wurde. In der 2019er Vision geht es ebenfalls um einen nervösen Mann namens Justin Sanderson (Adam Scott, "Big Little Lies), der mit einer Sache konfrontiert wird, die nur er wahrnehmen kann.

Dieses Mal wird es jedoch deutlich moderner: An Board des Fluges 1015 nach Tel Aviv entdeckt Sanderson einen MP3-Player mit einem Podcast darauf. Er schließt aus Neugier seine Kopfhörer an und muss mit Erschrecken feststellen, dass es eine True-Crime-Audiodatei über seine eigene Situation ist: Flug 1015 soll auf mysteriöse Weise verschwunden sein. Auch Sanderson möchte seine Mitflieger warnen und mitteilen, dass etwas Schlimmes passieren kann, wenn sie nichts unternehmen. Doch kann er überhaupt etwas an dem scheinbaren Ausgang ändern? Fraglich, da sich auch das Flugzeug in der Twilight Zone befindet.

Mit dieser Folge hat das Team hinter Jordan Peele exakt den Geist aufgegriffen, den "Twilight Zone"-Schöpfer Rod Sterling einst erdacht hatte. Es beginnt damit, dass Sandersons Nervösität nicht erst beim prophetischen Podcast beginnt. Bereits im Sicherheitscheck wird er, im Gegensatz zu anderen Passagieren, gleich zwei Mal kontrolliert, ehe er am Zeitungsstand ein Magazin mit einem von ihm geschriebenen Artikel kauft. Der Titel: "Das Ende der Menschheit"? Von Anfang an ist Sandersons Rundumangst präsent und wird mit den folgenden Minuten immer weiter gesteigert.

Es ist genau diese dramaturgische Meisterleistung, die eine "Twilight Zone"-Folge sehenswert werden lässt. Natürlich handelt es sich in diesem Fall gewissermaßen um eine Adaption einer bereits existenten Erzählung. Jedoch wurde derart viel Neues in den Kochtopf geschmissen, dass sich das Serien-Revival bereits hier gelohnt hat. Lassen Sie sich also nicht von dem ungenügsamen "Comedian" irritieren und geben Sie der Sache eine Chance. Mit und nach "Nightmare at 30,000" nimmt "The Twilight Zone" enorm an Fahrt auf. 

Die erste zehnteilige Staffel der 2019er-Version von  "The Twilight Zone" ist ab sofort bei TVNow zu sehen. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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