United Voices © Sat.1/Frank Dicks
DWDL.de-TV-Kritik

"United Voices": Fan-Ansammlung ausdrücklich erwünscht

 

Seltene Bilder in diesen Tagen: In der neuen Sat.1-Show "United Voices" singen Stars gemeinsam mit ihren Fans - wie gut, dass die Aufzeichnung schon weit vor Corona stattfand. Ansteckend ist hier nur die Stimmung im Studio. Die TV-Kritik...

von Alexander Krei
13.03.2020 - 23:38 Uhr

Sat.1 kann sich glücklich schätzen, seine Musikshow "United Voices" schon vor einigen Monaten aufgezeichnet zu haben. Denn während derzeit Land auf, Land ab die Ränge in den Fernsehstudios leer bleiben müssen, wartet der von Tresor TV produzierte Neustart mit fröhlichen Menschen auf, die dicht beisammenstehen und lautstark zusammen singen. In Zeiten von Sars-Cov2 wären derartige Szenen kaum denkbar. Umso besser also, dass sie bereits im Kasten sind.

"Das größte Fanduell der Welt", wie die Show ein bisschen zu großspurig im Untertitel genannt wird, ist nämlich wirklich schönes Fernsehen – auch wenn es streng genommen um wenig geht. Für die beiden Musiker, die sich hier duellieren, bedeutet "United Voices" dagegen umso mehr, schließlich gleicht die Sendung einer Überraschungsparty, bei der die eigenen Anhängerschaft für die nötige Stimmung sorgen.

Über 200 hart gesottene Fans singen gemeinsam mit ihrem Star dessen größte Hits, in der Hoffnung, eine unabhängige Publikumsjury zu begeistern und dadurch möglichst viele Punkte zu sammeln. Damit die Überraschung besonders gut gelingt, werden die Fan-Blöcke zunächst von einem übergroßen Tuch bedeckt. Entsprechend groß ist die Freude, wenn die Musiker ihren Anhängern plötzlich in die Augen blicken können. Ein schöner Moment.

Popmusiker Sasha strahlte bei der Premiere über das ganze Gesicht, als der Fan-Chor zu trällern begann. Deutlich skeptischer begegnete dagegen sein Herausforderer Sido den Unterstützern. "Ey, blamiert mich jetzt nicht", mahnte er, noch bevor der erste Ton verhallte. Am Ende zeigte er sich dann aber doch noch zufrieden und erzählte von der Gänsehaut, die ihn beim gemeinsamen Singen übermannte. So geht das über mehrere Runden, in denen viel mehr eigentlich nicht geschieht und alle super happy sind.

United Voices

Viel mehr braucht es allerdings auch gar nicht, weil sich die gute Stimmung im Studio durch die motivierten Fan-Lager schnell ins Wohnzimmer transportiert. Man kann sich gut vorstellen, dass der Warm-Upper bei dieser Aufzeichnung nicht allzu viel zu tun hatte. Eher störend sind allenfalls die etwas zu lang geratenen Pausen zwischen den Auftritten, die mit Porträts einzelner Fans gefüllt werden. Stattdessen hätte man gerne mehr direkte Begegnungen zwischen den Stars und ihren Anhängern gesehen.

So wie im Falle von Sido-Fan Nico, der sein Idol – standesgemäß mit Maske – würdigte und sich sogar zahlreiche Tattoos abgeschaut hat. Das fand selbst der Rapper so speziell, dass er seinem Verehrer kurzerhand anbot, sämtliche noch fehlenden Sido-Tattoos aus eigener Tasche zu bezahlen. Das und nicht zuletzt ein gelungener Final-Auftritt mit einer coolen Astronauten-Choreo sorgten dafür, dass Sidos Fans an diesem Abend die besten waren und sich, frei von Corona, in den Armen liegen konnten.

Die größte Schwäche von "United Voices" dürfte der Fokus auf nur zwei Künstler pro Show sein – wer mit der Musik der beiden Stars nichts anzufangen weiß, ist womöglich trotz des stimmigen Konzepts schnell wieder raus. Wer sich jedoch drauf einlässt, kann sich über zwei unterhaltsame Stunden freuen, an denen auch Jochen Schropp und Moderatoren-Neuling Sarah Lombardi einen Anteil haben. Nur komisch, dass sich Sat.1 nicht traut, die beiden weiteren bereits produzierten Folgen direkt hinterherzuschieben. In Zeiten wie diesen ist der Applaus des Studio-Publikums schließlich wertvoller denn je.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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